Bildbearbeitung

Neben dem Verwalten spielt das Bearbeiten der Bilder eine ebenso wichtige Rolle. Während Lightroom durch verschiedene Modi (Bibliothek und Entwickeln) hier strikt zwischen dem Verwalten und Bearbeiten trennt, gestalten sich die Grenzen in AfterShot Pro 2 eher fließend: Jede Ansicht erlaubt auch das Modifizieren der angezeigten Bilder. Beide Systeme bringen eine Fülle an Tools zum nachträglichen Bearbeiten der Bilder mit, die in vielen Fällen den Griff zu speziellen Bildbearbeitungsprogrammen wie Gimp überflüssig machen. Die neue Version erlaubt Ihnen über einen Klick auf den Button Alles zurücksetzen, alle Änderungen am Bild mit einem Schlag rückgängig zu machen.

Um einen Vorher/Nachher-Vergleich zwischen der Original-Aufnahmen und dem geänderten Bild zu bekommen, erstellen Sie über Bearbeiten | Version weitere Versionen Ihrer Aufnahme, AfterShot dupliziert dabei lediglich den Eintrag in der Datenbank. Jede Version lässt sich dann unabhängig vom Masterbild bearbeiten und in der Mehrfachansicht auch nebeneinanderstellen. Dazu wählen Sie mit gedrücktem [Strg] die gewünschten Versionen oder Bilder aus und aktivieren unter Anzeige | Mehrfachansicht umschalten oder durch einen Druck auf [M] die Mehrfachansicht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mithilfe der Versionsverwaltung und der Mehrfachansicht stellen Sie überarbeitete Bilder dem Original gegenüber.

AfterShot Pro bringt als Besonderheit vorinstalliert Perfectly Clear [5] mit, ein Bildbearbeitungsmodul, das Fotos von trüben Grauschleiern befreit und die Farben deutlich satter wirken lässt (Abbildung 4). Allerdings handelt es sich um eine abgespeckte Version mit wenig Einstellungsmöglichkeiten – als Modul für Adobe Lightroom kostet Perfectly Clear stolze 145 Euro. Bei der Arbeit mit dieser Funktion gilt es zu beachten, dass sie manuelle Änderungen beispielsweise an Helligkeit oder Kontrast automatisch nachregelt und damit erheblich abschwächt.

Abbildung 4: Der Perfectly-Clear-Filter entfernt Grauschleier von schlecht belichteten Aufnahmen und betont die Farben.

Als Neuerung von AfterShot Pro 2 präsentiert Corel eine Rauschunterdrückung aus derselben Softwareschmiede. Sie finden die Funktion im Reiter Detail unter Perfectly Clear Rauschunterdrückung. Der Filter schafft es tatsächlich, das besonders bei hohen ISO-Werten auftretende Rauschen zu entfernen. Allerdings zeigen sich bei aktivierter Rauschunterdrückung in den Bildern einer Canon EOS 100D und auch anderen Kameras deutliche Artefakte im entwickelten Bild, die auch in der exportierten Aufnahme noch vorhanden waren (Abbildung 5). Unter Tonwert | Lokaler Kontrast aktivieren finden Sie einen weiteren neuen Filter, der das Aussehen von Aufnahmen mit einem Hochleistungsobjektiv nachstellt. Durch die Betonung der Textur und räumlichen Struktur eines Fotos heben Sie Objekte in einem Bild hervor.

Abbildung 5: In Aufnahmen von Nikon- und Canon-Kameras treten mit aktiver Perfectly-Clear-Rauschunterdrückung Artefakte hervor.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal bringt die Corel-Software mit der Ebenenfunktion mit. Sie erreichen das Werkzeug mit einem Klick auf das angedeutete Blatt links neben Hauptebene in der rechten Spalte (Abbildung 6). Ähnlich wie bei Photoshop und Gimp legen Sie damit Layer an, die es erlauben, bestimmte Bildpartien getrennt voneinander zu bearbeiten. Zum Auswählen der fraglichen Bereiche stellt AfterShot Pro 2 unter anderem eine sogenannte Pinselregion sowie eine Polygonregion bereit. Auch Lightroom verfügt über ähnliche Reparaturwerkzeuge, jedoch ohne die Layer, die das Nachbearbeiten viel flexibler gestalten.

