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Professioneller Videoschnitt mit Lightworks 12

Scharfes Werkzeug

Das Profi-Videoschnittprogramm Lightworks, das schon Filme wie "Mission Impossible" oder "Pulp Fiction" in Form brachte, läuft mittlerweile auch unter Linux. Seine vielen Möglichkeiten lassen sich aber nur auf satt ausgestatteten Rechnern wirklich ausreizen.

Der Hersteller EditShare bietet sein Videoschnittprogramm Lightworks [1] in zwei Versionen an, einer kostenlos verfügbaren "Free"-Edition und einer kostenpflichtigen "Pro"-Ausgabe. Letztere können Sie wahlweise abonnieren oder kaufen; für das Abo fallen 20 Euro monatlich oder 135 Euro für ein Jahr an. Die unbeschränkt gültige Lizenz kostet knapp 340 Euro.

Die "Free"-Version unterscheidet sich vom "Pro"-Angebot vor allem in den Export-Optionen: Während die kostenlose Ausgabe nur MP4- und H.264-Videos mit bis zu 720p Auflösung erzeugt, bietet das "Pro"-Paket weitere Encodings, diverse Formate zum Austausch mit Schnittsystemen und Kameras sowie einen Blu-ray- und DVD-Export. Außerdem fehlen der "Free"-Version einige spezielle Bearbeitungsoptionen.

Bei den Systemvoraussetzungen gibt sich Lightworks ziemlich anspruchsvoll [2]. Der Hersteller empfiehlt ein 64-Bit-System mit einem Intel Core i7 oder eine ähnlich schnelle AMD-CPU, 3 GByte Arbeitsspeicher, zwei Displays mit einer Auflösung von mindestens 1980 x 1080 Pixeln sowie einer Grafikkarte von Nvidia oder AMD samt proprietärem Treiber – mit Intel-Grafik startet Lightworks gar nicht erst. Auf unserem Testsystem unter Ubuntu 14.10 gelang die Installation ohne Komplikationen, wenn auch eine Reihe von Softwarepaketen mangels automatischer Auflösung der Abhängigkeiten manuell installiert werden wollte.

Manchen Anwendern bereitet allerdings die obligatorische Aktivierung von Lightworks Ärger: Ab und an lässt sich der EditShare-Server nicht erreichen, es erscheint nur eine Fehlermeldung. Als Alternative offeriert der Hersteller eine Offline-Aktivierung über eine Schlüsseldatei, die sich im Zuge der Registrierung erzeugen lässt.

Bei unserem Test trat dabei jedoch der Fehler Invalid Action auf. Der EditShare-Support riet uns daraufhin, ein zusätzliches Laufwerk per USB anzuschließen, da Lightworks eventuell keinen Fingerprint des Rechners ohne Laufwerk erstellen könne. Ein zusätzlich angeschlossener USB-Stick ermöglichte dann das Aktivieren.

Erster Start

Lightworks startet im Vollbildmodus, der auch bei größeren Projekten genügend Raum für Werkzeuge und Filmmaterial lässt. In der Mitte des Bildschirms finden Sie den Projekt-Dialog. Hier legen Sie wahlweise ein neues Projekt an oder wählen ein vorhandenes aus – zum Einstieg bietet sich das Demo-Projekt an. Auch zentrale Einstellungen wie etwa die Framerate nehmen Sie hier vor.

Zunächst bleibt die Arbeitsfläche von Lightworks ziemlich leer. Den linken Bildrand nimmt eine Werkzeugkiste ein, aus der Sie die unterschiedlichen Tools ziehen und nach eigenen Bedürfnissen auf der Arbeitsfläche von Lightworks platzieren. Die resultierende Anordnung speichert Lightworks projektbezogen ab. Als erstes Werkzeug kommt in der Regel der Import-Dialog zum Einsatz (Abbildung 1). Lightworks kopiert dabei die Dateien wahlweise in den Arbeitsordner oder legt, um Speicherplatz zu sparen, lediglich Referenzen an.

Abbildung 1: Lightworks kopiert importierte Clips entweder ins Arbeitsverzeichnis oder belässt sie auf Wunsch am Ort.

Videos schneiden

In der Projektübersicht sorgt ein Doppelklick auf eine der Dateien dafür, dass sich eine Videovorschau öffnet. Diese lässt sich beliebig auf der Arbeitsfläche platzieren und in der Größe anpassen. In der Voransicht setzen Sie für den Bereich, den Sie später bearbeiten wollen, gleich Schnittmarken – im Fachjargon heißen sie In- und Outpoints (Abbildung 2).

Abbildung 2: In der Vorschau bestimmen Sie den Ausschnitt und fügen das Material direkt in den aktuellen Schnitt ein.

Noch gibt es jedoch gar keine Zeitleiste, in der Sie das Material einfügen könnten. Daher öffnen Sie aus der seitlich angeordneten Werkzeugleiste über das dritte Symbol von oben, Create an new edit, einen ersten Arbeitsbereich. Standardmäßig erzeugt Lightworks nun eine Timeline mit einer Video- und zwei Audiospuren und darüber ein Editierfenster. Sie befüllen die Zeitleiste, wie von anderen Schnittprogrammen gewohnt, per Drag & Drop mit Audio- und Videomaterial aus der Projektübersicht. Haben Sie zuvor Schnittmarken gesetzt, dann übernimmt Lightworks dabei nur die bereits ausgewählten Bereiche.

Leichter gelingt das Befüllen der Timeline über das Vorschaufenster. Wählen Sie dazu in der Vorschau den gewünschten Bereich aus und tippen Sie unterhalb des Films auf eine der zwei mit Pfeilen versehenen Schaltflächen neben den Steuerungs- und Markierungssymbolen. Das Symbol mit dem Pfeil nach unten überträgt den ausgewählten Bereich in die Timeline. Dabei ersetzt es entweder den markierten Bereich oder hängt den neuen Filmschnipsel an der aktuellen Markerposition an. Den Ersetzungsbereich markieren Sie zuvor in der Timeline mit Markierungswerkzeugen aus dem darüberliegenden Editierfenster. Alternativ nutzen Sie zum Einfügen des Videos das Symbol mit den zwei seitlichen Pfeilen. Die Funktion ersetzt keine vorhandenen Daten, sondern verschiebt vorhandene Filmschnipsel entsprechend.

Die einzelnen Übergänge passen Sie direkt in der Zeitleiste an. Dazu bietet Lightworks drei unterschiedliche Symbole an, sobald Sie mit dem Mauszeiger in die Nähe eines Übergangs kommen: ein nach links beziehungsweise rechts gedrehtes U sowie ein liegendes H (Abbildung 3). Je nachdem, welches U-Symbol erscheint, ändern Sie das Ende des links oder den Anfang des rechts liegenden Materials. Treffen Sie die Mitte, dann modifizieren Sie mit dem liegenden H beide Seiten des Schnitts.

Abbildung 3: Sie korrigieren die Clips direkt in der Timeline per Maus, entweder vor oder nach der Schnittstelle. Wählen Sie beide Seiten eines Cuts, erweitert sich die Vorschau.

Während Sie Änderungen an einem Schnitt vornehmen, ändert sich auch das Editierfenster. Es zeigt in dieser Zeit beide Filmschnipsel nebeneinander an, sodass Sie den Übergang von einem Video zum nächsten sehr präzise steuern können. Nach Abschluss der Änderung kehrt das Fenster automatisch in den normalen Zustand zurück.

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