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© Mettus, 123RF

mtPaint macht Malen einfach

Durchgerastert

Mit wenigen Mausklicks zum Pixel-Künstler? Das Malprogramm mtPaint macht es möglich – und bringt, wenn Sie wollen, Ihren Kunstwerken auch noch das Laufen bei.

Malprogramme sind keine Bildbearbeitungen. Stattdessen konzentrieren sich die Entwickler dieser Software auf Funktionen, die beim Zeichnen eine Rolle spielen. Daher darf man nicht erwarten, dass eine Software wie mtPaint [1] in der gleichen Liga wie Gimp spielt. Eher schon ist ein Vergleich mit MyPaint (siehe Artikel in dieser Ausgabe) oder Krita [2] angebracht. Trotzdem finden sich viele Funktionen aus klassischen Bildbearbeitungen auch bei Malprogrammen wieder. So lädt mtPaint Bitmap-Bilder, verwaltet bis zu 1000 Ebenen und erlaubt, bei Bedarf Helligkeit und Kontrast eines Bildes anzupassen.

Während Krita und MyPaint eher das intuitive Malen wie mit realen Stiften oder Pinseln emulieren, ist die Zielsetzung von mtPaint anders: Es fokussiert auf die sogenannte Pixel-Art. Diese Kunstrichtung verwendet Rastergrafiken und stellt dabei bewusst das beschränkte Auflösungsvermögen von Bildschirmen als Stilmittel heraus. Dabei nimmt der Stil – teils ironisch – Bezug auf die Anfänge der Bildschirmgrafik von Video- und Computerspielen sowie der grafischen Benutzeroberflächen von Computern in den 1980ern und frühen 1990ern. Zu den bekanntesten Künstlern dieses Genres zählt Invader, ein französischer Streetart-Künstler.

Über die Zielsetzung von mtPaint sagt dessen Entwickler Mark Tyler, dass es ihm darum ging, ein schlankes, verlässliches, flottes, aber gleichzeitig einfach zu bedienendes Programm zu schreiben – und genauso wirkt mtPaint nach dem Start (Abbildung 1). Der Aufbau der Applikation wirkt übersichtlich, die Funktionen zum Malen verteilen sich auf mehrere Orte: In der Werkzeugleiste finden Sie die am häufigsten benötigten Tools. Am linken Bildschirmrand platziert das Programm die typischen Paletten, aus denen Sie Farben aufnehmen. Ganz oben befindet sich ein schnelles Auswahlwerkzeug für Pinselspitzen (Abbildung 2).

Abbildung 1: Klar, übersichtlich und aufgeräumt wirkt mtPaint.
Abbildung 2: Zu den wichtigsten Funktionen zählt die Auswahl einer passenden Pinselspitze, mit der Sie auf einer transparenten Ebene – gekennzeichnet durch die gestrichelten Linien – malen.

Am rechten Rand blenden Sie bei Bedarf ein Dock ein, in dem Sie Eigenschaften der Ebenen anzeigen und verändern. Am schnellsten klappt die Funktionsauswahl allerdings über Tastenkürzel. Eine Reihe dieser Shortcuts fallen etwas ungewöhnlich aus und entsprechen nicht den von anderen Programmen gewohnten (siehe Tabelle "Tastenkombinationen"). Es gibt derzeit keine Möglichkeit, diese Einstellungen zu verändern oder anzupassen.

