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© Frank Rohde, 123RF

MyPaint: Zeichnen wie mit einem Stift

Schwungvoll

Durchpausen oder selbst gestalten – mit MyPaint und einem Grafiktablett stehen Ihnen alle Optionen offen. Die notwendigen Werkzeuge bringt es auf alle Fälle mit.

MyPaint versucht als klassisches Malprogramm die Verwendung von Pinsel und Stift so weit wie möglich zu emulieren. Dem sind freilich Grenzen gesetzt, aber es gibt auch eine Reihe von Features, die Sie mit realem Material kaum erreichen. Um die Möglichkeiten von MyPaint [1] voll auszuschöpfen, sollten Sie das Programm nicht mit einer Maus bedienen, sondern ein druckempfindliches Eingabegerät – typischerweise ein Grafiktablett – verwenden.

Moderne Linux-Kernel bieten eine ziemlich gute Treiberunterstützung für Wacom-Tablets und baugleiche Modelle anderer Hersteller – bei Letzteren sieht es allerdings nicht ganz so gut aus, wie beim Original. Darüber hinaus sollte die Hardware weder sehr alt sein – maximal etwa fünf Jahre – noch sehr neu, um das Grafiktablett vernünftig zu nutzen.

Einen ersten Hinweis, ob Linux ein Gerät unterstützt, liefert ein Aufruf von xsetwacom (Listing 1). Das Programm stammt aus dem Paket xf86-input-wacom, unter Umständen weicht der Name je nach Distribution ab. Findet sich hier das Eingabegerät – oft taucht es sogar mehrfach auf – so steht "nur" die normale Konfiguration ins Haus. Mehr dazu lesen Sie in den beiden nächsten Abschnitten.

Listing 1

$ xsetwacom --list devices
Wacom Bamboo Pen Pad pad                id: 16  type: PAD
Wacom Bamboo Pen Finger touch           id: 17  type: TOUCH
Wacom Bamboo Pen Pen stylus             id: 18  type: STYLUS
Wacom Bamboo Pen Pen eraser             id: 19  type: ERASER

Die Beschreibung des Geräts (im Beispiel Wacom Bamboo Pen Pen...) weicht im konkreten Fall durch das bei Ihnen vorhandene Gerät ab. Finden Sie über den Befehl keine Eingabegeräte, kommt eine ganze Reihen möglicher Fehlerquellen und zugehöriger Abhilfen infrage. Am besten sehen Sie in einem Forum zu der von Ihnen verwendeten Distribution – etwa für Ubuntu bei Ubuntuusers [2] – nach entsprechenden Postings und fragen gegebenenfalls auch nach, ob eine Lösung bekannt ist.

Setup grafisch …

Das Setup für Grafiktabletts umfasst mehrere Etappen: Der Kernel muss die entsprechenden Module laden und initialisieren, in der Desktop-Umgebung definieren Sie grundlegende Eigenschaften, und die Applikationen stellen spezielle Eigenschaften ein. Dass der Kernel das Eingabegerät erkennt, setzt voraus, dass die entsprechende Unterstützung vorhanden und aktiviert ist. Dies zeigt sich beim Booten oder Anschließen des Grafiktabletts (Listing 2).

Listing 2

[  104.396599] input: Wacom Bamboo Pen Pen as /devices/pci0000:00/0000:00:1d.0/usb2/2-1/2-1.1/2-1.1.3/2-1.1.3:1.0/0003:056A:00D4.0003/input/input16
[  104.398681] wacom 0003:056A:00D4.0003: hidraw2: USB HID v1.00 Mouse [Wacom Co.,Ltd. CTL-460] on usb-0000:00:1d.0-1.1.3/input0
[  104.398843] input: Wacom Bamboo Pen Finger as /devices/pci0000:00/0000:00:1d.0/usb2/2-1/2-1.1/2-1.1.3/2-1.1.3:1.1/0003:056A:00D4.0004/input/input18
[  104.399072] input: Wacom Bamboo Pen Pad as /devices/pci0000:00/0000:00:1d.0/usb2/2-1/2-1.1/2-1.1.3/2-1.1.3:1.1/0003:056A:00D4.0004/input/input19
[  104.399391] wacom 0003:056A:00D4.0004: hidraw3: USB HID v1.00 Device [Wacom Co.,Ltd. CTL-460] on usb-0000:00:1d.0-1.1.3/input1

Hat der Kernel das Eingabegerät erkannt, konfigurieren Sie es mit den Werkzeugen der verwendeten Desktop-Umgebung. Unter Gnome fällt das besonders leicht: In dessen Control Center gibt es ein spezielles Tool für die Konfiguration von (Wacom-)Grafiktabletts (Abbildung 1). Bei KDE sieht es ähnlich aus.

Abbildung 1: Die grundlegenden Einstellungen für ein Grafiktablett erledigen Sie mit den Werkzeugen der eingesetzten Desktop-Umgebung, in diesem Fall Gnome.

