Der E-Book-Editor Sigil in einer neuen Inkarnation

Auferstanden

Der E-Book-Editor Sigil deckt alle wichtigen Aspekte beim Erstellen von E-Books ab. Die aktuellste Version glänzt mit neuen Funktionen und lässt sich über Plugins erweitern.

Trotz der Ankündigung des Entwicklers John Schember [1], nicht mehr aktiv am EPUB-Editor Sigil [2] weiterzuarbeiten, geht es mit dem Programm weiter voran. Schember konzentriert sich zwar nur noch darauf, die Änderungen anderer Programmierer in Sigil einzupflegen, aber so kamen Ende 2014 mit Sigil 0.8 und 0.8.1 doch noch zwei neue Versionen auf den Markt. Mit einer Plugin-Funktion bieten sie sogar eine grundlegend neue Funktion.

Die Nachricht freut Fans der Anwendung, da mit Sigil ein wirklich leistungsfähiger E-Book- und XHTML-Editor zur Verfügung steht, der neben der Quelltextdarstellung auch WYSIWYG beherrscht. Zwar bieten die neueren Versionen der E-Book-Software Calibre ähnliche Funktionen, setzen den Schwerpunkt aber eher auf das Verwalten von E-Books als auf das Bearbeiten. Sowohl mit Sigil als auch Calibre lassen sich E-Books validieren, um so sicherzustellen, dass die erzeugten Bücher auf möglichst vielen Readern funktionieren.

Sigil will nicht den Editor ersetzen, mit dem Sie ein E-Book schreiben. Das Programm setzt bei den nachfolgenden Schritten an, also der Formatierung und dem Feintuning. Mit Sigil entrümpeln Sie Quelltexte oder validieren die für das Veröffentlichen benötigten XHTML-Dateien. Aber auch beim nachträgliche Korrigieren von Fehlern sowie beim Einfügen zusätzlicher Bilder und Links stellt Sigil eine unverzichtbare Hilfe dar.

Der Fokus des Programms liegt auf dem Umgang mit EPUB-Dateien, die Sigil direkt unterstützt. Andere Formate müssen Sie erst konvertieren (etwa mit Calibre) und dann in Sigil importieren. Bei EPUBs handelt es sich um ZIP-Container mit einer Reihe von XHTML-Dateien, die den Text und die Struktur des Dokuments beschreiben [3]. Zudem enthält der Container Bilder und andere Dateien, die Sie per Verlinkung in das E-Book einbinden. Jedes Kapitel steckt im EPUB-Format üblicherweise in einer eigenen Datei; für das Inhaltsverzeichnis, die Metadaten und etwaige Multimedia-Inhalte gilt das ebenso.

Sigil in der Praxis

Schreiben Sie Texte gerne mit einer Textverarbeitung und wandeln Sie erst dann in ein E-Book um, so bietet sich dafür ein Export im HTML-Format an, etwa aus Libre- oder OpenOffice. Für die beiden Open-Source-Büropakete gibt es mit eLAIX [4] zudem ein Plugin, das einen direkten EPUB-Export erlaubt – in unserem Test zeigte es allerdings deutliche Schwächen.

Verfassen Sie Ihre Texte mit einem Editor, sieht die Sache anders aus: Sigil liest UTF-8-kodierte Klartextdateien ohne Problem direkt ein. Beim Start von Sigil ohne eine EPUB-Datei erzeugt der Editor automatisch eine grundlegende Dokumentenstruktur (Abbildung 1), in die Sie dann Texte direkt einfügen können. Dabei treten allerdings gerne Probleme mit der Kodierung auf, weswegen es sich empfiehlt, die Eingabedateien zunächst mit dem Editor entsprechend vorzubereiten.

Abbildung 1: Sigil startet mit einer mehrteiligen Oberfläche: links die EPUB-Struktur, in der Mitte der Inhalt der aktuellen Datei und rechts die inhaltliche Gliederung des gesamten Dokuments.

Alternativ speichern Sie den Text im RTF-Format und prüfen nach dem Import, ob Sigil die Formatierungen korrekt übernommen hat. Tabellen sorgen hier meist für Probleme, die es in der Quelltextansicht zu korrigieren gilt. Besonders genau sollten Sie beim Export aus Microsoft Word hinsehen: Hier erwartet Sie ein wahrer Rattenschwanz an Schwierigkeiten [5]. Erfahrungsgemäß gelingt der Import am problemlosesten, wenn Sie längere Texte abschnittsweise mittels Kopieren und Einfügen in das Dokument übertragen. Dabei fallen Fehler entweder sofort im Editor oder spätestens in Sigil auf.

