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© Ion Popa, 123RF

Castnow streamt Musik und Videos auf den Chromecast

Linux-Casting

Schnell mal einen Film von der Festplatte auf einen Chromecast streamen? Dieses Einsatzgebiet sieht Google für seinen Chromecast nicht vor. Zum Glück gibt es den simplen, aber zuverlässigen und vielseitigen Helfer Castnow.

Mit einem mit Android bestückten Handy oder Tablet lässt sich ein am Fernseher angeschlossener Chromecast-Dongle bequem mit Inhalten bespielen. Sie rufen dazu lediglich eine Chromecast-fähige App auf, wie etwa YouTube, Google Music oder die ZDF-Mediathek-App, tippen auf das Chromecast-Icon, und nur wenige Augenblicke später erscheint der gewünschte Inhalt auf dem Fernseher. Nun aber wäre es sicherlich ganz bequem, wenn sich der Chromecast auch über einen PC bedienen ließe. Für Linux-Anwender gibt es hierfür kaum eine Lösung. Mit dem Chromecast-Client Castnow [1] für Linux- und Mac-Systeme lässt sich der Chromecast vom Terminal aus steuern.

Mit Castnow casten

Castnow ist ein auf Node.js [2] aufsetzendes Kommandozeilentool zum Abspielen von Multimedia-Inhalten auf einem Chromecast-Dongle – ohne dass Sie dafür ein Android-Gerät zur Hand nehmen müssten. Castnow unterstützt das Abspielen von lokal vorliegenden Musikdateien oder Videos, von Youtube-Clips, von im Netz gespeicherten Videos und sogar auch direkt von Torrents. Das Programm erlaubt es Ihnen zudem, sich in eine bestehende Chromecast-Session einzuklinken und diese vom Rechner aus zu steuern. Einzig zum ersten Einrichten des Dongles benötigen Sie zwingend ein Android- oder iOS-Gerät mit der Chromecast-App.

Als Systemvoraussetzung braucht es eine aktuelle Version von Node.js und optional zum Umkodieren von Videos noch Ffmpeg. Bei Ubuntu lässt sich Node.js mitsamt des dazugehörigen Paketmanagers Npm über die gleichnamigen Pakete aus den Paketquellen installieren – allerdings enthält selbst Ubuntu 14.10 eine uralte Version des Frameworks. Sie müssen daher Node.js aus der PPA-Paketquelle von Chris Lea [3] installieren (Listing 1). Die von Nodesource bereitgestellte Paketquelle für Debian und Ubuntu [4] hingegen führt eine Node.js-Version, mit der sich Castnow noch nicht versteht.

Auch das zum Transkodieren nötige Programm Ffmpeg lässt sich unter Ubuntu nicht ganz so einfach installieren, da die Distribution seit der Version 12.04 auf das von Ffmpeg abgespaltete Projekt Libav setzt. Erst mit Ubuntu 15.04 "Vivid Vervet" kehrt Ffmpeg wieder in die Paketquellen zurück. Da Libav allerdings so gut wie den gesamten Funktionsumfang von Ffmpeg abdeckt, müssen Sie lediglich einen Symlink im System anlegen, sodass Castnow denkt, Ffmpeg vorzufinden. Anwender mit Arch Linux installieren Node.js und Ffmpeg über den zentralen Paketmanager Pacman, alternativ finden Sie Castnow inzwischen auch im Arch-User-Repository AUR (Listing 2).

Listing 1

### Castnow unter Ubuntu ab 12.04 installieren
$ sudo add-apt-repository ppa:chris-lea/node.js
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install nodejs git libav-tools
$ sudo ln -s /usr/bin/avconv /usr/local/bin/ffmpeg
### Castnow installieren oder aktualisieren
$ sudo npm install castnow -g
### Castnow wieder deinstallieren
$ sudo npm uninstall castnow -g

Listing 2

### Castnow unter Arch Linux installieren
### Option 1: Über Pacman und Npm
$ sudo pacman -S nodejs ffmpeg git
$ sudo npm install castnow -g
### Option 2: Ohne Umwege aus dem AUR
$ yaourt -S castnow-git

Anschließend steht Castnow zum Einsatz bereit. Beim Aufruf aus dem Terminal (Listing 3) greift sich das Programm automatisch den ersten Chromecast-Dongle, den es im Netz findet. Nutzen Sie in Ihrem Netzwerk mehrere Chromecasts, dann sprechen Sie mit der Option --device gezielt eines der Geräte an. Den Namen vergeben Sie beim Einrichten des Dongles, Sie bekommen ihn zum Beispiel über die Chromecast-App auf dem Handy angezeigt (Abbildung 1). Der Name findet sich auch auf dem Statusbildschirm des Chromecasts, solange dieser kein Medium abspielt.

