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© Marek Uliasz, 123RF

Bücher publizieren mit LibreOffice, CreateSpace und KDP

Selbstdarsteller

Wollte man früher ein Buch veröffentlichen, brauchte man dafür einen Verlag. Mithilfe von Amazons CreateSpace und Kindle Direct Publishing gelingt das heute auch in eigener Regie.

Bis ein Buch in gedruckter oder elektronischer Form beim Buchhändler liegt, muss es eine Reihe von Prozessen durchlaufen. Zuerst braucht es ein Manuskript – zwar ein zentraler Teil des werdenden Werks, aber nicht zwangsläufig der zeitaufwendigste Part. Mithilfe einer geeigneten Textverarbeitung produziert der Autor einen Text, der später als Basis der Veröffentlichung dient. Gibt er die Datei zur Publikation an einen Verlag ab, besteht anschließend die sehr zeitaufwendige Arbeit des Verlagseditors darin, aus dem Buchstabensalat ein zur Publikation geeignetes und wohlformatiertes Dokument zu machen.

Wer hingegen im Selbstverlag bei CreateSpace [1] und KDP [2] veröffentlichen will, muss diese Arbeit selbst erledigen. In der Praxis haben sich dafür die freien Office-Pakete LibreOffice [3] und OpenOffice [4] als außerordentlich leistungsfähige Werkzeuge bewährt. Daher widmen wir den ersten Teil der Artikelserie besonders den Möglichkeiten von Libre- und OpenOffice als Werkzeug zum Erstellen von Manuskripten.

Die zu veröffentlichenden Dateien – nicht zu verwechseln mit dem nackten Manuskript – entsprechen praktisch schon dem zu veröffentlichenden Buch: Fertig formatiert, in einem Format, das die Publikationsorgane unterstützen. Im Falle von CreateSpace wären das PDF-Dateien, KDP arbeitet vornehmlich mit dem HTML-Format. Daher eignen sich Libre- und OpenOffice besonders gut, da sie das Manuskript nach PDF oder HTML exportieren können.

Dabei gehen auch exotischere Inhalte nicht verloren, wie Tabellen, Bilder und Formeln: Die Office-Pakete exportieren diese mit Querverweisen versehen so, dass CreateSpace und KDP diese korrekt verarbeiten. Wie das geschieht, beschreiben wir im Detail im zweiten Teil dieser Artikelreihe. Wie Sie anspruchsvollen Formelsatz in Bücher und E-Books bringen, darüber berichtet dann der dritte Teil der Serie.

Fehlerkorrektur

Die Fehlerkorrektur der beiden großen Office-Pakete arbeitet ganz hervorragend. Hervorgehobene Fehler korrigieren Sie am besten sofort. Zu Beginn Ihrer Autorentätigkeit moniert die Rechtschreibprüfung mit Sicherheit zahlreiche Begriffe, die zwar richtig geschrieben, aber der Rechtschreibkorrektur noch unbekannt sind. Fügen Sie diese Begriffe daher nach nochmaliger Überprüfung unbedingt dem Wörterbuch zu – Sie ersparen sich damit langfristig viel Arbeit.

Das Manuskript erstellen

Zum Einstieg stellen Sie sicher, dass Libre- oder OpenOffice mit sämtlichen Komponenten installiert ist. Manch schlanke Linux-Distribution verzichtet ganz auf ein großes Büropaket oder lässt selten benutzte Komponenten wie einen Formeleditor aus. Holen Sie daher die Installation dieser Teile über die Paketverwaltung nach. Das Erstellen eines Manuskripts beginnt dann mit einem neuen ODT-Dokument in Writer, für das Sie unter Format | Seite | Seite das gewünschte Seitenformat festlegen. Mit dem richtigen Format sieht das Buch auf dem eigenen Monitor so aus wie später im gedruckten Produkt.

Abbildung 1: Die Einstellung des Seitenformats stellt den ersten Schritt auf dem Weg zum erfolgreichen Erstellen des Manuskripts dar.

Bei der Wahl des Seitenformats gilt es, die Richtlinien von CreateSpace oder der Self-Publishing-Plattform Ihrer Wahl zu beachten. In Abbildung 1 sehen Sie das Seitenformat, das bei den Büchern unseres Autors zum Einsatz kommt. Genauso wichtig ist die Wahl der Schriftart und der Schriftgrößen für die verschiedenen Textteile. Hier kommt Ihr persönlicher Geschmack zum Tragen: Einsteiger beginnen am besten mit der vom Writer vorgegebenen Formateinstellung.