Das eigentliche Formatieren des E-Books erfolgt mithilfe separat gespeicherter CSS-Dateien [6]. Metadaten speichert EPUB gleich an verschiedenen Stellen ab: OPF-Dateien wie beispielsweise die content.opf beschreiben wesentliche Informationen wie die Book-ID; die manifest-Datei enthält sämtliche Files, die im E-Book verlinkt sind.

Durch die Zersplitterung von Inhalten, Formaten und Informationen fällt es schwer, ohne Unterstützung einer Anwendung wie Sigil Veränderungen an Dokumenten im EPUB-Format vorzunehmen. Das Programm hilft, die verschachtelten Beziehungen aufzudröseln und die Dokumente einzeln oder im Ganzen zu bearbeiten. Ohne Sigil wäre schon eine kleine Änderung im Text nicht ganz trivial.

Um beispielsweise im gesamten Dokument "GIMP" in "Gimp" umzuwandeln, müssten Sie jede Textdatei und die Metadaten separat bearbeiten und nach und nach die Textstellen abändern. Mit Sigil wechseln Sie in den Text-Ordner und rufen dort die Funktion Suche | Suchen und Ersetzen auf. Anschließend hangelt sich das Programm automatisch durch alle im Order liegenden Dateien und bietet an, das Ersetzen vorzunehmen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Beim Suchen und Ersetzen berücksichtigt Sigil von Haus aus sämtliche im aktuellen Ordner vorhandenen Dateien.

Die Suchfunktion verdient genaueres Hinsehen: Unter Modus geben Sie vor, wie Sigil den angegebenen Suchausdruck interpretieren soll. Normal durchsucht den Text literal nach dem eingegebenen Ausdruck, mit Regulärer Ausdruck geben Sie umfangreichere Filterkriterien vor. Welche Metazeichen Sigil auf welche Weise auswertet, das beschreibt die Online-Dokumentation [7]. In der Zeile Optionen stellen Sie die Wirkung der regulären Ausdrücke weiter ein. So wandeln Sie etwa durch Minimal Match gierige in nichtgierige Ausdrücke um und mehr [8].

Die einzelnen Dateien aus dem EPUB-Container laden Sie mit einem Doppelklick aus dem Buch-Browser am linken Rand des Hauptfensters. Sollten Sie den Browser einmal aus Versehen schließen, dann stellen Sie ihn über Ansicht | Buch-Browser oder die Tastenkombination [Alt]+[F1] schnell wieder her. Geöffnete Dateien sammelt Sigil als Tabs am oberen Rand des Hauptfenster – mit der Maus oder [Strg]+[Bild-oben] und [Strg]+[Bild-unten] wählen Sie den gewünschten Reiter aus.

Layout per CSS

Da das Formatieren von EPUB-E-Books mithilfe von Cascading Style Sheets erfolgt, kommen Sie um das Bearbeiten dieser Dateien nicht herum. Das gilt insbesondere dann, wenn es darum geht, das grundlegende Format zu verändern – beispielsweise die Ausrichtung in Überschriften oder dem Textkörper. Hier hilft ein wenig Erfahrung mit Webdesign weiter, denn das E-Book-CSS unterscheidet sich nicht von dem für Webseiten genutzten Format.

Die von Verlagen zur Verfügung gestellten Werkzeuge sollten Sie lieber meiden: Meist für den direkten Import von MS-Word-Dokumenten abgestimmt, liefern sie bei ODF-Dateien nur selten optimale Ergebnisse. Formatieren Sie daher Ihr E-Book so weit wie möglich von Hand, bevor Sie es in den gewünschten Shop einstellen.

Die im EPUB verwendeten Stylesheets finden Sie im Ordner Styles und laden sie von dort mit einem Doppelklick (Abbildung 3). Als Faustregel gilt hier: Schlicht gehaltenes CSS sorgt für optimale Kompatibilität zu vielen Readern. Aus demselben Grund sollten Sie auch von der Verwendung spezieller Fonts Abstand nehmen.

Abbildung 3: Die Formatierung des E-Books erfolgt, wie bei Webseiten heutzutage üblich, über Cascading Style Sheets.

