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Erste Schritte mit der Media-Publishing-Plattform MediaGoblin

Verspielter Kobold

Es muss nicht immer Youtube sein: Über die in Python geschriebene Webanwendung MediaGoblin stellen Sie Bilder, Töne und Videos selbst im Inter- und Intranet bereit.

Wollten Sie schon immer Ihr eigenes Youtube aufsetzen und betreiben? Die selbst ernannte "Media Publishing Platform" MediaGoblin [1] bietet Ihnen genau dazu die Gelegenheit. Nach der Installation auf Ihrem Server laden Sie bequem über einen Browser Videos, Audiomaterial oder Fotos hoch und garnieren das Ganze noch mit ein paar Schlagwörtern und Beschreibungen. Alle Intra- oder Internetnutzer dürfen dann die Videos, Musikstücke und Fotos nicht nur ansehen, abspielen und herunterladen, sondern auch kommentieren. MediaGoblin eignet sich daher nicht nur für Familienalben, sondern richtet sich auch an Firmen, die beispielsweise im Intranet Produktvideos verteilen möchten.

MediaGoblin steht unter der GNU AGPLv3 und ist sogar Teil des GNU-Projekts. Ihre Praxistauglichkeit beweist die Media-Publishing-Plattform unter anderem auf den Seiten der LibrePlanet-Conference [2]. MediaGoblin bietet derzeit allerdings noch keine ausgefeilte Benutzerverwaltung; jeder x-beliebige Besucher darf sämtliche Bilder, Videos und Audiodateien ansehen, abspielen und herunterladen. Lediglich das Hochladen und Kommentieren der Medien bleibt registrierten Benutzern vorbehalten.

Zäh fließende Entwicklung

MediaGoblin existiert bereits seit dem Frühjahr 2011. Um die Arbeit etwas zu beschleunigen, riefen die Entwickler im Oktober 2012 eine Spendenkampagne ins Leben. Mit dem dabei eingesammelten Geld sollte Hauptentwickler Chris Webber ein Jahr lang in Vollzeit an MediaGoblin arbeiten können. Dennoch verlief die Weiterentwicklung äußerst zäh. Im März 2014 brachte eine zweite Spendenkampagne über 65 000 Dollar ein. Mit diesem Geld wollte das Projekt endlich die Version 1.0 fertigstellen. Doch auch dieses Vorhaben zieht sich wie Kaugummi: Zuletzt veröffentlichten die Entwickler im September 2014 die Version 0.7.1. Ihr fehlen noch zahlreiche, für die Version 1.0 geplante Funktionen. Dazu gehören eine Unterstützung für Podcasts sowie eine Verknüpfungsmöglichkeit von mehreren MediaGoblin-Installationen (die sogenannte Federation-Funktion). Wie die rege Aktivität auf Gitorious beweist, geht die Entwicklung jedoch nach wie vor weiter – wenn auch nur in kleinen Schritten [3].

Komplexer Einspieler

Um MediaGoblin in Betrieb zu nehmen, benötigen Sie eine Python-Umgebung in der Version 2.7. Zusätzlich verlangt MediaGoblin die Python Imagine Library (kurz: PIL), das Python-Modul Python-lxml, das Werkzeug Virtualenv und die Versionsverwaltung Git. Die später von Benutzern eingegebenen Stichworte, Beschreibungen und Kommentare wandern wahlweise in eine SQLite- oder PostgreSQL-Datenbank. Abschließend benötigen Sie noch einen Webserver, der Python-Anwendungen über die FastCGI-Schnittstelle startet.

Aufgrund der genannten Anforderungen lässt sich MediaGoblin nicht einfach auf handelsüblichen Webhosting-Angeboten betreiben. Sie müssen folglich zu einem Root-Server greifen und diesen selbst einrichten beziehungsweise warten. Für Testzwecke und erste Gehversuche bringt MediaGoblin einen eigenen Webserver mit. Dadurch reduziert sich die Inbetriebnahme auf wenige Kommandozeilenbefehle.

Zunächst installieren Sie alle benötigten Werkzeuge. Python 2.7 bringen die meisten Distributionen von Haus aus mit. Eine Datenbank müssen Sie nicht installieren, MediaGoblin nutzt dann automatisch SQLite. Die restlichen Komponenten holt unter Ubuntu der Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 hinzu.

Laden Sie anschließend das Archiv mit der aktuellen MediaGoblin-Version [4] herunter. Zu Redaktionsschluss war dies mediagoblin-0.7.1.tar.gz. Dann entpacken Sie das Archiv in Ihrem Heimatverzeichnis und wechseln Sie in den dabei neu entstandenen Ordner (Listing 1, zweite und dritte Zeile).

Listing 1

$ sudo apt-get install git-core python python-dev python-lxml python-imaging python-virtualenv
$ tar xvfz mediagoblin-0.7.1.tar.gz -C ~
$ cd ~/mediagoblin-0.7.1

Die MediaGoblin-Entwickler empfehlen, immer die jeweils aktuelle Entwicklerversion herunterzuladen und zu nutzen. Allerdings kann diese Version noch unbekannte Fehler enthalten. Möchten Sie sie dennoch ausprobieren, richten Sie zunächst die Autoconf-Tools ein, wozu unter Ubuntu 14.10 die Installation des Pakets autoconf2.13 genügt. Anschließend holen Sie MediaGoblin mit den Befehlen aus Listing 2 auf die Festplatte.

