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© Roman Sakhno, 123RF

Vektorgrafiken mit Inkscape erstellen

Perfekte Linien

Vektorillustrationen bieten gegenüber Pixelgrafiken den großen Vorteil, dass sie sich in jeder beliebigen Größe anzeigen und ausdrucken lassen. Mit Inkscape gestalten auch Sie im Handumdrehen Vektorzeichnungen, die sich sehen lassen können.

Vielleicht haben Sie schon einmal ein zuvor mit der Digitalkamera gemachtes, auf den ersten Blick gestochen scharfes Foto als Poster ausdrucken lassen – und waren davon enttäuscht, weil es an manchen Stellen verschwommen und "matschig" wirkte. Dann sind Sie über ein grundlegendes Problem der digitalen Grafikbearbeitung gestolpert: Pixelgrafiken lassen sich quasi beliebig verkleinern, aber nur bis zu einem bestimmten Grad vergrößern: Wo beim ursprünglichen Foto kein Material mehr vorhanden ist, muss Software ans Werk, die Pixel zum Foto "hinzurechnet". Das funktioniert aber nur begrenzt und das Ergebnis kann es praktisch nie mit dem Originalfoto aufnehmen.

Digitale Fotos und Grafiken entstehen nicht nur in einer bestimmten Auflösung, obendrein kommt auch die Punktdichte zum Tragen, die man in "Dots per Inch" (DPI) angibt. Sie gibt an, wie viele Farbpunkte ("Dots") pro Zoll vorhanden sind. Je höher die DPI-Zahl, desto feiner und schärfer wirkt eine Grafik. Die Kombination der beiden Faktoren Auflösung und Punktdichte bestimmt den Rahmen, in dessen Grenzen sich eine Bilddatei skalieren lässt. Je höher Auflösung und DPI-Zahl ausfallen, desto weniger muss ein Grafikprogramm beim Hochrechnen "dazuerfinden" und umso mehr kann man die Grafik skalieren. Für hochwertigen Druck beispielsweise gelten 300 DPI als Grundvoraussetzung.

Bei Digitalfotos entschärfen heute immer höhere Auflösungen das Problem, für digitale Grafiken gilt es jedoch nach wie vor. Denken Sie etwa an eine Präsentation, die auf einem aktuellen Beamer mit 720p- oder 1080p-Auflösung laufen soll: Fotos, die Sie dort einbauen wollen, müssen mindestens Full-HD-Auflösung bieten. Gleiches gilt für Grafiken, sonst bekommen Sie nur "Pixelbrei" zu sehen. Das Problem lässt sich allerdings lösen: durch Vektorgrafiken.

Grafik als Formel

Vektorgrafiken funktionieren fundamental anders als Pixelgrafiken: Eine Vektorgrafik beschreibt quasi den Aufbau des Bilds und das Verhältnis der einzelnen Bildelemente zueinander. So könnte eine Anweisung einer Vektorgrafik etwa lauten, dass ein schwarzer Strich am unteren Rand der Grafik die gesamte Breite einnimmt. Beim Darstellen der Grafik interpretiert das Anzeigeprogramm diese Information und stellt dann die Linie entsprechend dar. Damit sieht der Strich stets ordentlich und gestochen scharf aus.

Weil eine Vektorgrafik alle Elemente auf diese Weise beschreibt und auch das Verhältnis von Objekten zueinander definiert, lässt sich über mathematische Formeln eine komplette Grafik darstellen. Die skaliert problemlos, egal, ob auf einem Smartphone-Bildschirm oder einer metergroßen Leinwand. Um selbst Vektorgrafiken zu erstellen, können Sie unter Linux das Programm Inkscape nutzen. Allerdings fällt der Einstieg in die recht komplexe Anwendung nicht ganz leicht. Im Folgenden führen wir Sie in einem Crashkurs durch die ersten Gehversuche mit Inkscape.

Aller Anfang …

Inkscape, das wie Firefox, Gimp oder LibreOffice als eines der Kronjuwelen der freien Software gilt, findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen. Falls es nicht ohnehin schon bei der Installation des Systems eingerichtet wurde, ziehen Sie es also gegebenenfalls bequem über das jeweilige Paketmanagementsystem nach; das entsprechende Paket heißt praktisch immer inkscape. Anschließend findet sich im Startmenü des jeweiligen Desktops ein Eintrag für das Vektorgrafikprogramm, über den Sie Inkscape auf den Bildschirm holen.

Die Oberfläche von Inkscape ähnelt auf den ersten Blick sehr jener von Pixelgrafikanwendungen wie Gimp. Tatsächlich erfüllen auch einige Werkzeuge in Inkscape sehr ähnliche Funktionen wie ihre Pendants in anderen Tools, doch lassen Sie sich davon nicht täuschen: Das Erstellen von Vektorgrafiken funktioniert ganz anders als die Arbeit mit Pixelbildern.

Den größten Teil des Inkscape-Fensters nimmt der Arbeitsbereich ein, dargestellt als weißes Blatt. Lineale an den Seiten erlauben, dessen Dimensionen zu erkennen. Oben finden sich neben einer klassischen Schnellstartleiste einige weitere Werkzeugleisten. Alle wichtigen Werkzeuge erreichen Sie über die Leiste am linken Fensterrand des Fensters, so auch das Pfad-Werkzeug und einige Helferlein, die vorgefertigte Formen in die Inkscape-Grafik zaubern. Die Arbeit mit Pfaden ist im Kontext von Vektorgrafiken elementar – nehmen Sie sich also Zeit, um das dahinterstehende Prinzip zu verstehen.

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