Blockadehaltung

Insbesondere beim MPlayer2 dauert es einen kurzen Moment, bis das Programm erscheint. Bleibt das Fenster auch nach mehreren Sekunden schwarz oder sehen Sie nur eine Fehlermeldung, kann das gleich mehrere Ursachen haben. So lassen sich die Videostreams nur dann anzapfen, wenn der Rechner an einem Anschluss der Telekom oder Vodafone hängt. Im fernen Amerika können Sie die Sender folglich nur mit Verrenkungen sehen (wie etwa über ein VPN). Des Weiteren muss der gebuchter Tarif das IPTV-Angebot enthalten. So fehlt beispielsweise im S-Tarif von MagentaEins der Telekom der Fernsehempfang, Gleiches gilt auch für viele Altverträge.

Ist der Empfang prinzipiell möglich, bleibt das Bild jedoch dennoch schwarz, dann prüfen Sie zunächst, ob der Rechner an einem Switch hängt. Einige dieser Kästchen lassen die Videostreams nicht durch, auch einige Router und DSL-Modems haben damit Probleme. Die für VDSL geeigneten und beliebten Fritzboxen hat der Hersteller übrigens von Haus aus für den Empfang mit IPTV vorbereitet und passend konfiguriert – vorausgesetzt, Sie haben die Einstellungen nicht nachträglich verändert. Um einen problematischen Switch auszuschließen, verbinden Sie den PC direkt per Netzwerkkabel mit dem Router beziehungsweise der Fritzbox und versuchen dann, noch einmal einen Sender aufzurufen.

Ein weiteres Hindernis für die Videostreams stellen Firewalls dar. Diese müssen UDP- und Multicast-Pakete durchlassen (siehe Kasten "Technik"). Auch die emulierten Netzwerkkarten und Switches in virtuellen Maschinen blocken die Videoströme in der Regel ab.

Technik

Die Anbieter dampfen die gesendeten Videos mit dem proprietären H.264-Codec (alias MPEG-4 AVC, Part 10) ein. Das gilt sowohl für Videos in Standard- als auch in HD-Auflösung. Der Ton kommt je nach Sendung im MPEG- oder AC3-Format. Video- und Audiomaterial landen zusammen in einem MPEG-Transportstream (MPEG2TS, Dateiendung häufig .ts).

Zur Übertragung des Videostreams setzt die Telekom das Real Time Transport Protocol (RTP) ein [7]. Die Daten verteilen Telekom und Vodafone per UDP im Multicast-Verfahren. Letzteres sendet die Daten an mehrere Zuschauer gleichzeitig. Dabei kommen speziell für diesen Zweck reservierte IP-Adressen zum Einsatz, die mit den Nummern 224 bis 239 beginnen [8].

Hardware-Hunger

Bei einer Anbindung über WLAN führt ein schlechtes Signal schnell zu Bildstörungen und Aussetzern, insbesondere bei HD-Programmen mit ihren großen Datenmengen. Darüber hinaus gibt es WLAN-Adapter und WiFi-Empfänger, die IPTV-Videoströme gar nicht erst annehmen. Darunter fallen übrigens auch einige Smartphones und Tablets, wie etwa das Nexus 4.

Um herauszufinden, ob wirklich ein gestörtes Funksignal oder der WLAN-Adapter als Übeltäter infrage kommt, verbinden Sie den PC probeweise mit einem Netzwerkkabel direkt zum Router beziehungsweise der Fritzbox. Apropos Fritzbox: Fliegen die Videodaten zu langsam durch die Luft, können Sie die kleine Schachtel anweisen, die Videostreams bevorzugt zu behandeln. Dazu melden Sie sich auf der Benutzeroberfläche der Fritzbox an und wechseln dann am unteren Seitenrand mit einem Klick auf Ansicht: Standard in die Erweiterte Ansicht. Entscheiden Sie sich im Menü links für den Punkt WLAN und dann für Funkkanal (Abbildung 5). Klicken Sie auf Funkkanal-Einstellungen anpassen und stellen Sie sicher, dass WLAN-Übertragung für Live TV optimieren aktiviert ist. Lassen Sie zu guter Letzt die Änderungen Übernehmen.

Abbildung 5: Die Fritzbox kann IPTV im WLAN bevorzugt behandeln.

Können VLC oder MPlayer2 die angelieferten Videodaten auf dem PC nicht schnell genug dekodieren und anzeigen, kommt es ebenfalls zu Aussetzern und zu Blockartefakten, wie denen aus Abbildung 6. Als problematisch erweisen sich neben schwachbrüstigen Mini-Rechnern auch Systeme, die von einer langsamen Speicherkarte starten, wie etwa der Raspberry Pi. In unseren Tests verlangte der MPlayer2 grundsätzlich mehr Rechenleistung als der VLC-Player.

Abbildung 6: Kann MPlayer2 die Videodaten nicht schnell genug verarbeiten, kommt es zu solchen Blockartefakten und zahlreichen Fehlermeldungen im Terminal. VLC lieferte auf dem gleichen System ein einwandfreies Bild.

Auf Wunsch verrät der VLC-Player Informationen zur Übertragungs- und Empfangsqualität. Rufen Sie dazu den Menüpunkt Werkzeuge | Medieninformationen auf und wechseln Sie dann auf das Register Statistiken (Abbildung 7). Hier zeigt VLC jetzt an, wie viele Bilder (Frames) der Player bereits angezeigt hat und wie viele aus irgendeinem Grund Verloren gingen. Eine hohe Zahl verlorener Frames deutet auf ein zu leistungsschwaches System hin.

Die Daten-Bitrate sollte bei HD-Videos zwischen 7500 und 9800 kbit/s liegen. Verworfen (Fehlerhaft) verrät, wie viele Daten VLC aus irgendeinem Grund wegwerfen musste. Fällt die Zahl neben Daten-Bitrate sehr niedrig aus, jedoch bei Verworfen (Fehlerhaft) sehr hoch, sollten Sie folglich die Netzwerkverbindung überprüfen. Diese kann die Daten dann sehr wahrscheinlich nicht schnell genug oder fehlerfrei anliefern.

Abbildung 7: VLC liefert in diesem Fenster aktuelle Informationen zur Qualität des empfangenen Videostroms.

Abschließend müssen die Abspielprogramme die Videodaten dekodieren können. In der Regel delegieren sie diese Aufgabe an passende Bibliotheken, die der Paketmanager bei der Installation von VLC oder dem Mplayer2 automatisch einspielen sollte. Bei deren Abwesenheit erhalten Sie normalerweise eine entsprechende Fehlermeldung; die vermissten Abhängigkeiten müssen Sie dann selbst auflösen.

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