Abbildung 6: Filter lassen sich mit dem Ebenen-Modell von AfterShot Pro 2 auch auf ausgewählte Bildauschnitte begrenzen.

Eine weitere sinnvolle Option zum Nachbearbeiten von Bildern stellt die Objektivkorrektur dar. Mit deren Hilfe entfernen Sie beispielsweise Verzerrungen, Randabschattungen oder bunte Farbsäume an Kanten. Sowohl Lightroom als auch AfterShot Pro 2 bieten eine automatische Objektivkorrektur, die sich an den EXIF-Daten der jeweiligen Aufnahme orientiert. Befindet sich das verwendete Objektiv in der Datenbank, wendet das Programm dessen Korrekturwerte automatisch auf die Bilder an. Hier beeindruckt AfterShot Pro mit der Fülle an unterstützten Objektiven, die auch Produkte von Herstellern wie Tamron, Sigma oder Tokina umfassend berücksichtigen.

Vor allem, wenn es darum geht, mehrere Bilder einer Serie nachzubearbeiten, bietet das Kopieren von Einstellungen eine wertvolle Hilfe. Unter AfterShot Pro genügt es dafür, die Einstellungen des bearbeiteten Referenzbilds via [Strg]+[C] in die Zwischenablage zu kopieren und mittels [Strg]+[V] auf die gewünschten Bilder zu übertragen. Um nur ausgewählte Einstellungen zwischenzuspeichern, markieren Sie das Referenzbild mit [Strg]+[Umschalt]+[C]. Daraufhin öffnet sich ein Dialog, in dem Sie die zu übernehmenden Werte festlegen.

Hier zeigt sich eine ausgewiesene Stärke der Corel-Software, die beinahe komplett ein Steuern mittels Tastatur ermöglicht. Unter Datei | Einstellungen... | Tastatur stellen Sie sämtliche Kürzel und Kombinationen dazu ein. Sowohl Lightroom als auch AfterShot Pro protokollieren jeden Arbeitsschritt und erlauben es damit, jeden davon zu einem beliebigen Zeitpunkt rückgängig zu machen. Während Lightroom die Historie permanent im linken Fensterbereich einblendet, zeigt AfterShot den Verlauf erst mit [Strg]+[Umschalt]+[H] an.

Export

Als letzter Arbeitsschritt im Umgang mit RAW-Dateien steht der Export der Bilder in allgemein kompatible Bildformate an, etwa JPEG oder TIFF. AfterShot Pro macht dem Anwender das Leben in dieser Hinsicht sehr leicht: Hier genügt es, die gewünschten Bilder zum Entwickeln mittels Drag & Drop in einen Eintrag in der Rubrik Stapelverarbeitung zu ziehen. Hier legen Sie bei Bedarf beliebige eigene Einträge an, denen Sie die gewünschten Entwicklungsparameter zuordnen (Abbildung 7). Unter anderem lassen sich in der Stapelverarbeitung zusätzliche Schlagwörter zuweisen, die Bilder in Größe und Auflösung verändern sowie zusätzlich Filter darauf anwenden.

Abbildung 7: AfterShot Pro 2 erleichtert den Export größerer Bildersammlungen mithilfe einer Stapelverarbeitung.

Hier steht Adobes Software jener von Corel allerdings in nichts nach und bietet darüber hinaus diverse Online-Dienste als Exportziel an, wie etwa Facebook, Flickr oder SmugMug. Eine ähnliche Funktion versprach Corel schon als Update der ersten Version nachzuliefern, aber auch AfterShot Pro 2 kennt direkten Export ins Internet noch nicht. Als Exportformate unterstützen sowohl Lightroom als auch AfterShot Pro JPEG und TIFF, Adobes Bildbearbeiter offeriert darüber hinaus die eigenen Formate DNG und PSD.

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