Bedrock: Ein solides Fundament

Lässt sich NixOS vom Aufwand her mit Arch Linux vergleichen, so nähert sich die Installation von Bedrock [14], was übersetzt Grundgestein bedeutet, dem Aufsetzen von Linux from Scratch (LFS) an. Dafür wagt sich Bedrock – von den hier vorgestellten Distributionen – allerdings auch am weitesten auf Neuland vor.

Basierend auf einem relativ kleinen, statisch gelinkten Betriebssystemkern macht Bedrock es sich zum Ziel, die Vorteile verschiedener Distributionen in einem System zu vereinen. In der Praxis heißt das: Auf dem Bedrock-Kern lassen sich ohne Virtualisierung zeitgleich verschiedene Distributionen und deren Anwendungen auf einem System betreiben.

Bedrock ermöglicht es beispielsweise, die aktuelle Version von Firefox aus Fedora zu installieren und auszuführen und gleichzeitig eine unter Gentoo ohne D-Bus-Unterstützung kompilierte Version des Browsers zu starten. Dazu unterstützt Bedrock die aus Debian, Fedora und Arch bekannten Paketverwaltungstools Apt, Yum und Pacman.

Alle installierten Anwendungen glauben, egal, woher sie kommen, in ihrem nativen System zu agieren. Dabei teilen sich alle installierten Distributionen praktischerweise das Home-Verzeichnis, sodass sämtlichen Programmversionen dieselben Daten zur Verfügung stehen.

Für diese Funktionen nutzen die Bedrock-Entwickler zwei altbewährte Linux-Techniken: Changed Roots (Chroots) [15] und Bind Mounts [16]. Chroots lassen sich irgendwo zwischen Containern und herkömmlicher Virtualisierung ansiedeln. Der größte Unterschied besteht darin, das Changed Roots eine gewisse Durchlässigkeit bieten. Bind Mounts ermöglichen die Interaktion von Dateien innerhalb des Chroots mit solchen, die außerhalb liegen. Container sorgen dagegen eher für eine strikte Trennung der Daten.

Die Installation der derzeitigen Version Bedrock Linux 1.0beta1 "Hawky" ist zwar gut dokumentiert, überfordert weniger versierte Anwender aber leicht, da sie nur in der Konsole abläuft. Ausgehend von einer bestehenden Linux-Distribution erstellen Sie das Basissystem aus dem Bedrock-Git-Repository. Danach kommt Debootstrap zum Einsatz, um im Verzeichnis /bedrock/bedrock/clients/Client-Name eine Distribution der Wahl zu bauen.

Anschließend geht es an die Konfiguration des ersten Clients, also einer zweiten Distribution, die Sie parallel zum Basissystem einspielen. Das Aufsetzen von Bedrock mitsamt der Installation von Debian Sid und Fedora 21 nahm in unserem Test rund vier Stunden in Anspruch. Der Platzbedarf von Bedrock hängt von der Anzahl der installierten Distributionen ab, was bei den heutigen Festplattenpreisen aber kein Hinderungsgrund darstellen sollte.

Bei der für Ende 2014 oder Anfang 2015 anstehenden Version Bedrock Linux 1.0beta2 "Nyla" plant der Hauptentwickler Daniel paradigm Thau den Installationsprozess zu vereinfachen. Seine Zukunftspläne für Bedrock beschreibt er dahingehend, dass es Installer für verschiedene Distributionen geben soll, die dann Bedrock vom Gastsystem aus auf einer anderen Partition oder Festplatte einspielen.

Ein Deinstallieren von Bedrock soll von dort aus dann genauso möglich sein wie das Entfernen einer Gastdistribution. Einen schnellen Überblick über die Prinzipien von Bedrock Linux bieten die Folien einer seiner Vorträge auf dem Ohio-Linux-Fest [17].

Fazit

Die Konzepte, die Lennart Poettering in seinem Blog beschreibt [18] und gemeinsam mit seinen Systemd-Mitstreitern für die Distribution der Zukunft propagiert, sind nicht wirklich neu. Sie befinden sich seit einem Jahrzehnt in der Erprobung, fanden aber bisher noch nicht Einzug in die gängigen Distributionen – zumindest nicht im großen Stil.

Voraussetzungen wie etwa der Usr-Merge haben zumindest schon die Gefilde von Arch Linux und Fedora erreicht; OpenSuse steckt noch mitten in diesem Prozess [19]. Debian zieht vermutlich im Frühjahr 2015 nach, im Anschluss an die Veröffentlichung von Debian 8. CoreOS [20] setzt die automatische Aktualisierung per Atomic Updates mit einem zweiten, parallelen Dateisystem um, auf Cluster-Ebene kommt die Technik bereits zum Einsatz. Mit Project Atomic [21] beschreitet Red Hat einen ähnlichen Weg.

Wenn Poettering von App Stores spricht, so meint er neben ChromeOS auch die Konzepte von GoboLinux und NixOS, die ihre Pakete komplett in einem Verzeichnis vorhalten, anstatt sie über den Dateibaum zu verteilen. Die vorgestellten Projekte beherrschen es allesamt, mehrere Versionen von Anwendungen – im Fall von Bedrock sogar Distributionen – zu vereinen.

Noch gelten Distributionen wie GoboLinux, NixOS oder Bedrock als Nischenprojekte, in der Zukunft dürften wir jedoch öfter von ihnen hören. Die Linux-Gemeinde schaut dabei mit Interesse zu: So stehen etwa im IRC-Kanal von NixOS ständig mehr als 200 Personen in regem Kontakt. In jedem Fall leisten die vorgestellten Projekte Pionierarbeit. Lennart Poettering ist der Ansicht, es sei an der Zeit, diese Ideen unter Systemd zu bündeln und zur Grundlage für Distributionen der Zukunft zu machen. 

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