KaOS 2014.08 auf dem Prüfstand

Ganz ohne Chaos

Mit KaOS lässt sich KDE entspannt genießen – sofern Sie einige kleine Einschränkungen akzeptieren.

Viele Distributionen wollen dem Anwender eine möglichst große Vielfalt an Desktop-Umgebungen anbieten und belassen diese dabei oft im Upstream-Zustand, also so, wie deren Entwickler sie ausliefern. Konfiguration und Anpassung des Desktops obliegt dann oft dem Endanwender. Die im Frühjahr 2013 gestartete Distribution KaOS [1] will dagegen nur das eine: den bestmöglichen KDE-Desktop ausliefern.

Die weiteren Zutaten und Entwicklungsmaximen ordnen sich diesem Ziel unter und entstammen den verschiedensten Quellen. So stammt der Paketmanager Pacman [2] aus dem Fundus von Arch Linux, der grafische Installer Thus kommt von Manjaro [3]. Das KaOS-Projekt selbst entwickelt keine Anwendungen, sondern wählt aus dem vorhandenen Pool die jeweils besten Pakete für den jeweiligen Einsatzzweck aus.

Mit Pragmatismus zum Ziel

Um zu einem kontrollierbaren Ergebnis zu kommen, bauen die Entwickler alle Pakete selbst und bieten diese in einem Rolling Release [4] an. Hat sich der Quellcode eines Pakets längere Zeit nicht geändert, paketiert das Projekt es trotzdem neu, um das bestmögliche Zusammenspiel mit anderen aktualisierten Komponenten zu gewährleisten. Dabei ist und bleibt KDE die einzige Konstante. Alles andere steht ständig auf dem Prüfstand – taucht eine bessere Alternative auf, so wird diese benutzt.

Dieses pragmatische Vorgehen fördert zwar die Zielsetzung des bestmöglichen KDE-Desktops, bedingt jedoch auch Einschränkungen. So liegt KaOS ausschließlich als 64-Bit-Version vor. Das Bauen aller Pakete für KaOS auf zwei Architekturen erscheint den Machern angesichts der Tatsache, dass es seit gut zehn Jahren 64-Bit-CPUs gibt, als nicht zu rechtfertigender Aufwand. Jede Software, die solche grundlegenden Verbesserungen der Hardware für eine so lange Zeitspanne ignoriert, erfüllt nicht den Qualitätsstandard, den sich KaOS selbst setzt. Damit fallen allerdings auch Programme wie etwa Skype, Wine oder Steam im KaOS-Repository flach.

Zwar liegt der Fokus der Distribution auf KDE, dennoch finden sich einige wenige GTK+-Programme im Software-Fundus. Dabei handelt es sich um solche, für die es keine wirklich akzeptablen Qt-Pendants gibt. So bringt KaOS neben Inkscape und Ardour auch den optional installierbaren Browser Chrome mit.

Evolution durch Auslese

Derzeit besteht KaOS aus rund 2050 Paketen, wobei die Entwickler anstreben, für jeden Einsatzzweck fünf bis sechs Alternativen anzubieten. Die Repositories teilen sich dabei in die drei Bereiche Core, Main und Apps auf.

Core umfasst die grundlegenden Pakete für den Start des Systems. Dazu zählen unter anderem der Kernel, der Systemverwaltungsdienst Systemd, die Toolchain [5] zum Bauen der Pakete sowie grundlegende Kommandozeilenprogramme. Dieses Repository aktualisieren die Entwickler nur sehr behutsam, da hier auftretende Fehler die Stabilität des Systems gefährden würden.

Main beherbergt alle benötigten Bibliotheken und zusätzlichen Treiber zum Start des Desktops und der Programme. Dieser Teil des Archivs erfährt recht zeitnahe Aktualisierungen, wobei die Entwickler einige als fehleranfällig bekannte Bibliotheken erst dann updaten, wenn positive Rückmeldungen der Anwender vorliegen.

Die Masse an Anwenderprogrammen inklusive KDE liegt in der Abteilung Apps. Diese Pakete aktualisiert das Projekt nach einer kurzen Testphase laufend, es sei denn, die neuen Versionen hängen von noch nicht verfügbaren Paketen in Core oder Main ab.

Zwei weitere Archive, die in der Standardkonfiguration des Paketmanagers Pacman allerdings durch Abwesenheit glänzen, Build und KDE-Next. Ersteres dient lediglich als Sammelbecken zum Testen neuer, neu gebauter oder aktualisierter Pakete, bevor diese in die jeweiligen Software-Quellen umziehen. In Letzterem sammeln, bauen und testen die Entwickler derzeit Pakete für die fünfte KDE-Generation.

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