Über den Mausverfolgungsmodus legen Sie fest, wie das Grafiktablett den Bildschirm abbildet. Normalerweise kommt die Methode Tablett (absolut) zum Einsatz, die bewirkt, dass die aktive Fläche des Grafiktabletts den gesamten Bildschirm des Rechners abdeckt. In diesem Modus entspricht die Position des Mauszeigers der Position des Stifts auf dem Tablet. Alternativ ist es möglich, im Modus relativ nur den Zeiger zu verschieben, ohne die Ausgangsposition vorher anzupassen. Das hilft bei kleinen Geräten, erfordert aber mehr Zeit beim Einarbeiten.

Unter Bildschirm zuordnen ... stellen Sie ein, ob der Stift nur auf einem ausgewählten oder allen angeschlossenen Bildschirmen arbeitet. Diese Eigenschaft trägt der Tatsache Rechnung, dass grafikaffine Anwender gern mit mehreren Bildschirmen gleichzeitig arbeiten: Einer dient zum Zeichnen, einer für die Werkzeuge sowie Einstellungen und einer steht für alle anderen Aufgaben zur Verfügung.

Anschließend gilt es, die Charakteristika der Eingabegeräte einzustellen: Viele Wacom-Stifte verfügen über einen eingebauten virtuellen Radiergummi. Damit Sie diesen nicht versehentlich aktivieren, verfügt er über eine Druckschwelle, die Sie bei Bedarf vorab festlegen.

Die nächsten beiden Einstellungen für die am Stift vorhandenen Knöpfe fallen etwas mehrdeutig aus. Im Wesentlichen stellen Sie ein, was geschieht, sobald Sie einen der Schalter betätigen. Normalerweise erweist sich die Voreinstellung, das Emulieren von Maustasten, als gute Wahl.

Allerdings gibt es die Möglichkeit, andere Funktionen an diese Tasten zu binden. Das gerät etwas unübersichtlich, weil Programme wie MyPaint identische Möglichkeiten anbieten, die dann ebenfalls wirken. Um hier das gewünschte Ergebnis zu erzielen, müssen Sie daher systematisch und schrittweise vorgehen.

Von besonderer Bedeutung ist der letzte Schieberegler, mit dem Sie die Druckempfindlichkeit des Zeichenstifts einstellen. Damit steuern Sie, wie das Umsetzen von Druck auf eine Eigenschaft, meist die Dicke des Strichs, erfolgt (Abbildung 2). Hier verfügt MyPaint ebenfalls über analoge Funktionen.

Abbildung 2: Eine der Besonderheiten von Grafiktabletts: Der Druck des Stifts steuert unter anderem die Stärke des Strichs.

… und im Terminal

Eine Ausnahme macht die Desktop-Umgebung XFCE, für die es bislang kein Tool gibt, mit dem Sie Grafiktabletts konfigurieren könnten. Daher wäre es wünschenswert, kämen die mit den Gnome Control Center vorgenommenen Einstellungen zum Zug. Das ist aber derzeit (XFCE 4.10) nicht der Fall; es existiert aber ein Workaround [3].

Es geht allerdings auch anders, und das für alle Umgebungen: Mittels xsetwacom stellen Sie alle unterstützten Eigenschaften direkt von der Befehlszeile aus ein. Um den absoluten Modus zu aktivieren, verwenden Sie den folgenden Befehl:

$ xsetwacom --set "Wacom Bamboo Pen Pen stylus" mode absolute

Den Namen in den Anführungszeichen ersetzen Sie dabei durch die für Ihr Gerät ermittelte Beschreibung. Auf diesem Weg dürfen Sie zusätzlich das Schlüsselwort modetoggle verwenden, das zwischen dem absoluten und relativen Modus umschaltet. Die Kurve zum Steuern der Druckempfindlichkeit definieren Sie über zwei Stützpunkte. Das Schlüsselwort lautet PressureCurve, gefolgt von den vier durch Leerzeichen getrennten Parametern.

Die Manpages des Befehls (man xsetwacom und man 4 wacom) beschreiben die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Konfiguration; weitere Infos finden Sie im Ubuntuusers-Wiki [4] sowie auf der Homepage des LinuxWacom-Projekts [5].

Die dritte Einrichtungsstufe erfolgt direkt im Anwenderprogramm, bei MyPaint über den Punkt Einstellungen im Menü Bearbeiten (Abbildung 3). Der erste Reiter erlaubt dabei, die Druckempfindlichkeit über eine Kurve einzustellen. Diese Funktion hängt direkt mit den Einstellungen in der Desktop-Umgebung zusammen, sodass hier Wechselwirkungen auftreten.

Abbildung 3: MyPaint erlaubt es, die Druckempfindlichkeit zu konfigurieren und die Tasten des Stifts individuell zu belegen.

Das gilt auch für die im zweiten Reiter möglichen Tastenbindungen: Falls Sie in der Desktop-Umgebung die Emulation von Maustasten konfiguriert haben, besteht die Möglichkeit, diese hier zu nutzen. Allerdings unterstützt MyPaint für einige Tasten nur den Einsatz zusammen mit einem Modifier wie [Strg],[Alt],[Umschalt] oder einer anderen Taste.

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