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Fotonachbearbeitung mit Darktable 1.6

Mischgemüse

Kaum etwas beeinflusst die Qualität von Fotos mehr als der Wechsel von Licht und Schatten und die Brillanz der Farben. Darktable behebt Fehlbelichtungen, kaschiert ungünstige Lichtverhältnisse und sorgt für Farbharmonie.

Darktable ist keine einfach zu bedienende Software. Auch bleibt ihr Funktionsumfang auf das Nachbearbeiten von Licht und Schatten sowie der Farben beschränkt. Künstlerische Effekte wie in Gimp oder Photoshop fehlen. Doch für das Veredeln gelungener und nicht ganz gelungener Fotos gibt es keine bessere Software – kommerzielle Anwendungen wie Adobe Lightroom eingeschlossen.

Anders als Bildbearbeitungsprogramme der ersten Generation arbeitet Darktable [1] nach dem nichtlinearen Prinzip: Eine sogenannte Effekt-Pipeline ersetzt dabei die schrittweise Undo-Funktion. Dies können Sie sich so vorstellen: Die Dialoge aller Effekte bleiben durchgängig geöffnet, sodass sich die entsprechenden Parameter jederzeit nachregeln lassen. Die in Abbildung 1 rot markierten Buttons schalten den jeweiligen Effekt ein und aus – entweder temporär zum Ausprobieren oder permanent.

Abbildung 1: Beim nichtlinearen Bildbearbeitungsprogramm Darktable bleiben die Einstellungen aller je angewandten Effekte (1-6) unabhängig voneinander veränderbar. Das lässt viel mehr Raum für Experimente als eine klassische Undo-Funktion.

Die gesamte Effekt-Pipeline, also die Liste aller angewandten Effekte und deren Einstellungen, bleibt bis zur nächsten Änderung erhalten und überlebt sogar einen Neustart: Die Software sichert sie in gesonderten Dateien mit der Endung .xmp und außerdem in einer internen Datenbank.

Datensicherheit

Einen Speichern-Button braucht Darktable nicht: Jeder Arbeitsschritt landet sofort auf der Festplatte. Da es sich nur um eine Textdatei mit Effektnamen und Parametern handelt, geht dies im Hintergrund ohne nennenswerte Rechnerlast über die Bühne. Versehentliche Änderungen nehmen Sie in der Liste Verlauf zurück.

Die Ausgangsdatei tastet die Software grundsätzlich nicht an, was einem professionellen Workflow entgegenkommt: Es ist gar nicht möglich, das Original versehentlich zu überschreiben. Das Anlegen von Duplikaten eines Bilds kostet nur einige KByte Plattenplatz. Auch dem Einsatz einer Versionsverwaltung wie Git oder SVN spielt Darktable mit der geringen anfallenden Datenmenge in die Hände.

Sie sehen das Ergebnis Ihrer Bearbeitung zunächst nur in Darktable selbst. Benutzen Sie also zum Durchblättern der bearbeiteten Fotos keinen gewöhnlichen Dateibrowser, sondern den Leuchttisch-Modus von Darktable (Abbildung 2), in dem die Software startet. Per Doppelklick auf ein Bild öffnen Sie dieses im Bearbeitungsmodus (Dunkelkammer). Erst nach Abschluss des Bearbeitens exportieren Sie das Bild über den Exportieren-Button im Leuchttisch als neue Bilddatei.

Abbildung 2: Darktable bringt neben seinen Bildbearbeitungsfunktionen eine komplette Fotoverwaltung mit, die den Einsatz von Drittprogrammen wie Digikam überflüssig macht.

Das nichtlineare Arbeitsprinzip fordert allerdings die CPU: Der Rechner muss bei jeder Änderung die gesamte Pipeline vom Original her durchrechnen. So dauert es je nach Anzahl der aktiven Effekte ein paar Sekunden, bis sich Veränderungen der Schieberegler in der Anzeige auswirken. Doch zumindest die kleine Vorschau links oben im Darktable-Fenster (Abbildung 3, Punkt 7) reagiert praktisch sofort. Auch nutzt die Software via OpenCL [2] die für diese Aufgabe viel schnelleren Rechenkerne von ATI- und Nvidia-Grafikkarten ab 1 GByte Videospeicher. Bei funktionierender 3D-Beschleunigung schaltet Darktable die Hardware-Unterstützung dann automatisch zu. Auch ohne sie bleiben die Rechenzeiten im Bereich weniger Sekunden.

Abbildung 3: Dank Karteireiter-Prinzip (1) und auf- und zuklappbaren Paletten (2) bleibt die GUI von Darktable übersichtlich, obwohl die Einstellungsdialoge aller verfügbaren Effekte quasi immer offenstehen.

Eingedämmtes Chaos

Dialoge, die sich bloß zum Anwenden eines Effekts öffnen, beißen sich mit dem nichtlinearen Arbeitsprinzip. Daher gehört in Darktable zu jeder Funktion eine eigene Palette, die Sie zwar zum Platzsparen einklappen dürfen, aber nie wegklicken können. Trotzdem passt das Programm anders als viele Adobe-Anwendungen gut auf einen normalgroßen Monitor.

Das Kernelement der Bedienung von Darktable stellen die Karteireiter dar (Abbildung 3, Punkt 1), die die Effekte in Kategorien gruppieren. Von links nach rechts sind das die aktiven Effekte, die Favoriten, die Basisgruppe, die Helligkeitsgruppe, die Farbgruppe, die Korrekturgruppe und die Effektgruppe.

Im Listenfeld weitere Module treffen Sie eine Vorauswahl für die Module, die in den angesprochenen Reitern sichtbar sein sollen. Klicken Sie noch einmal auf einen bereits aktiven Eintrag, dann erhält dieser Favoriten-Status und taucht außer in seiner angestammten Kategorie zusätzlich auch im Reiter Favoriten auf. Prüfen Sie immer, ob ein gesuchter Effekt deaktiviert ist, falls Sie ihn nicht wie hier geschildert finden. Der Reiter links außen bündelt alle Effekte, die Sie per Klick auf das Schaltersymbol links im Palettenkopf aktiviert haben.

Zum Zurückschalten in den Überblicksmodus benutzen Sie den Ansichtenumschalter (Abbildung 3, Punkt 8). Im rechten Unterfenster des Leuchttischs, eventuell erst nach Herunterscrollen sichtbar, liegt die Exportfunktion, die das fertige Bild schließlich als neue TIFF-, OpenEXR, PNG- oder JPEG-Datei rendert und so für andere Programme verfügbar macht.

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