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© Liu Feng, 123RF

Neuer Desktop: Deepin Desktop Environment

Ost-Import

Gnome verlor ab Version 3 viele Freunde, nicht zuletzt wegen seines umstrittenen Bedienkonzepts. In die Lücke stößt das ebenso elegante wie durchdachte Deepin Linux aus dem chinesischen Wuhan.

China, das traditionell offene Standards unterstützt, treibt seit Jahren mehrere innovative Projekte rund um Linux voran. Das Vorzeigeprojekt Deepin Linux (http://www.linuxdeepin.com) erschien kürzlich mit einem regelrechten Feuerwerk an Neuerungen. Insbesondere kommt Deepin 2014 mit einem ganz neuen Desktop, dem Deepin Desktop Environment (DDE), das an vielen Stellen von der Community bemängelte Defizite anderer Arbeitsoberflächen vermeidet. Der Fokus liegt dabei sowohl auf einem äußerst ästhetischen Erscheinungsbild als auch auf einer exzellenten Ergonomie.

Die unüberschaubare Vielzahl von multimedialen Programmen unter Linux veranlasste das Projekt, für das Betriebssystem eigene Multimedia-Anwendungen zu programmieren, die sich nahtlos in den Desktop einfügen. Zu guter Letzt ersetzt der sogenannte Deepin Store bei der Software-Installation das schon recht betagte grafische Synaptic. Mit all diesen Neuerungen gibt sich Deepin Linux nicht nur äußerst bedienerfreundlich, sondern entpuppt sich durch die elegante Arbeitsoberfläche auch als echter Hingucker.

Kleine Deepin-Historie

Als Hiweed Linux erblickte Deepin bereits vor rund zehn Jahren das Licht der Welt, damals als Debian-Derivat. Seitdem wechselte nicht nur der Name, sondern auch die Basis von Debian nach Ubuntu. Außerdem tauschten die Entwickler im Lauf der Zeit verschiedene Applikationen aus: So ersetzt LibreOffice heute das ursprünglich genutzte OpenOffice, Firefox tritt an die Stelle von Google Chrome, und als Standard-Mailprogramm kommt seit 2011 Thunderbird zum Einsatz. Offensichtlich waren die chinesischen Entwickler auch mit der neuerdings unter Linux zu beklagenden Zersplitterung der Desktop-Entwicklungen unzufrieden, wie die komplett neue Oberfläche DDE beweist.

Erste Einblicke

Das Projekt stellt das Ubuntu-Derivat sowohl in einer 32- als auch einer 64-Bit-Version als etwa 1,5 GByte großes ISO-Image zum Download bereit. Beide gibt es ausschließlich als multilinguale Variante, deren Installer allerdings noch kein Deutsch beherrscht. Als Ausweichoption steht jedoch neben verschiedenen europäischen Sprachen auch amerikanisches Englisch bereit.

Das System bootet ohne den Umweg über ein Grub-Menü direkt in eine sehr modern wirkende grafische Sprachauswahl. Die Distribution lädt zunächst in einen leeren Desktop mit lediglich einem einzigen Icon für die lokale Installation des Systems und der Panel-Leiste am unteren Bildschirmrand. Fahren Sie mit dem Mauszeiger in die rechte untere Bildschirmecke, öffnet sich das Konfigurationsmenü. Es erstreckt sich vertikal über den gesamten rechten Bildschirmrand und enthält alle wichtigen Einstelloptionen.

Nach einem Klick auf das Icon Install Deepin startet die Einrichtungsroutine und fragt lediglich Tastaturbelegung, Zeitzone sowie User- und Hostnamen ab. Die Angabe der gewünschten Zielpartition schließt den Dialog ab, der Installer befördert das System auf die Festplatte.

Erster Eindruck

Nach dem anschließenden Neustart über ein grafisch gestaltetes Grub-Menü, das auch zuvor installierte Betriebssysteme auflistet, gelangen Sie in einen schlicht gehaltenen Desktop mit lediglich einer Docking-Leiste am unteren Rand. Icons auf der Arbeitsoberfläche oder eine Panel-Leiste mit Menüs gibt es nicht.

Um den installierten Software-Bestand einzusehen, klicken Sie entweder auf den Starter Launcher links im Dock, oder Sie bewegen den Mauszeiger in die linke obere Bildschirmecke. In beiden Fällen erscheint eine Übersicht der wichtigsten Programme. Ein Klick auf das Kreis-Symbol mit vier darin enthaltenen kleinen Quadraten öffnet eine nach Programmgruppen geordnete Übersicht aller installierten Anwendungen. Unterhalb davon befinden sich vertikal angeordnet weitere Kreis-Symbole, die nach einem Mausklick die entsprechenden Gruppen ansteuern (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gnome recht ähnlich, jedoch eleganter und durchdachter: der Deepin-Desktop mit geöffneter Applikationsliste.

Um schnell zu den Systemeinstellungen zu gelangen, fahren Sie mit dem Mauszeiger in die rechte untere Bildschirmecke. Daraufhin erscheinen, optisch deutlich vom blauen Hintergrund der Arbeitsoberfläche abgehoben, die wichtigsten Optionen zur Systemkonfiguration (Abbildung 2), und zwar in Gestalt eines vertikal über die gesamte rechte Bildschirmseite verlaufenden Einstellungsmenüs mit verschiedenen Icons. Sobald Sie eines davon anklicken, öffnet das Tool ein Untermenü, das kontextsensitiv alle Einstellmöglichkeiten bereithält.

Abbildung 2: Bewegen Sie den Mauszeiger in die rechte untere Ecke, erscheint das Konfigurationsmenü, das alle wichtigen Settings in einer einheitlichen Oberfläche vereint.

Links neben den Konfigurationsoptionen finden Sie eine permanente, vertikale Symbolleiste, mit deren Hilfe Sie zwischen den einzelnen Untermenüs wechseln. Sobald Sie den Konfigurationsbereich mit dem Mauszeiger verlassen und in den Desktop klicken, minimiert sich das Optionsmenü wieder und gibt die Arbeitsfläche komplett frei.

Anders als der Installer, die noch kein Deutsch spricht, beherrscht der Deepin-Desktop unsere Sprache durchaus. Um die deutschen Spracheinstellungen zu aktivieren, öffnen Sie die Systemeinstellungen und navigieren dort zur Gruppe Date and Time mit dem Uhr-Symbol. Hier stellen Sie unter Language die gewünschte Sprache ein. Ein erneutes Login übernimmt die Änderung und zeigt nicht nur das System, sondern auch viele der installierten Programme mit deutscher Lokalisierung an. Bei einigen Anwendungen, beispielsweise LibreOffice, müssen Sie jedoch noch die entsprechenden Sprachdateien nachziehen.

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