Listing 3

$ castnow beispiel-video.mp4
$ castnow beispiel-video.mp4 --device "Gerätename"
Abbildung 1: Die Chromecast-App verrät Ihnen den Namen, den Sie beim Einrichten des Streaming-Dongles vergeben haben.

Neben lokal abgespeicherten Videos streamt Castnow auch Webvideos oder Youtube-Clips direkt aus dem Internet auf den Chromecast. Neben konventionellen Quellen unterstützt Castnow Bittorrent-Downloads – dazu müssen Sie die URL zum Torrent oder einen Magnet-Link hinter das Castnow-Kommando hängen. Achten Sie dabei aber darauf, keine Urheberrechte zu verletzen. Aufgrund des Peer-to-Peer-Protokolls von Bittorrent verteilen Sie das, was Sie herunterladen, auch automatisch im Netz. Laden Sie daher auf diesem Weg nur gemeinfreie Werke herunter.

Hobby-Filmern gelegen kommt die Option --tomp4, mit der Sie annähernd jedes Video-Format mithilfe von Ffmpeg in ein Format konvertieren, das der Chromecast versteht (üblicherweise H.264 oder VP8). So müssen Sie Videos von Kompaktkameras oder digitalen Videorekordern im Vorfeld nicht erst in ein anderes Format übertragen, das am Ende zusätzlich Speicherplatz auf der Festplatte verschwendet und eventuell auch viel Zeit in Anspruch nimmt. In Listing 4 finden Sie eine Reihe von Beispielen, wie Sie den Chromecast vom Rechner aus mit Musik oder Videos bespielen.

Listing 4

### Zu der aktuellen Playback-Sitzung verbinden
$ castnow
### Videodatei aus dem Internet streamen
$ castnow http://media.xiph.org/mango/tears_of_steel_1080p.webm
### Youtube-Video aus dem Web laden
$ castnow http://www.youtube.com/watch?v=Tcx6YyXvvRI
### Video per Bittorrent streamen
$ castnow http://beispiel.de§§I></video.torrent$ castnow magnet:?xt=urn:btih:39...### Das Video während des Playbacks zu mp4 kodieren$ castnow beispiel-video.mov --tomp4### Video mit Untertiteln abspielen$ castnow beispiel-video.mp4 --subtitles /Pfad/zum/Untertitel.srt
### Mehrere Lieder oder Videos als Playlist abspielen
$ castnow video1.mp3 video2.mp3
$ castnow lied1.mp3 lied2.mp3
$ castnow /Pfad/zum/Musikalbum

Während der Wiedergabe pausieren Sie mit der Leertaste das Video, bei einem zweiten Druck darauf setzt die Wiedergabe an derselben Stelle wieder ein. Mit [M] stellen Sie den Ton ab, die Pfeiltasten nach oben und unten heben beziehungsweise senken die Lautstärke. Wie viel vom Video noch fehlt, zeigt Ihnen der cyanfarbene Hintergrund an (Abbildung 2). Inzwischen hat der Castnow-Entwickler auch die Möglichkeit nachgerüstet, das abgespielte Video mit den Pfeiltasten nach links oder rechts zu spulen. Haben Sie mehrere Titel als Pseudo-Playlist hintereinandergehängt, dann springen Sie mit [N] zum nächsten Titel. Mit [S] beenden Sie schließlich die Wiedergabe.

Abbildung 2: Mit Castnow streamen Sie Musik oder Videos vom Computer auf einen am TV-Gerät angeschlossenen Chromecast.

Fazit

Als Kommandozeilentool fehlt Castnow logischerweise eine schicke Oberfläche, dennoch erfüllt das Programm seine Aufgabe sehr gut. Durch den Verzicht auf die GUI eignet sich Castnow ideal für Entwickler und Bastler, die einen Chromecast per Skript ansteuern möchten. Aber auch so kommt Castnow immer wieder gelegen, möchte man ohne Umwege ein Video vom Rechner auf den Fernseher bringen. Für aufwendigere Projekte lohnt sich ein Blick auf Castv2 [5]: Damit lassen sich Chromecast-Funktionen in eigene Anwendungen implementieren. 

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