Was die an den CSS-Dateien vorgenommenen Anpassungen bewirken, sehen Sie bei aktivierter Buch-Ansicht umgehend im Hauptfenster von Sigil (Abbildung 4). In den klassischen WYSIWYG-Modus wechseln Sie aus dem Ansicht-Menü oder über den Buch-Button in der oberen Werkzeugleiste.

Abbildung 4: Bei aktivierter Buch-Ansicht präsentiert Sigil bei Änderungen an der Formatierung umgehend das Ergebnis.

Kurze Passagen im Fließtext formatieren Sie, indem Sie diese mit der Maus auswählen und anschließend die entsprechenden Funktionen aus dem Menü Bearbeiten aufrufen oder die passende Schaltfläche in der Werkzeugleiste anklicken. Mit Formatierung | Zeige Tag aus dem Menü oder über [Strg]+[Alt]+[T] zeigt Sigil die für die gerade aktive Zeile gesetzten Tags in der Statuszeile an. Im selben Menü gibt es mit der Option Formatierung entfernen auch eine einfache Möglichkeit, fehlerhafte Formatierungen zu löschen.

Seitenumbrüche zum Gliedern der Inhalte unterstützt EPUB nur bedingt, weswegen Sie für eine neue Seite am besten den Quelltext an der entsprechenden Stelle teilen. Das erledigen Sie mit den Funktionen Teilung am Cursor oder Teilung an Markierungen aus dem Menü Bearbeiten beziehungsweise über die entsprechenden Buttons in der oberen Werkzeugleiste.

Komplexere Formatierungen setzen Sie über CSS um. Dazu müssen Sie nicht zwangsläufig die bestehenden Stylesheets verändern: Für neue Stile oder Änderungen am bestehenden Layout legen Sie am besten über Datei | Hinzufügen | Leeres Stylesheet eine neue CSS-Datei an, in die Sie dann die gewünschten Formatierungen eintragen.

Einen unmittelbaren Eindruck von den im Quelltext vorgenommenen Änderungen vermittelt Sigil über ein zusätzliches, normalerweise verstecktes Vorschaufenster, das Sie mittels [F10] einblenden. Es erscheint zunächst auf der rechten Seite, lässt sich aber bei Bedarf aus dem Hauptfenster lösen und neben Sigil ausrichten oder in den Kopf der Anwendung schieben. So fällt es oft leichter, die Auswirkungen von Änderungen direkt mitzuverfolgen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die in ein eigenes Fenster ausgelagerte Vorschau hilft bei der optischen Gestaltung des E-Books.

Im weiteren Verlauf sollten Sie verschiedene Teile Ihres E-Books semantisch auszeichnen, wie etwa das Vorwort, das Inhaltsverzeichnis oder den Beginn des Texts. Auf diese Weise ermöglichen Sie es dem Leser, im E-Book-Reader die entsprechenden Passagen direkt anzuspringen, sofern das Gerät die Funktion unterstützt. Dazu wählen Sie im Buch-Browser die entsprechenden Dateien aus und rufen mit der rechten Maustaste das Kontextmenü auf. Unter Semantik hinzufügen finden Sie dann eine Liste mit gebräuchlichen Markierungen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Bestimmte Teile eines E-Books lassen sich semantisch auszeichnen. Text markiert etwa den Beginn des Fließtexts im Dokument.

Auf dieselbe Weise gestalten Sie mittels Buchdeckel den Titel. Voreingestellt enthält das E-Book einen wenig ansehnlichen Texteinband mit ein paar Metadaten des Dokuments. Um ein Titelbild einzufügen, bedurfte es in älteren Versionen noch einiger Verrenkungen; inzwischen klappt das recht einfach: Zuerst fügen Sie das Bild über Einfügen | Datei... den im Dokument verwendeten Bildern hinzu. Es erscheint dann wie üblich im Ordner Images in der Seitenleiste. Anschließend rufen Sie Buchdeckel hinzufügen aus dem Menü Werkzeug auf. Die Funktion erstellt automatisch die benötigte Datei cover.xhtml, die dann als erste im Text-Ordner erscheint.

Das Inhaltsverzeichnis erzeugt Sigil anhand der im Text per Heading-Tag (<H[1-6]>) gesetzten Überschriften, was im Regelfall gut funktioniert. Allerdings übernimmt das Programm auch ähnlich formatierte Abschnitte wie Anmerkungen, Warnungen oder Hinweise mit ins Inhaltsverzeichnis, das Sie deswegen gegebenenfalls nachträglich bereinigen müssen. Bei einem Export aus einem AsciiDoc-Dokument sollte das allerdings nicht notwendig sein.

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