Tastenkombinationen

Tastenkürzel Funktion
[A] Pfeil zeichnen (offen)
[E] Farbe wählen
[H] horizontal aufspalten
[J] Lasso-Auswahl
[L] Ebenenfenster anzeigen
[S] Pfeil zeichnen (geschlossen)
[T] Text eingeben
[V] Ansichtsfenster anzeigen
[X] Farben vertauschen
[F2] Muster wählen
[F3] Pinselspitze wählen
[F5] Werkzeugleiste 1 anzeigen
[F6] Werkzeugleiste 2 anzeigen
[F7] Werkzeugleiste 3 anzeigen
[F8] Palette anzeigen
[F12] Dock anzeigen
[Strg]+[A] alles auswählen
[Strg]+[E] Farben einstellen
[Strg]+[G] Graustufen erzeugen
[Strg]+[I] Bildinformationen anzeigen
[Strg]+[M] horizontal spiegeln
[Strg]+[N] neues Bild erzeugen
[Strg]+[O] Bild öffnen
[Strg]+[P] Einstellungen
[Strg]+[Q] mtPaint beenden
[Strg]+[R] Funktion wiederholen
[Strg]+[S] Bild speichern
[Strg]+[T] Text einfügen
[Strg]+[V] mittig einfügen
[Strg]+[W] Paletteneditor
[Strg]+[Z] rückgängig machen
[Strg]+[Umschalt]+[C] Farben transformieren
[Strg]+[Umschalt]+[I] Farben invertieren
[Strg]+[Umschalt]+[S] Ebene speichern
[Strg]+[Umschalt]+[V] als Ebene einfügen

Das Menü enthält die üblichen Funktionen: Unter Effekte finden Sie Einträge zum Bearbeiten geladener Bilder, die sich teilweise etwas in den Untermenüs verstecken. Für eine Reihe spezieller Anwendungen existieren besondere Funktionen, wie etwa zum Zeichnen von Pfeilen (Abbildung 3). Mit Mustern geht mtPaint ähnlich um wie mit Pinseln: Über [F2] aktivieren Sie jederzeit eine neue Variante. Für Verläufe gibt es ein eigenes Werkzeug, dessen Einsatz sich an Gimp orientiert. Der Verlauf erscheint senkrecht zur einer virtuellen Hilfslinie. Auch Transparenz unterstützt mtPaint.

Abbildung 3: Das Zeichnen an sich geht in mtPaint schnell von der Hand. Für viele Objekte gibt es spezielle Tastenkürzel.

Ebenfalls an Gimp erinnern die Möglichkeiten, Ebenen und Kanäle zu verwenden. Allerdings stehen nur wenige Ebenenmodi zur Auswahl. Bei den Werkzeugen sieht es ähnlich aus: Einiges, was Gimp anbietet, findet sich hier in vereinfachter Form, allerdings oft in einer etwas anderen Art. Das macht einen Umstieg auf mtPaint mühsam. An vielen Stellen brauchen Sie vermutlich das Handbuch (siehe Kasten "Handbuch installieren"), um die gewünschten Funktionen zu finden und einzusetzen.

Handbuch installieren

Nicht in allen Distributionen umfasst das mtPaint-Paket auch das (englischsprachige) Handbuch, so etwa bei Manjaro und Arch Linux. Um es zu nutzen, laden Sie das Paket im Zip-Format von der Homepage herunter und öffnen es mit dem Midnight Commander. Kopieren Sie die Daten in den Ordner /usr/share/doc/mtpaint/ im lokalen Dateibaum.

Besonderheiten

Eine Besonderheit von mtPaint liegt in der Möglichkeit, Animationen zu erstellen. Dabei unterstützt das Programm allerdings nur das lange Zeit als veraltet geltende Format GIF, das aber gerade im Web eine Renaissance erlebt. Wie bei Gimp erstellen Sie zunächst die einzelnen Bilder, die Sie in einem Ordner speichern. Bei mtPaint müssen diese Bilder als explizite Dateien vorliegen, Ebenen reichen nicht aus.

Als Bildtyp wählen Sie dabei eine indexierte Farbpalette mit maximal 256 Farben aus. RGB fällt flach, da GIF nur eine begrenzte Anzahl an Farben erlaubt. Anschließend generiert die Funktion Animiertes GIF speichern aus Bildern im angegebenen Ordner eine entsprechende GIF-Animation.

Fazit

Ganz leicht fällt die Arbeit mit mtPaint nicht. Immerhin bietet das Programm einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, wenn es um die ganz speziellen Bedürfnisse von Pixel-Art geht. Ohne das Handbuch, von dem es auch eine Online-Version [3] gibt, fällt es in einigen Fällen schwer, Funktionen zu finden und deren Prinzip zu verstehen. Hinzu kommt, dass die spezielle Arbeitsweise von mtPaint sich für die meisten Grafikvorhaben nicht eignet. In seinem speziellen Revier aber macht das Programm eine gute Figur. 

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