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© Damedeeso, 123RF

Neues in Ardour 3

Coole Mucke

Die digitale Audio-Workstation Ardour sorgt in Musikerkreisen schon länger für Furore. Jetzt legt das Projekt nach und verbessert das aktuelle Release in vielen Details.

Die dritte Generation von Ardour begann mit der Einführung von Midi-Spuren und brachte auch eine anfangs noch experimentelle Videozeitleiste samt Thumbnails mit. Seitdem darf Ardour als vollständig ausgestattete DAW gelten. Das Projekt veröffentlichte inzwischen fünf neue Versionen und etwa ein Dutzend Updates zur Fehlerbereinigung, bei denen die Entwickler unter anderem auch die Videozeitleiste offiziell freigaben (Abbildung 1). Der Funktionsumfang der Suite lässt sich unkompliziert mit einer Fülle von Erweiterungen ausbauen. Einzelheiten dazu zeigt der Kasten "Plugins".

Abbildung 1: Schöner, neuer, mehr: Die Oberfläche von Ardour kommt mit vielen Detailverbesserungen ins Rennen.

Plugins

Die Zahl der verfügbaren Musik-Plugins wuchs in den letzten zwei Jahren massiv an, nicht zuletzt dank der Konsolidierung der neuen Standards LV2 und VSTx. Über 70 Pakete zeigt die Suche nach VST Plugins in Ubuntus Paketmanagement an. Einige davon ziehen ein gutes Dutzend zusätzlicher Module auf die Festplatte. Die Suche nach LV2 Plugins liefert mehr als 120 Pakete.

Besonders unter den LV2-Modulen bringen viele eine eigene grafische Oberfläche mit (Abbildung 2). Falls der Verdacht aufkommt, dass so eine Oberfläche allzu viel Leistung verbraucht, bietet Ardour seit Kurzem eine radikale Lösung: Im Kontextmenü des Starters der Plugin-Oberfläche im Kanalzug steht ganz unten ein neuer Eintrag bereit, über den Ardour immer eine generische eigene Bedienoberfläche für das Plugin öffnet.

Abbildung 2: Neben vielen neuen Synthesizern tauchen auch immer mehr kleine, hübsch gestaltete Effekte auf wie dieser simple, aber wohlklingende Verzerrer von Drowaudio.

Systemvoraussetzungen

Das mit einer aufwendigen GTK-Oberfläche ausgestattete Ardour benötigt für seine Verhältnisse nur sehr wenig Systemressourcen. So genügen unter Fedora bereits 2 GByte Hauptspeicher, um mit der DAW zu arbeiten. Beim Anwachsen der Projektgröße auf mehr als 20 Spuren wurde zwar im Test die Oberfläche etwas träge, was allerdings der davon unabhängigen Audio-Engine keine Schwierigkeiten machte.

Softwareseitig benötigt Ardour in jedem Fall einen laufenden Jack-Server. Die Optimierung des Kernels – früher noch absolut notwendig – gilt inzwischen nur noch als Empfehlung: Jack und Ardour laufen schon auf einem normalen Desktop-Kernel zufriedenstellend. Allerdings führt kein Weg daran vorbei, den Nutzer mit speziellen Rechten für den Audio-Betrieb auszustatten. Dazu ordnen Sie ihn der Gruppe audio zu, bei manchen Systemen auch sound oder jack.

Jack-Erfinder Paul Davis warnt davor, Jack selbst aus den Quellen zu installieren. In jedem Fall führt es zu Problemen, wenn Jack und seine Hilfsprogramme unter /usr/local laufen, statt wie vom Paketmanagement vorgesehen in /usr. Wer sein System konsequent und vollständig für Audio optimieren möchte, findet im Linuxmusicians-Wiki [1] eine vollständige Anleitung.

Viele Quellen

Ardour steht in den Repositories aller gängigen Distributionen zum Abruf bereit, einige setzen dazu aber das Einbinden einer speziellen Multimedia-Paketquelle voraus. Diese Distributionspakete genießen eine ausgeprägte Hassliebe des Ardour-Chefentwicklers Paul Davis, weil die komplexe Suite eine passende Umgebung und ein Setup verlangt, die nicht alle Maintainer perfekt umsetzen.

So funktioniert Ardour nur mit installiertem und korrekt laufendem Jack-Audioserver, die Videofunktion benötigt eine speziell angepasste Videoplayer-Software. Generell empfiehlt das Ardour-Projekt deshalb, den Jack-Server bereits vorab zu installieren und einzurichten und erst dann das Ardour-Installationspaket [2] einzuspielen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Installationspaket von Ardour installiert die Suite nach /opt, prüft dabei auch die Systemkonfiguration und macht Verbesserungsvorschläge.

Dieses liegt hinter einer Bezahlschranke, an der es einen selbst gewählten Beitrag von mindestens 1 US-Dollar zu entrichten gilt. Für Nutzer, die sich nach der Zahlung registriert und angemeldet haben, entfällt zukünftig die Zahlung beim Herunterladen von Updates. Wie es sich für GPLv2-lizenzierte Software gehört, stellt das Projekt den Quelltext von Ardour in Git zum Download bereit. Um ihn von dort zu beziehen, installieren Sie den Git-Client auf Ihrem Rechner und geben im Terminal folgenden Befehl ein:

$ git clone git://git.ardour.org/ardour/ardour.git 3.0

Der Befehl legt ein neues Verzeichnis namens 3.0 an und speichert dort mehr als 2800 Dateien mit einer Größe von über 100 MByte. Neben einer Liste aller zum Bau benötigten Entwicklerpakete [3] finden Sie auf der Ardour-Website auch eine ausführliche Anleitung [4], die zeigt, wie Sie die Suite aus den Quellen kompilieren. Sie richtet sich allerdings an Anwender, die nicht das erste Mal eine Software unter Linux bauen, und setzt das Vorhandensein einer Standard-Build-Umgebung samt GCC und Tools wie Make voraus.

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