AA_123RF-12491438-Timea_Cseke-123RF.jpg

© Timea Cseke, 123RF

Bessere Schriften ohne grünes Antialiasing

Marsmännchen

Die Darstellung von Schriften überzeugt in Arch Linux out-of-the-box nur wenig. Per Patch lässt sich besseres Antialiasing nachrüsten. Dabei gilt es jedoch, ein paar Fallstricke zu beachten.

Wer bereits Erfahrungen mit etablierten Distributionen wie Ubuntu oder Fedora gesammelt hat und zum ersten Mal Arch Linux installiert, der stört sich mit Sicherheit anfangs an der verbesserungswürdigen Darstellung von Schriften auf dem Bildschirm. Die Fonts erscheinen dünn und abgemagert, es fehlt an einer ordentlichen Kantenglättung, Antialiasing und feinem Subpixel-Rendering.

Ubuntu und die meisten anderen Distributoren sorgen mit eigenhändigen Patches an der für die Schriftdarstellung verantwortlichen Bibliothek Freetype [1] beziehungsweise durch Implementation bestehender Verbesserungen wie Infinality [2] schon von Haus aus für ein besseres Schriftbild – allerdings zu Lasten von Problemen in manchen Anwendungen.

Freetype selber verzichtet (zum Teil aus lizenzrechtlichen Gründen) darauf, diese Patches in den eigenen Code zu übernehmen. Und da Arch ungern am Upstream-Code herumdoktert, muss der Anwender eben eigenhändig für ein besseres Schriftbild sorgen. Die Arch-Community macht diese Aufgabe mit entsprechend vorbereiteten Paketen und AUR-Einträgen leicht. Zudem finden sich im Arch-Wiki ausführliche Tipps und Hinweise für die Installation der Infinality- und Ubuntu-Patches auf dem System [3].

Fontrendering

Für Einsteiger stellt sich nun aber die Frage, welcher Patch auf den Rechner gehört. Aufgrund der sehr gut gelungenen Darstellung sollten Sie mit den Infinality-Patches beginnen. Infinality zeichnet sehr saubere Schriften auf den Bildschirm und lässt sich als Binärpaket auch sehr einfach mittels einer zusätzlichen Paketquelle installieren, ohne zwingend das AUR bemühen zu müssen. Das Arch-Wiki beschreibt die Installation ausführlich [4], wenn auch nur in Englisch.

Die mit den Ubuntu-Patches bestückte Freetype-Bibliothek [5] bekommen Sie nur via AUR (Listing 1). Die Wahl des AUR-Helpers liegt bei Ihnen, wir nutzen in unserer Arch-Ecke Pacaur [6]. Versuchen Sie die Pakete über die Infinality-Patches zu installieren, dann wirft die Paketverwaltung die Alternative automatisch vom Rechner, sodass Konflikte unterbleiben. Abbildung 1 stellt die Vorher/Nachher-Schriftdarstellung innerhalb des Chrome-Browsers gegenüber, Abbildung 2 die in einem Gnome-Terminal.

Listing 1

$ pacaur -S freetype2-ubuntu fontconfig-ubuntu cairo-ubuntu

Damit sämtliche Anwendungen und die Desktop-Umgebung die Einstellungen übernehmen, loggen Sie sich nach dem Umstellen des Renderings am besten einmal aus und melden sich wieder neu an. Ein Neustart des Rechners ist nicht nötig.

Abbildung 1: Das Fontrendering von Arch im Original und mit Patches von Infinality und Ubuntu im Vergleich.
Abbildung 2: Die Unterschiede im Antialiasing treten besonders im Browser und Terminal hervor.

Grünliches Antialiasing

In das Fontrendering der grafischen Umgebung einzugreifen, birgt jedoch ein gewisses Risiko: Sollten alle Stricke reißen, stehen Sie ohne eine GUI da. Merken Sie sich daher den Wiki-Artikel zum Fontrendering [3]. In diesem finden Sie nützliche Hinweise bei Fehlern – und vor allen Dingen auch das Kommando, um wieder zum originalen Fontrendering von Arch zu wechseln (Listing 2).

Listing 2

$ sudo pacman -S --asdeps freetype2 cairo fontconfig

Aber nicht nur die gesamte Desktop-Umgebung lässt sich mit dem falschen Fontrendering aus dem Tritt bringen, auch in einzelnen Anwendungen treten eventuell Probleme auf. Besonders ärgerlich zeigt sich das bei Gimp 2.8. Hier verursacht der Infinality-Patch einen grünlich glühenden Rand um Schriften, der dann auch mit in gespeicherte Grafiken wandert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Antialiasing mittels Infinality-Patches erzeugt in Gimp ein grünlich eingefärbtes Schriftbild.

Zur Lösung des Problems werfen Sie die Infinality-Patches vom Rechner und weichen auf das Ubuntu-Fontrendering aus – oder Sie deaktivieren das Subpixel-Rendering gezielt für Gimp. Bearbeiten Sie für Letzteres entweder mit einem mit Root-Rechten gestarteten Editor global die /etc/gimp/2.0/fonts.conf oder editieren Sie die ~/.gimp-2.8/fonts.conf eines Benutzers. In beiden Fällen fügen Sie den Inhalt aus Listing 3 ein.

Listing 3

<fontconfig>
  <match target="font">
    <edit name="rgba" mode="assign">
      <const>none</const>
    </edit>
  </match>
</fontconfig>

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Guten Appetit
    Als Rolling-Release-Distribution steht Arch Linux vor der Herausforderung, täglich neue Anwendungen und Updates verwalten zu müssen. Der Arch-Paketmanager Pacman stemmt die Arbeit ohne Murren und Knurren. Den offiziellen Paketquellen steht das Arch User Repository zur Seite.
  • Fundamental
    Arch Linux versorgt den Anwender stetig mit den neuesten Errungenschaften der Open-Source-Welt. Dass das System dabei dennoch stabil bleibt, spricht für das ausgeklügelte Paketmanagement.
  • Schriften in Gnome
    Computer setzen trotz grafischer Benutzeroberflächen auf Schrift. Linux leidet bei der Textanzeige noch an historischen Krankheiten, befindet sich aber auf dem Weg der Besserung. Dieser Artikel erklärt, wie Fontconfig, X und Gnome dafür zusammenarbeiten.
  • K-splitter
    Wer sagt, dass Klatsch und Tratsch in einer Linuxzeitschrift keinen Platz haben? K-splitter plaudert Monat für Monat aus dem KDE-Nähkästchen, posaunt Neuigkeiten aus der K-Welt aus und schaut hin und wieder neugierig hinter die Kulissen.
  • Grub 2 an Bord

    Die Desktop-Distribution Fuduntu ist in Version 2012.3 mit aktualisierter Software erhältlich.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2017: Daten retten & sichern

Digitale Ausgabe: Preis € 8,50
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 2 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...