Stilsicher

Für deutschsprachige Texte sollten Sie die Stilvorlage unbedingt anpassen. Dabei gibt es deutlich unterschiedliche Konventionen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich einerseits und im juristischen und geisteswissenschaftlichen Bereich andererseits.

Listing 3

%Präambel:
\usepackage[numbers]{natbib}
%Dokument:
\begin{document}
Hier steht ein Verweis auf \cite[121]{Gettier1963}.
\bibliographystyle{plaindin}
\nocite{*}
\bibliography{listing1}
\end{document}

In Listing 3 wurde der Inhalt von Listing 2 so angepasst, dass die Ausgabe den im deutschen Sprachraum gängigen mathematisch-naturwissenschaftlichen Konventionen entspricht. Dazu laden Sie in der Präambel (Zeile 2) das Paket natbib [9] und stellen über die Option in eckigen Klammern die Zitierweise über einen numerischen Verweis auf den Eintrag im Literaturverzeichnis ein. Außerdem gibt die Deklaration an, welche der Stilvorlagen des Pakets zum Einsatz kommt (Zeile 6).

Deutschsprachige Texte aus dem juristischen oder geisteswissenschaftlichen Bereich erfordern tiefgreifendere Anpassungen. Dazu stellt das Paket jurabib [10] eine gute Wahl dar; es bringt zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten mit. Das Beispiel in Listing 4 gibt einen grundlegenden Eindruck von den Möglichkeiten, die jurabib bietet.

Listing 4

%Präambel:
\usepackage{jurabib}
\jurabibsetup{
  citefull=first,
  authorformat=allreversed,
  authorformat=and,
  authorformat=year,
  ibidem=strict,
  commabeforerest,
  edby,
  see,
  titleformat=colonsep,
  dotafter=bibentry
}
\renewcommand*{\jbcitationyearformat}[1]{(#1)}
\renewcommand*{\bibbtsep}{In: }
\renewcommand*{\bibjtsep}{In: }
\renewcommand*{\bibansep}{: }
\renewcommand*{\bibatsep}{.}
%Dokument:
\begin{document}
Hier steht ein Verweis auf Earman (1986)\footcite[Vgl.][42--73]{Earman1986}, es folgt ein Verweis auf Gettier (1963)\footnote{Soll außer dem Verweis noch weiterer Text in der Fußnote erscheinen, ist auch das problemlos möglich. (\cite[Vgl.][]{Gettier1963}.)} und ein weiterer Verweis auf Earman (1986),\footcite[Vgl.][42--73]{Earman1986} gefolgt von noch einem Verweis auf denselben Text.\footcite[Vgl.][42--73]{Earman1986}
\bibliography{listing1}
\bibliographystyle{jurabib}
\nocite{*}
\end{document}

Zunächst lädt das Dokument das Paket jurabib (Zeile 2). In einem eigenen Befehl stehen dann die Parameter für das Paket (Zeilen 3 bis 14). Exemplarisch sind ein paar Veränderungen vorgenommen worden, die einen grundlegenden Eindruck davon vermitteln sollen, welche Möglichkeiten es gibt: Beim ersten Verweis erscheint jeweils die volle Angabe zur Literatur (Zeile 4), die Namen von Autoren und Herausgebern gibt die Software in der Reihenfolge Vorname Nachname aus (Zeile 5). Mehrere Autoren und Herausgeber trennt sie durch Kommas sowie das Wort "und", statt wie in der Voreinstellung durch Schrägstriche (Zeile 6).

Kurzzitate haben das Format Nachname Jahr (Zeile 7), bei wiederholten Zitaten erscheint "a. a. O." (Zeile 8). Vor Seitenzahlen steht ein Komma (Zeile 9), vor Herausgebernamen "Hrsg. v." (Zeile 10). Zitaten könnten Sie ein "Vgl." oder Ähnliches voranstellen (Zeile 11), zwischen Autor und Titel steht im Verweis im Fließtext ein Doppelpunkt (Zeile 12). Jeder Eintrag im Literaturverzeichnis wird durch einen Punkt abgeschlossen (Zeile 13).

Noch individueller fällt das Format aus, wenn Sie einige Befehle umdefinieren (Zeilen 15 bis 19). Für Kurzzitate ist das Format Nachname Jahr eingestellt (Zeile 7). Der Befehl aus Zeile 15 legt fest, dass die Jahreszahl in runden Klammern erscheint. Sammelbänden und Zeitschriften steht ein einleitendes "In: " voran (Zeilen 16 und 17). Im Literaturverzeichnis folgen dem Namen des Autors ein Doppelpunkt und ein Leerzeichen (Zeile 18) und dem Titel ein Punkt (Zeile 19).

Für den Dokumententeil steht ein neuer Befehl bereit, der Verweise nicht in den Fließtext, sondern in die Fußnote setzt (Zeile 22). In der ersten eckigen Klammer dieses Befehls darf ein Text stehen, den Sie dem Zitat voranstellen möchten, beispielsweise "Vgl.". In der zweiten eckigen Klammer dürfen Sie Seitenzahlen hinzufügen, in die geschweifte Klammer gehört der BibTeX-Key.

Mit jurabib passen Sie das Format der Verweise und des Literaturverzeichnisses so detailliert an, dass Sie Ihren eigenen Vorstellungen ebenso gerecht werden wie den Vorgaben Ihrer Universität oder eines Verlags. Das erfordert allerdings, sich etwas einzuarbeiten. Scheuen Sie eine intensivere Beschäftigung in BibTeX nicht, dann erstellen Sie bei Bedarf Ihre eigene, maßgeschneiderte Stilvorlage. Hierbei hilft das Paket custom-bib [11].

Fazit

BibTeX erweist sich als leistungsfähig und einfach zu handhaben. Spezielle Literaturverwaltungsprogramme und Apps erleichtern die Handhabung und steigern den Bedienkomfort nochmals. Die Integration in LaTeX-Dokumente gelingt problemlos. Allerdings kann das Anpassen der Stilvorlage anfangs etwas Mühe machen und eine gewisse Einarbeitungszeit kosten, aber sobald Sie das erledigt haben, erleichtert BibTeX die Literaturverwaltung wesentlich. 

Der Autor

Daniel Tibi ist Benediktiner-Mönch der Abtei Kornelimünster in Aachen. Er promoviert in Kirchenrecht an der KU Leuven. Als Wissenschaftler nutzt er gekonnt die umfangreichen Möglichkeiten von LaTeX aus, als freier Autor schreibt er über seine Erfahrungen mit dem Textsatzsystem.

Infos

[1] BibTeX: http://ctan.org/pkg/bibtex/

[2] Google Books: http://books.google.de

[3] Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds: http://gso.gbv.de

[4] Jabref: http://jabref.sourceforge.net

[5] Jabref-Dokumentation: http://jabref.sourceforge.net/resources.php

[6] RefMaster: http://play.google.com/store/apps/details?id=me.bares.refmaster

[7] Eratosthenes Reference Manager: http://play.google.com/store/apps/details?id=com.mm.eratos

[8] PDFs mit Links: Daniel Tibi, "Letzter Schliff", LU 09/2013, S. 54, http://www.linux-community.de/29691

[9] Natbib: http://www.ctan.org/pkg/natbib/

[10] Jurabib: http://www.ctan.org/pkg/jurabib/

[11] Custom-bib: http://www.ctan.org/pkg/custom-bib/

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