Schneller, übersichtlicher Dateimanager Sunflower

Sonnen(blumen)aufgang

Der kleine, hochgradig konfigurierbare Dateimanager Sunflower glänzt mit zwei Fenstern und einfacher Bedienung. Von einer regen und aktiven Entwicklerschar getragen, zeigt das kleine, dynamische Python-Projekt bereits Erstaunliches.

Dateimanager gibt es unter Linux quasi im Dutzend billiger. Während die großen Desktopumgebungen auf Exemplare mit in der Voreinstellung nur einem Fenster setzen, geht Sunflower [1] den Weg des Klassikers Midnight Commander: Es bietet immer zwei Fenster, ergänzt durch eine kleine Reihe von Buttons am unteren Rand für oft verwendete Aktionen.

Dabei wirkt der sehr aktiv entwickelte Dateimanager, anders als seine Gegenstücke bei Gnome oder KDE, sehr schlank und agiert dementsprechend schnell. In Python implementiert, verfügt Sunflower auch über eine Schnittstelle, an der Plugins mit neuen Funktionen andocken können. Auch das Bedienkonzept unterscheidet sich von dem der Konkurrenz: Der Sonnenblumen-Dateimanager nutzt intensiv die Tastatur. Hier ähnelt er dem Midnight Commander, verfolgt dabei jedoch ganz andere und sehr effektive Konzepte.

Installation

Nur wenige Distributionen führen Sunflower bereits in ihren Paketquellen. Oft müssen Sie den Dateimanager selbst aus dem Quellcode [2] bauen oder die vom Projekt angebotenen DEB- und RPM-Pakete [3] von Hand über die Paketverwaltung einspielen. Alternativ führt die Projektseite bei Google Code für Ubuntu eine PPA-Paketquelle [4] mit der aktuellen Version. Unter Arch Linux und Gentoo vereinfachen das AUR beziehungsweise Portage die Installation.

Master and Commander

Das Hauptfenster (Abbildung 1) zeigt die beiden "Panes" genannten Bereiche, zwischen denen Sie Dateien, Verzeichnisse oder Auswahlen in beide Richtungen per Drag & Drop verschieben. Jedes Pane verwaltet, ähnlich wie in Firefox oder Chrome, mehrere Verzeichnisse in Tabs, die sich umordnen und auch zwischen den Panelen verschieben lassen.

Abbildung 1: Wie sein Vorbild Midnight Commander stellt auch Sunflower immer zwei Verzeichnisse als gegenüberliegende Fenster dar.

Am oberen Rand zeigen diese Bereiche die jeweils dargestellten Verzeichnisse sowie Informationen zum freien Speicher des Speichermediums an. Der angezeigte Pfad lässt sich für die Brotkrumen-Navigation nutzen, über die Sie schnell zu weiter unten liegenden Verzeichnissen wechseln. Die drei Schalter an den oberen rechten Fensterrändern öffnen ein Terminal mit dem aktuellen Verzeichnis, wechseln zu den zuletzt geöffneten Verzeichnissen oder öffnen zuvor mit Lesezeichen vermerkte Ordner.

Unterhalb der Panele finden sich zur Information drei Zahlenpaare: Die erste Angabe steht immer für die aktuelle Auswahl, die zweite fasst die Kennwerte aller im Verzeichnis enthaltenen Ordner und Dateien zusammen. Eine der Gruppen beschreibt die Anzahl der im Ordner vorhandenen (Unter-)Verzeichnisse, eine weitere die Anzahl der Dateien und die letzte den Umfang des Verzeichnisinhalts in MByte. Darunter finden Sie ein Eingabefeld: Es gehört zum jeweils aktiven Panel und erlaubt das Ausführen von Shell-Befehlen im Kontext des aktuellen Ordners.

Entweder über den Schalter in der Kopfzeile oder mit der Tastenkombination [Strg]+[Z] öffnen Sie den gerade aktiven Ordner im Terminal (Abbildung 2). Mit [Strg]+[D] beenden Sie das Terminalfenster wieder, mit [Strg]+[W] schließen Sie gleich den kompletten Tab – egal, ob er nun ein Terminal oder die Dateiliste eines Verzeichnisses beinhaltet.

Abbildung 2: Per Mausklick oder Tastenkürzel öffnen Sie innerhalb des Dateimanagers ein Terminalfenster mit dem gerade aktiven Verzeichnis.

Sunflower zeigt Dateien und Verzeichnisse immer als eine in Spalten sortierte Liste an, zusammen mit den wichtigsten Informationen wie den Dateirechten, dem Datum der letzten Änderung und der Größe. Nach jedem dieser Kriterien lässt sich die Dateiliste bei Bedarf auch sortieren. Wollen Sie also die zuletzt veränderten Dateien immer an erster Stelle sehen, klicken Sie auf das Datumsfeld, Gleiches gilt für die Dateigröße oder die Dateitypen.

Sunflower speichert den aktuellen Zustand – so auch die in den einzelnen Panels angezeigten Verzeichnisse – in Form einer Sitzung, sodass der Dateimanager alle geöffneten Tabs auch nach dem Beenden oder einem Neustart des Systems wiederherstellt. Sunflower beschränkt sich jedoch nicht nur auf den aktuellen Status: Aktivieren Sie unter Bearbeiten | Einstellungen | Plugins das Sessions-Plugin, dürfen Sie jederzeit weitere Sessions unter Bearbeiten | Einstellungen | Sitzungen abspeichern.

Per Tastenkürzel schnell am Ziel

Wer gewohnheitsmäßig mit dem Midnight Commander arbeitet, greift für viele Aktionen automatisch zu Tastenkommandos. Auch Sunflower lässt sich bei Bedarf komplett mausfrei über die Tastatur bedienen. Die einzelnen Tastenkürzel sind nicht in Stein gemeißelt: Unter Bearbeiten | Einstellungen | Tastenbelegungen ändern Sie bei Bedarf die Belegung ganz nach Geschmack.

Dateioperationen wie das Kopieren, Umbenennen oder Verschieben von Dateien und Verzeichnissen dürfen sich in Sunflower auch auf eine ganze Gruppe von ausgewählten Dateien beziehen. Die Auswahl dazu können Sie auf ganz unterschiedliche Weise treffen: So lässt sich beispielsweise anhand der Dateierweiterung ein kompletter Dateityp auswählen oder eine Auswahl anhand von Namensmustern treffen.

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