Fazit

Carla unterstützt praktisch alles, was unter Linux Klänge erzeugen und verwandeln kann. Im Test zeigt es sich dabei außerdem absolut vorbildlich stabil und verbraucht erstaunlich wenig Systemleistung. Arbeiten Sie unter Linux mit Klängen, sollten Sie sich Carla daher auf keinen Fall entgehen lassen. 

Fester Grund und Fallgruben

Carla lässt sich auch in heiklen Situationen wie etwa bei Live-Auftritten stabil nutzen. Es geht aber als Plugin-Host auch mit buchstäblich Hunderten Unwägbarkeiten in den Plugins um. Die gute Nachricht: Im Test trat kein einziges Problem mit der eigentlichen Klangverarbeitung auf, auch das Ändern von Parametern via Midi-Controller klappte gänzlich problemlos. Als Faustregel könnte man also formulieren: Laden und benutzen Sie mit Carla in sensiblen Situationen Patches nur aus Dateien, aber bearbeiten Sie sie nicht.

Wann immer im Test etwas schiefging, hatte es mit den eigenen grafischen Oberflächen der Plugins zu tun, die Carla als "Custom UI" bezeichnet. Der Umgang mit den von Carla selbst erzeugten generischen Oberflächen zeigte sich nahezu problemlos. Speziell die Drehregler direkt an der Oberfläche sind allerdings etwas hakelig zu bedienen (Abbildung 9). Dennoch können die Knöpfe im Rack eine einfache aber solide Alternative zu den zuweilen zickigen nativen Oberflächen bieten. Das gilt auch für jene mit dem Knopf Bearbeiten respektive dem Schraubenschlüssel-Symbol in der Rackansicht sowie für die über den Eintrag Edit im Kontextmenü aufrufbaren generischen Plugin-Oberflächen.

Die oft sehr hübsch gestalteten und teilweise deutlich intuitiver bedienbaren nativen Oberflächen funktionieren in vielen Fällen aber auch sehr gut. Probleme traten insbesondere bei Oberflächen auf, die die Arbeit des Plugins mit Animationen darstellen, wie etwa der Chorus von Calf. Eine besonders lästige Unart zeigte Guitarix: Es öffnete sich zwar mit intern korrekt voreingestellten Parametern, zeigte in der Oberfläche aber bei jedem neuen Öffnen seine Grundeinstellungen an. Auf Nachfrage reagierte das Entwickler-Team darauf mit einem Fix, der das Problem beseitigte.

Finden Sie den Fehler in einer Distributionsversion von Carla noch vor, liegt die Lösung im Eigenbau aus dem Quellcode. Das gilt auch für einen Bug, der für einen Absturz beim Schließen einiger Calf-Plugins sorgte und für das genannte Problem mit den Animationen im Chorus-Modul – beide haben die Entwickler auf Nachfrage sofort beseitigt. Eine offizielle neue Version von Carla mit den entsprechenden Korrekturen hat Filipe Coelho für den 12. Februar angekündigt [4]. Sie sollte auch alsbald in den Repositories der gängigen Distributionen auftauchen.

Abbildung 9: Die einfachen Regler auf Carlas Rackansicht wirken nicht sehr spektakulär, funktionieren aber dafür unter allen Umständen zuverlässig.

Der Autor

Hartmut Noack (http://lapoc.de) arbeitet in Berlin als Dozent, Autor und Musiker und er findet schon immer, dass freie Software und selbst gemachte Musik prima zusammenpassen. Wenn er nicht gerade vor seiner Linux Audio Workstation sitzt, treibt er sich auf Webservern herum.

Glossar

Plugin-Host

Eine solche Gastgeber-Software kann Plugin-Module laden, deren grafische Schnittstelle anzeigen und die Verarbeitungsfähigkeiten in den Datenstrom der Host-Umgebung integrieren.

Preset

Viele Software-Instrumente und Effekte erlauben komplexe Einstellungen, die jeweils extrem unterschiedliche Klänge erzeugen. Presets für Instrumente und Effekte speichern diese Klänge als jederzeit wieder abrufbare Voreinstellungen. Preset-Dateien lassen sich auch an andere Musiker weitergeben und finden sich an vielen Stellen im Internet.

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