Achten Sie bei Änderungen an der Formatvorlage unter Format | Formatvorlagen stets darauf, dass Sie in Ihrem Buch nicht zu viele unterschiedliche Schriften verwenden (Abbildung 2). Als Faustregel zum Vermeiden eines Font-Zoos gilt, dass ein Dokument höchstens zwei verschiedene Schriftarten nutzen sollte – sonst empfindet das Auge des Lesers den Textsatz als zu chaotisch.

Abbildung 2: Mithilfe von F11 zeigen Libre- und OpenOffice die Formatvorlagen des aktuellen Dokuments an.

Um die Einstellung einer Formatvorlage zu ändern oder eine neue Formatvorlage zu erzeugen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den zu ändernden Eintrag und wählen im Kontextmenü Ändern... an. Zum Erzeugen einer neuen Absatzvorlage rechtsklicken Sie auf einen beliebigen Stil und wählen dann Neu....

Abbildung 3 zeigt die Wahl der Schriftart für Absätze der Art Überschrift**1. Dieses kommt bei Kapitelüberschriften zum Einsatz. Eine Unterkapitelüberschrift wäre dann Überschrift**2, ein Unterunterkapitel bekommt Überschrift**3 als Stil. Achten Sie bei der Wahl von Stil und Größe der Schrift darauf, dass diese die Formatvorlagenhierarchie widerspiegeln und nicht eine Überschrift**2 einen größeren Schriftschnitt verwendet als die Überschrift**1.

Abbildung 3: Nach Auswahl einer Formatvorlage bearbeiten Sie Art, Stil und Größe der Schrift nach Ihren Wünschen.

Fließtext setzen Sie in das Format Standard, das nach dem Schreiben einer Überschrift bei Drücken der Eingabetaste automatisch aktiv werden sollte. Dies stellen Sie sicher, indem Sie im Reiter Verwaltung eines Überschriftenformats als Folgeformat Standard vorgeben (Abbildung 4). Halten Sie die Zuteilung von Absatzvorlagen im Dokument sauber ein, dann lassen sich schlecht gewählte Formatvorlagen schnell wieder ändern, ohne dass Sie das gesamte Dokument neu formatieren müssten.

Abbildung 4: In der Verwaltung der Absatzvorlage eines Überschriftenformats lässt sich das Folgeformat vorgeben.

Konsequenz ist Pflicht

Im Anschluss an die grundlegenden Formateinstellungen gilt es, Konsequenz an den Tag zu legen. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Keinerlei manuelle Änderungen mehr am Format.
  • Verwenden Sie beim Verfassen des Buchs ausschließlich Formate aus der Formatvorlage.
  • Sieht das Ergebnis nicht so aus, wie Sie es sich vorstellen, dann passen Sie die entsprechende Formatvorlage an, bis das Ergebnis überzeugt.

Verweise auf Seitenzahlen oder Abbildungen, Tabellen, durchnummerierte Gleichungen oder sonstige Manuskriptelemente erfolgen ausschließlich über sich automatisch aktualisierende Querverweise (Einfügen | Querverweise...). Dabei erlaubt der Dialog (Abbildung 5) die Wahl des Typs, des konkreten Elements des gewählten Typs sowie des Dateninhalts des Querverweises (Seite, Nummer oder Referenztext).

Abbildung 5: Querverweise aktualisieren die im Text verknüpften Informationen bei Änderungen automatisch.

Schreiben Sie niemals Seitenzahlen oder Abbildungsnummern ohne einen Querverweis in den Fließtext: Allzu oft ergeben sich Änderungen im Manuskript, die das Dokument durcheinanderwürfeln. Nehmen Sie Verweise auf Seitenzahlen und Abbildungen daher ausschließlich über die Querverweis-Funktion vor. Diese passt die Verweise im Text automatisch an, ohne dass Sie auch nur einen Finger krümmen müssten.

Manuelle Umbrüche

Wie jede gute Textverarbeitung kümmert sich auch Writer automatisch um Seitenumbrüche. Versuchen Sie am besten nicht, manuell in den Umbruch einzugreifen – lediglich für den finalen Touch kann es notwendig sein, einen manuellen Umbruch zu erzwingen. Eine Ausnahme stellen neue Hauptkapitel dar: Diese sollten immer auf einer neuen Seite beginnen. Fügen Sie dafür mit Einfügen | Manueller Umbruch... | Seitenumbruch einen manuellen Seitenumbruch ein.

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