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© Sofia Vlasiuk, 123RF

Netflix unter Linux mit HTML5 und ohne Silverlight

Verflixt

Im September startete die weltweit größte Online-Videothek Netflix auch im deutschen Sprachraum. Der Dienst bietet zwar HTML5-Streams an, lässt sie sich allerdings aus der Nase ziehen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich im klassischen Fernsehprogramm nur noch billig produzierte Casting- und Reality-Shows und am Abend Volksmusiksendungen und Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen finden: Die so oft beschworene werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hat immer weniger Lust auf Fernsehen. Wie der Spiegel aufrechnete [1], sinkt die Fernsehnutzung pro Tag besonders in diesen Altersgruppen kontinuierlich.

Schaute ein 14- bis 19-Jähriger 2011 im Schnitt noch 111 Minuten am Tag, so waren es 2013 nur noch 92 Minuten. Ähnlich sieht es bei den 20- bis 29- und 30- bis 49-Jährigen aus, wenn diese auch noch heute wesentlich mehr in die Röhre schauen als der Nachwuchs. Wer viel Zeit im Internet verbringt, der braucht kein TV mehr. Nur die Altersgruppe 50+ bleibt beim gewohnten Fernsehkonsum von über 5 Stunden am Tag.

Dennoch boomen für das Fernsehen produzierte Filme und TV-Serien. "Breaking Bad", "House of Cards" oder die moderne Interpretation von Sherlock heimsen in steter Folge Preise ein und brechen Quotenrekorde. Fernsehen ist also nicht out – die jüngeren Generationen möchten nur nicht mehr zu bestimmten Zeiten vor dem Fernseher sitzen müssen und ein starres Programm vorgesetzt bekommen: Video-on-Demand-Dienste wie Maxdome, Watchever oder Amazons Prime Video boomen daher.

Netflix startet in Deutschland

Als letzter großer internationaler Anbieter startete im September Netflix [2] auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit über 50 Millionen zahlenden Kunden weltweit (Juli 2014) positioniert sich Netflix als Marktführer unter den VoD-Anbietern und besitzt inzwischen so viel Marktmacht, dass es eigene Serien und Filme produziert. Bislang leisteten sich nur Studios oder Pay-TV-Sender wie HBO diesen teuren, aber bei Erfolg sehr ertragreichen Spaß.

Wie bei der Konkurrenz üblich, bietet auch Netflix eine einmonatige Testphase an. Während dieser dürfen Sie den Dienst auf Herz und Nieren prüfen. Allerdings sollten Sie nicht vergessen, rechtzeitig zu kündigen, sonst läuft das Abo weiter – Sie können es allerdings monatlich kündigen. Das Basisangebot mit Zugang über lediglich ein Gerät kostet 7,99 Euro im Monat. Legen Sie einen Euro drauf, bekommen Sie Netflix auf zwei Geräte sowie hochauflösende HD-Streams. Für 11,99 Euro im Monat erlaubt Netflix dann den Zugang über vier Geräte, sodass auch Familien den Dienst ohne Gerangel nutzen können.

Mit einem modernen Smart-TV rufen Sie Netflix direkt aus den TV-Apps heraus auf. Besitzen Sie noch einen älteren Fernseher, rüsten Sie diesen kostengünstig mit einem Chromecast-Dongle [3] auf. Zusammen mit einem Smartphone oder Tablet unter Android sowie der entsprechenden Netflix-App [4] verleihen Sie dem TV-Gerät die benötigte Intelligenz. Auch Watchever und Maxdome bietet Chromecast-fähige Apps. Nur für Amazons Prime-Video-Angebot braucht es Amazons hauseigene Streaming-Lösung Amazon Fire TV [5].

VoD heißt Silverlight

Was geschieht nun aber, will man einen der Filme auf einem Linux-PC abspielen? Auf den ersten Blick enttäuscht Netflix genauso wie Watchever, Amazon oder Maxdome: Klicken Sie in Firefox, Chromium oder Opera bei einem der Netflix-Filme auf Play, dann liefert der Videodienst stattdessen eine Seite mit den Systemvoraussetzungen aus (Abbildung 1) – Linux bleibt hier außen vor.

Abbildung 1: Mit einem Linux-Browser meldet Netflix nur, dass der Rechner nicht den Systemanforderungen entspricht.

Mogeln Sie Netflix per User-Agent-Switcher einen Firefox-Browser unter Windows vor, dann kommen Sie zwar einen Schritt weiter. Allerdings verlangt Netflix nun das Installieren des Silverlight-Plugins (Abbildung 2), obwohl in den Netflix-Einstellungen von Haus aus der HTML5-Player aktiviert ist. Unter Linux kommen Sie diesem Wunsch mit Firefox und Pipelight nach [6]. Allerdings gibt es auch einen Weg, Netflix ohne Pipelight beizukommen.

Abbildung 2: Täuscht man per User-Agent-Switcher einen Windows-Firefox vor, dann verlangt Netflix nach Silverlight.

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