Desktop-Umgebung Hawaii vereint moderne Komponenten

Glasklare Glaskugel

In der virtuellen Maschine gehen Sie auf eine gefahrlose Reise in die Zukunft des Desktops unter Linux mit dem Gespann Hawaii und Maui.

Die Namen "Maui" und "Hawaii" beschwören verlockende Bilder von endlosen Stränden und glühenden Sonnenuntergängen herauf. Was die glasklare Sicht angeht, hält der moderne Desktop gleichen Namens da locker mit. Das Vergnügen ist in diesem Fall allerdings komplett digital.

Hawaii vereint in sich viele Komponenten, die die Zukunft auf dem Linux-Desktop formen: Die Integration von Wayland [1] gehörte von Beginn an zu den Entwicklungszielen, ebenso wie Qt, das in der derzeit aktuellen Version 5 zum Einsatz kommt. Das Anwenden von Qt-Quick [2] und QML zum Gestalten folgt daraus wie von selbst. Die gerade frisch veröffentlichte fünfte Inkarnation von KDE bedient sich ebenfalls dieser Mittel.

Frühe Phase

Sowohl Maui als auch der dazugehörende Desktop Hawaii befinden sich in einer frühen Entwicklungsphase. Die Weiterentwicklung geht derzeit recht behäbig voran. Anders formuliert, handelt es sich genau genommen eher um eine Umgebung für den Entwickler zum Testen neuer Entwicklungen und weniger um ein Projekt mit dem Ziel, die Linux-Infrastruktur zu bereichern.

Zum Testen reicht eine virtuelle Maschine wie Virtualbox oder Qemu in diesem Fall nicht aus. Diese arbeiten noch nicht mit dem neuen Protokoll Wayland zusammen, das in den Startlöchern steht, um das ältere Display-Server-Protokoll des X-Window-Systems abzulösen.

Hawaii verdankt Wayland die auffällig kristallklare Anzeige aller Elemente (Abbildung 1). Derzeit kommt als Compositor [3] der für Wayland entwickelte Weston zum Einsatz, allerdings bringt das System zusätzlich einen eigenen angepassten Compositor namens Green Island [4] mit. Somit setzt die Desktop-Umgebung als erste auf Qt als Basis, die Wayland komplett unterstützt und die erste, die einen eigenen Compositor mitbringt.

Abbildung 1: Ohne Schnickschnack dafür aber dank Wayland gestochen scharf zeigt sich der Hawaii-Desktop.

Der Entwickler integrierte darüber hinaus einen eigenen Dateimanager namens Swordfish [5]. Sie bedienen den Desktop ausschließlich über die am unteren Rand befindliche Leiste. Im Menü finden Sie neben dem Dateimanager noch den Browser Qupzilla (Abbildung 2) und den einfachen Bildbetrachter Eyesight.

Abbildung 2: Getreu dem Credo des Entwicklers kommen bei Maui ausschließlich Programme zum Einsatz, die das System nicht unmäßig belasten, etwa der Browser Qupzilla.

Ein weiterer interessanter Ansatz findet sich in der Basis des vom gleichen Entwickler konzipierten Systems Maui: Wo andere Distributionen Paketmanager einsetzen, verwendet der Entwickler OSTree [6]. Das erlaubt es, Software vorab zu kompilieren, zu bündeln und als Ganzes auszuliefern.

Arch Linux aufbauen

Die besten Möglichkeiten zum Testen bieten daher Arch Linux oder eines der Derivate Antergos [7] oder Manjaro [8]. Arch Linux gehört deshalb zur ersten Wahl, da es bei aktueller Software gleichzeitig den Betrieb mit einer minimalen Basis erlaubt. So brauchen Sie keinen X-Server oder andere Desktop-Umgebungen. Nach der Installation des Grundsystems stellen Sie zuerst auf das deutsche Tastaturlayout um (Listing 1). Danach ergänzen Sie die Datei pacman.conf um den Eintrag aus Listing 2.

Listing 1

localectl set-x11-keymap de pc105 nodeadkeys

Listing 2

[hawaii]
    Server = http://archive.maui-project.org/archlinux/$repo/os/$arch
    SigLevel = Optional TrustAll

Die Eingabe des Befehls aus Listing 3, Zeile 1 befördert die notwendigen Pakete, sowohl der Desktop-Umgebung wie von Wayland auf den Rechner. Obwohl der Test keinen X-Server voraussetzt, funktioniert Wayland nicht ohne Treiber für die Grafikkarte.

Eine Liste der verfügbaren freien Treiber gibt der Befehl aus. Haben Sie den Richtigen ermittelt, installieren Sie ihn, wie beispielhaft für ein Intel-Modell gezeigt, über einen Befehl ähnlich dem in Zeile 3. Danach starten Sie den Desktop über das Kommando in Zeile 4.

Listing 3

pacman -Syu hawaii-meta-git
pacman -Ss   xf86-video| less
pacman -S xf86-video-intel
/usr/bin/hawaii

Für mehr Komfort installieren Sie den vom Entwickler favorisierten, demnächst bei KDE SC verwendeten Login-Manager SDDM [9], den Sie mit einem AUR-Helper über die von Benutzern bereitgestellten Bauanleitungen integrieren.

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