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© Alex_Bramwell, 123RF

Budgie Desktop und Evolve OS

Schlichte Eleganz

Ein einfacher Desktop braucht nicht auf einer abseitigen Grundlage zu stehen. Budgie bedient sich aus der Gnome-Welt und bringt trotzdem nur wenig auf die Waage.

Ein einfaches Panel, ein traditionelles Layout, aber das Ganze mit einem modernen Anstrich, so hat der Entwickler Ikey Doherty seinen Ansatz einmal in einem Interview charakterisiert [1]. Heraus kam dabei Budgie (Abbildung 1) als Aufsatz für Evolve OS [2]. Der Desktop koppelt sich eng an Gnome 3 und verdankt seine Existenz der Tatsache, dass Doherty die Ansicht vertrat, es wäre mit modernen Mitteln möglich, eine schlanke Oberfläche zu erstellen.

Abbildung 1: Als zentrales Bedienfeld dient im Budgie-Desktop das Panel, das schlicht und schlank daherkommt.

Der Intel-Mitarbeiter hatte bereits das Projekt SolusOS [3] ins Leben gerufen, es aber 2013 mangels Helfern eingestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht erfolgreich war, im Gegenteil: Viele Nutzer, denen Debian Stable zu altbacken war, freuten sich über den für Einsteiger geeigneten Ansatz, ein Debian-System mit aktueller Software aus Backports und Eigenentwicklungen zu nutzen.

Wie das Betriebssystem Maui [4] und der Desktop Hawaii (siehe dazu den entsprechenden Artikel in dieser Ausgabe) gehören Evolve OS und Budgie zusammen. Aber ähnlich wie bei Hawaii erlaubt es Budgie, den Aufsatz mit anderen Betriebssystemen zu kombinieren.

Als Grundlage für Budgie dient die Gnome-Bibliothek Libmutter. Derzeit liegt Evolve OS als zweite Alpha-Version vor, Budgie in Version 5.1. Als Ziel gibt das Projekt an, ein reines Desktop-System zu schaffen, das dem Anwender nicht im Weg steht. Die Administration folgt ebenfalls klaren Linien, was den Umgang wieder vereinfacht. Daneben steht der unkomplizierte Betrieb von Multimedia-Software im Fokus sowie die einfache Installation proprietärer Treiber, wobei die Entwickler die freien Varianten empfehlen.

Zweiter Versuch

Dohertys neuer Ansatz mit Evolve OS und Budgie trägt der Tatsache Rechnung, dass selbst ein Projekt mit vielen Anwendern, im SolusOS-Forum waren am Ende über 2000 Anwender registriert, nicht zwangsweise genügend Entwickler hervorbringt. Die von Grund auf neu entwickelte Distribution verwendet als Paketmanager, wie zuvor SolusOS, Pisi [5], der aus der türkischen Distribution Pardus stammt. Das erleichtert Entwicklern das Verteilen und normalen Anwendern das Verwalten der Pakete.

Doherty meint, er könne das gesamte System samt Desktop notfalls alleine betreuen. Dazu versucht er, möglichst viele Dinge zu vereinfachen. So schrieb er in den letzten Monaten Budgie in der Programmiersprache Vala [6] von Grund auf neu, deren Syntax sich stark an die von C# anlehnt. Das solle die Pflege des Codes vereinfachen und gleichzeitig interessierten Entwicklern den Einstieg erleichtern.

Budgie existiert nicht nur als Aufsatz für Evolve OS, sondern liegt zusätzlich als Paket in einem PPA für Ubuntu [7], im AUR von Arch Linux [8] und im Open Build Service für OpenSuse und Fedora [9]. Den aktuellen Stand der Entwicklung erhalten Sie, indem Sie Evolve OS direkt nach der Installation noch einmal aktualisieren.

Setup

Offiziell bietet das Projekt Evolve OS als Alpha 3 an [10], allerdings finden sich dort fast tagesaktuelle Images [11]. Nach dem Start der Live-Distribution finden Sie im Panel unter anderem einen einfach zu bedienenden Installer, der das System auf die Festplatte bannt.

Im Test fielen während des Setups nur zwei Punkte negativ auf: Das einzig einzugebende Passwort muss acht Zeichen lang sein, ohne dass das System darauf hinweist. Hier versprach der Entwickler allerdings ebenso nachzubessern, wie bei der Tatsache, dass das Setup den Eintrag für das deutsche Tastaturlayout nicht übernimmt. Das holen Sie bei Bedarf in den Einstellungen unter Keyboard nach (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Dialog Settings erreichen Sie die Konfiguration der Grundeinstellungen, unterer anderem die des Keyboard-Layouts.

Nach dem ersten Login über den Display-Manager LightDM erwartet Sie ein einfach gehaltener Desktop. Das einzige sichtbare Bedienelement links unten öffnet das Panel, über das Sie Budgie steuern. Der Desktop verrät einen ästhetischen Anspruch, der in seiner Schlichtheit ein wenig an Ash [12] aus Googles Chrome OS erinnert.

Um das System auf den neuesten Stand zu bringen, öffnen Sie über Hilfsprogramme | Terminal eine Shell. Da das Setup während der Installation keinen User root anlegt, ergibt sich daraus für das Administrieren, dass das System mit Sudo arbeitet.

Um die Paketquellen zu aktualisieren, tippen Sie daher sudo pisi ur (Abbildung 3), was unter Debian einem apt-get update entspricht. Anschließend zeigt sudo pisi lu, für welche Pakete Aktualisierungen vorliegen. Um deren Update anzustoßen, reicht die Eingabe von sudo pisi up. Die Tabelle "Wichtige Pisi-Befehle" liefert eine kompakte Referenz der gängigsten Kommandos; weitere finden Sie im Evolve-Forum [13].

Abbildung 3: Das aus dem Pardus-Projekt stammende Paketmanagement Pisi übernimmt das Verwalten der Software auf dem System.

Wichtige Pisi-Befehle

Befehl Bedeutung
sudo pisi ur Aktualisieren der Paketinformationen
sudo pisi lu Anzeige der aktualisierbaren Pakete
sudu pisi up Systems aktualisieren
sudo pisi it Paket Paket installieren
sudo pisi rm Paket Paket deinstallieren
sudo pisi sr Paket Nach Paket suchen
sudo pisi check Paket Integrität von Paket prüfen
sudo pisi info Paket Info und Abhängigkeiten zu Paket anzeigen

Im Test lud das System unter anderem neben den neuesten Budgie-Paketen und Gnome 3.12.2 (Abbildung 4) zusätzlich einen neuen Kernel in Version 3.15.6, X.org 1.16 und Systemd 206 ins System. Das erlaubt es, die Logs von X.org in das Journal von Systemd einzubinden. Für September planen die Entwickler die Integration von Gnome 3.14; damit wäre Budgie vermutlich vollständig kompatibel mit Wayland.

Abbildung 4: Ein Blick ins Innere offenbart Budgies Wurzeln: Gnome 3.12.2 dient als solider Unterbau.

Beim Stöbern im Menü fällt die enge Beziehung zu Gnome 3 auf, von dem viele Pakete stammen. Diese haben die Developer für Evolve OS neu gepackt und daraus die Basis des Repository entwickelt, das einmal einen Satz der gebräuchlichsten Programme enthalten soll. Darüber hinaus steht auf der Liste der Aufgaben, ein Archiv ähnlich Ubuntus PPA oder dem Arch User Repository, in dem Anwender Pakete pflegen und der Gemeinschaft bereitstellen.

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