Listing 2

$ git clone git://gitorious.org/mediagoblin/mediagoblin.git
$ cd mediagoblin
$ git submodule init && git submodule update
$ ./bootstrap.sh
$ ./configure

In jedem Fall müssen Sie als Nächstes mit dem Befehlsungetüm aus der ersten Zeile von Listing 3 eine virtuelle Umgebung einrichten. Anschließend lassen Sie die von MediaGoblin benötigten Datenbanktabellen erstellen (Listing 3, zweite Zeile). Das dabei hilfreiche Werkzeug Gmg übernimmt im späteren Verlauf noch weitere Verwaltungsaufgaben.

Listing 3

$ (virtualenv --python=python2 --system-site-packages . || virtualenv --python=python2 .) && ./bin/python setup.py develop
$ ./bin/gmg dbupdate

Jetzt können Sie endlich MediaGoblin via ./lazyserver.sh anwerfen. Dabei startet im Hintergrund der Webserver Python Paste [5]. In der aktuellen Entwicklerversion kommt hingegen der WSGI-HTTP-Server Gunicorn zum Einsatz [6]. Nachdem einer der beiden Webserver läuft, erreichen Sie via Browser unter der Adresse http://localhost:6543 die Benutzeroberfläche von MediaGoblin (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Benutzeroberfläche von MediaGoblin begrüßt den Anwender in Schwarz und einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

Profilbildung

Erstellen Sie nun via Create an account at this site ein neues Benutzerkonto. Nachdem Sie das Formular ausgefüllt und auf Registrieren geklickt haben, schickt Ihnen MediaGoblin eine E-Mail mit einem Aktivierungslink. Das soll verhindern, dass Spam-Programme automatisch beliebig viele Konten erstellen. In einer Testinstallation dürfte die E-Mail jedoch gar nicht erst den Computer verlassen. Dank des standardmäßig aktiven Debug-Modus erscheint jedoch auch auf der Kommandozeile der komplette E-Mail-Inhalt samt Aktivierungslink (Abbildung 2). Dessen Adresse müssen Sie lediglich in Ihrem Browser aufrufen.

Abbildung 2: Den Aktivierungslink muss man in den Ausgaben etwas suchen: Hier steht er in der Mitte des Terminalfensters.

Direkt nach der Installation von MediaGoblin darf jeder x-beliebige Besucher ein neues Benutzerkonto anlegen und dann nach Lust und Laune eigene Medien hochladen. Um das zu blockieren, öffnen Sie im MediaGoblin-Verzeichnis die Datei mediagoblin.ini mit einem Texteditor und ändern die Zeile allow_registration = true auf allow_registration = false. Speichern Sie die Datei ab und lassen Sie mit ./bin/gmg dbupdate die Datenbank aktualisieren. Ab sofort dürfen Sie neue Benutzerkonten nur noch über die Kommandozeile via ./bin/gmg adduser anlegen.

Jeder Benutzer besitzt eine sogenannte Profilseite (Abbildung 3). Die Angaben über die eigene Person können Sie mit einem Klick auf Profil bearbeiten ändern. Hinterlegen dürfen Sie neben einer Biographie auch die Adresse des eigenen Internetauftritts. Die Profilseite eines beliebigen Benutzers erreichen Sie, indem Sie an die Adresse http://localhost:6543/u/ den Benutzernamen anhängen. Das Profil des Benutzers tim finden Sie folglich unter http://localhost:6543/u/tim/. MediaGoblin bietet derzeit keine Übersichtsseite mit allen Profilen an.

Abbildung 3: Die Profilseite eines neuen Nutzers zeigt Informationen über den Nutzer sowie die von ihm hochgeladenen Bilder an.

Rechts oben in der Fensterecke finden Sie ein nach unten gerichtetes Dreieck. Ein Klick darauf zaubert weitere Einstellungen und Aktionen hervor. Über Ihren Namen (in Abbildung 4: tim) landen Sie immer wieder auf Ihrer Profilseite. Medien laden Sie mit einem Klick auf Medien hinzufügen hoch. Dabei wählen Sie zunächst via Durchsuchen die fragliche Datei auf der Festplatte aus und vergeben dann noch einen Titel, eine kurze Beschreibung, Schlagwörter sowie eine passende Lizenz (Abbildung 5). Die Schlagwörter trennen Sie durch Kommas. Nach einem Klick auf Hinzufügen lädt MediaGoblin die Datei hoch und stellt sie wie in Abbildung 4 auf der Profilseite zur Auswahl.

Abbildung 4: Über das Dreieck klappen wichtige Links auf. Nach jeder Aktion blendet MediaGoblin sie allerdings immer wieder aus.
Abbildung 5: Die Beschreibung dürfen Sie mit Markdown-Tags aufhübschen beziehungsweise formatieren.

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