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© Fernando Gregory, 123RF

Screencasts mit SimpleScreenRecorder aufzeichnen

… und Action!

Screencasts eignen sich ideal für Online-Präsentationen oder das Demonstrieren einer bestimmten Desktop-Funktion. Mit SimpleScreenRecorder erstellen Sie professionell wirkende Bildschirm-Videos.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Wo sich ein Problem oder Sachverhalt sonst nur wortreich erklären lässt, erzielt ein Bild häufig auf Anhieb exakt denselben Effekt. Ein Video steigert diesen Effekt noch, weswegen sich im Netz in den letzten Jahren ein Trend etabliert hat: Wer ein Computerprogramm vorstellen möchte, tut das meist nicht mit Text, sondern per Videoaufzeichnung der spezifischen Anwendung. Youtube und Konsorten erlauben das Verteilen solcher Filme mit minimalem Aufwand.

Mit solchen Desktop-Aufzeichnungen, neuhochdeutsch: Screencasts, lassen sich viele sonst knifflige Situationen meistern: Haben Sie etwa eine besonders pfiffige Funktion in LibreOffice entdeckt, dann ermöglichen Sie mit einem passenden Video Ihren Bekannten und Freunden, daran ebenfalls teilzuhaben. Möchten Sie eine Präsentation als Video online stellen, filmen Sie die Folien samt Audiospur und stellen das Ganze dann als Screencast online. So manches Programm für Screencasts kommt sogar mit Kameras zurecht und lässt Sie vor dem Inhalt Ihres Bildschirms als "Video im Video" erscheinen.

Für Linux existieren gleich mehrere Werkzeuge, mit denen sich sehr gute Screencasts herstellen lassen, ohne einen einzigen Euro dafür auszugeben. Das Programm SimpleScreenRecorder (SSR) von Maarten Baert [1] ist dafür ein perfektes Beispiel: Mit ihm produzieren Sie im Handumdrehen hübsche Screencasts, die den Vergleich mit der kommerziellen Konkurrenz nicht scheuen müssen.

SSR installieren

SSR liegt gleich für eine Vielzahl von Distributionen in paketierter Form bereit und lässt sich zumindest auf Ubuntu sowie auf OpenSuse problemlos installieren. Für Ubuntu finden Sie passende Pakete des Programmautors in dessen Ubuntu-PPA, das Sie mittels der Befehle in Listing 1 in Ihr System integrieren.

Für OpenSuse bietet das Pacman-Repository [2] Pakete von SSR. Im Anschluss an das Einrichten von Pacman installieren Sie wie bei Ubuntu das Paket simplescreenrecorder. Anschließend lässt sich SSR wie gewohnt über das KDE-Menü starten und begrüßt Sie mit dem Dialog für die erstmalige Einrichtung.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:maarten-baert/simplescreenrecorder
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install simplescreenrecorder

Grundeinstellungen

Über den Konfigurationswizard (Abbildung 1) richten Sie SSR so ein, dass es zu Ihrem lokalen Setup passt. Bereits hier konfrontiert das Werkzeug Sie mit professioneller Tauglichkeit: Über Profile legen Sie Voreinstellungen fest, die Sie für aufzuzeichnende Videos später einfach per Mausklick übernehmen. Haben Sie also nur eine schnelle Demo für Youtube im Sinn, genügt möglicherweise eine geringe Auflösung, während Sie eine umfassende Präsentation nach Möglichkeit in Full-HD aufzeichnen.

Abbildung 1: SSR begrüßt Sie stets mit einem Wizard, der die wichtigsten Einstellungen abfragt. Sinnvollerweise arbeiten Sie mit Profilen, die Sie später wiederverwenden.

Sie beginnen die Arbeit mit SSR idealerweise, indem Sie ein neues Standard-Profil anlegen. Klicken Sie auf Neu und geben Sie für das Profil einen Namen ein. Legen Sie dann fest, ob Sie den vollen Bildschirm oder nur einen Teil der Anzeige aufnehmen möchten. Wählen Sie die Option Ein festes Rechteck aufnehmen aus, und legen Sie den Rahmen des Rechtecks unmittelbar fest.

Dieser Modus bietet den Vorteil, dass Sie außerhalb des aufgezeichneten Bereichs andere Fenster offen haben können, die im Video nicht auftauchen. Arbeiten Sie mit zwei Bildschirmen, erweist sich jedoch meist die Aufnahme eines kompletten Screens als die angenehmere Variante. Sie legen dann bloß noch fest, welche Auflösung SSR verwenden soll und welchen Bildschirm es für die Aufnahme verwendet.

SSR kann parallel zur Videoaufzeichnung auch den Ton über ein Audiogerät aufnehmen. Auf diesem Weg kommentieren Sie den Screencast unmittelbar. Damit das klappt, wählen Sie im Bereich Audio Eingang von SSR die passende Soundkarte aus. Alle gängigen Distributionen setzen mittlerweile auf Pulseaudio; bei Quelle geben Sie den Eingang an, den SSR nutzen soll.

Brauchbare Hardware

Falls Sie regelmäßig Screencasts aufnehmen, empfiehlt sich die Anschaffung eines separaten Mikrofons für diesen Zweck. Die gängigen Laptop-Mikrofone eignen sich zwar gerade noch für Telefonate oder Skype-Gespräche, produzieren jedoch keine wirklich brauchbare Qualität. Obendrein befinden sie sich bei Notebooks meistens so nahe an der Tastatur, dass sie störende Tippgeräusche mit aufnehmen – in Video-Howtos lässt es sich eben nicht vermeiden, gelegentlich auch mal etwas zu tippen.

An einem Desktop-Rechner oder ausgewachsenen Notebook verwenden Sie am besten ein Headset mit 3,5mm-Klinkenstecker – dafür brauchen Sie keinen separaten Treiber. Bei extraflachen Laptops und besonders Ultrabooks sparen die Hersteller jedoch gerne die Mikrofonbuchse ein – dann landen Sie zwangsläufig bei einem USB-Headset.

Auch hier gibt es am Markt eine große Auswahl. Geräte der großen Hersteller machen in aller Regel keine Schwierigkeiten; im Zweifelsfall empfiehlt sich aber eine Internet-Suche, wenn Sie bereits ein Gerät im Auge haben. Sie erfahren in aller Regel bereits über die ersten Resultate, ob das Objekt der Begierde unter Linux funktioniert.

Entlohnt werden Sie für die Anschaffung in jedem Fall mit einer deutlich verbesserten Aufnahmequalität. Achten Sie obendrein noch darauf, den Screencast in einem Raum ohne störende Hintergrundgeräusche aufzuzeichnen, steht einer qualitativ hochwertigen Aufnahme nichts mehr im Weg.

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