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© Tetiana Vitsenko, 123RF

Flotter Allrounder aus der Türkei: Pisi Linux

Türkischer Honig

Pardus Linux hatte sich als eigenständiges Linux-System mit vielen Innovationen einen guten Ruf erworben. Der brandneue Nachfolger Pisi Linux möchte daran anknüpfen.

Die Türkei gilt landläufig nicht unbedingt als Hochburg freier und quelloffener Software. Doch auch am Bosporus begannen staatliche Institutionen bereits vor rund zehn Jahren damit, in Form von Pardus Linux eine eigene Distribution zu entwickeln, die viele innovative Komponenten beinhaltete. Nachdem 2012 die Entwicklung von Pardus Linux aufgrund institutioneller Vorgaben primär auf den behördlichen Bereich ausgerichtet wurde, bildete sich ein Community-Team, das als eigenständige Weiterentwicklung von Pardus ein neues Projekt namens Pisi Linux (http://www.pisilinux.org/de/) ins Leben rief. Das inzwischen in der Version 1.1 vorliegenden Pisi Linux setzt viele interessante Eigenentwicklungen ein und fokussiert auf den Desktop für Endanwender.

Grundlagen

Pisi verwendet durchgängig aktuelle Komponenten und mit KDE 4.14.2 einen modernen Desktop. Eine Besonderheit des Systems stellt das Softwaremanagement dar: Als Paketmanager dient die Eigenentwicklung PiSi, die – samt grafischem Frontend – dem Fundus von Pardus entstammt. Ähnliches gilt für den Installer und die Konfigurationsroutine. Unter der Haube sticht besonders ins Auge, dass die türkische Distribution als Init-System nach wie vor SysVinit verwendet. Derzeit gibt es nur ein einziges, etwa 1,5 GByte großes ISO-Image für die 64-Bit-Architektur.

Pisi Linux bietet keine Live-Variante. Stattdessen zeigt es nach dem Start der DVD ein Grub-Auswahlmenü, das neben der Installation auch verschiedene andere Optionen anbietet. Noch vor Auswahl einer der Startoptionen sollten Sie allerdings die Spracheinstellung anpassen. Danach startet der Installer YaLI ("Yet another Linux Installer"), der bei Bedarf auch die Überprüfung des Installationsmediums gestattet.

In YaLI legen Sie zunächst die Tastatureinstellung sowie Datum und Uhrzeit fest. Anschließend richten Sie ein Benutzerkonto sowie die Authentifizierung für den Administrator ein. Im letzten Schritt vor dem Start der Installation partitionieren Sie den Zieldatenträger. Danach zeigt YaLI eine kurze Zusammenfassung der gewählten Optionen an.

Mit einem Klick auf die Schaltfläche Installation starten unten rechts im Installer packen Sie nun das System auf den Massenspeicher. Da die Routine auch sehr viele große Applikationen wie LibreOffice oder Firefox mit auf die Festplatte packt, kann die Installation selbst bei leistungsstarken Rechnern einige Zeit beanspruchen.

Werkzeuge

Nach dem Abschluss der Installation bootet Pisi in einen schnörkellosen KDE-Desktop und startet zunächst ein Tool namens Kaptan, das durch verschiedene Konfigurationsdialoge führt. Zwar ist die Startseite von Kaptan noch nicht vollständig lokalisiert, die Einstellungsdialoge liegen jedoch komplett in Deutsch vor. Das Programm erleichtert die grundlegende Personalisierung des Systems enorm, indem es viele ansonsten in KDE in diversen Dialogen beheimatete Einstellungen unter einer Oberfläche zusammenfasst (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit Kaptan passen Sie den KDE-Desktop Ihren Wünschen an.

Kaptan offeriert unter anderem auch die Option, das voreingestellte Kickoff-Startmenü per Mausklick durch eine klassische Menüstruktur oder die Lancelot-Variante zu ersetzen. Wichtiger als die Optionen zur optischen Personalisierung ist jedoch der Update-Dialog. Hier können Sie das grafische Paketmanagement-Frontend so konfigurieren, dass es Software-Updates automatisch in bestimmten Zeitintervallen vornimmt. Bei Bedarf rufen Sie aus Kaptan auch die KDE-eigenen Tools zur Desktop-Konfiguration auf, um noch Feinjustierungen vorzunehmen.

Dazu gehört unter anderem die Spracheinstellung für den nach der Installation noch englisch lokalisierten Desktop. Hierfür wechseln Sie über das Menü System in die Paketverwaltung und richten das Paket kde-l10n-de ein. Danach wechseln Sie in das Menü Settings und starten die System Settings. Dort rufen Sie per Doppelklick auf Locale die Lokalisierungsoptionen auf und wählen im Reiter Language den Eintrag Deutsch. Nach dem Bestätigen der Sprachanpassung und einer Neuanmeldung am Desktop erscheinen auch die KDE-Menüs in deutscher Sprache.

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Kommentare
Flotter Allrounder aus der Türkei: Pisi Linux
Stefan Gronewold (unangemeldet), Dienstag, 16. Dezember 2014 11:11:04
Ein/Ausklappen

Es sind für Pisi Linux sehr wohl deutsche Seiten vorhanden und auch ein deutsches Wiki existiert für Pisi Linux sowie ein deutsches Subforum.
Leider ist es nicht vollständig, da dafür im Moment deutsche Mitarbeiter fehlen, und ich das einzige deutsche Team Mitglied bin.

http://pisilinuxgermany.wordpress.com/

http://wiki.pisilinux.org/de/index.php?title=Hauptseite

http://forum.pisilinux.org/deutsch/

Hoffe es wird zur Kenntnis genommen


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Re: Flotter Allrounder aus der Türkei: Pisi Linux
Icecube63 (unangemeldet), Donnerstag, 18. Dezember 2014 15:51:38
Ein/Ausklappen

Wenn die deutsche Lokalisierung so ist wie das eingedeutschte "Warum Pisi Linux/Was ist Pisi Linux" kann man gut drauf verzichten.

Mag ja auf türkisch ok sein, aber so ganz kann ich nicht nachvollziehen warum solch einem "lokalen" Debian-Derivat ohne Besonderheiten ein ganzer Artikel gewidmet wird.
Habe früher selber gerne Pardus genutzt, da war die Alleinstellung aber noch um einiges größer, heute ist es nur noch der Paketmanager.



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