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Mit Texstudio komfortabel LaTeX-Dokumente erstellen

Einfacher Zugang

Mit Texstudio fällt der Einstieg in LaTeX kinderleicht. Integrierte Vorschau und Debugging-Features erleichtern aber selbst Profis die Arbeit mit dem komplexen Satzsystem.

Das Textsatzsystem LaTeX löst entweder Euphorie oder höhnisches Gelächter aus. Dazwischen aber liegt ein kleiner Bereich, in dem sich Otto Normalverbraucher tummelt, der gerne mal einen Text in richtig gutem Layout setzen möchte – eigentlich begeistert, aber nicht richtig versiert. Hier kommt Texstudio [1] ins Spiel und nimmt den Anwender mit hilfreichen Assistenten an die Hand.

Bei einem Vergleich von LaTeX-Editoren [2] zeigt sich Texstudio als eines der Programme mit den umfangreichsten Funktionen. Es liegt zudem in Versionen für Linux, Mac OS X und Windows vor. Vor Kurzem erschien die Version 2.7 des Programms. Texstudio (Abbildung 1) hieß ursprünglich TexmakerX und entstand als Fork der schon seit Langem bestehenden LaTeX-IDE Texmaker. Da die Dokumentation von Texstudio noch Lücken aufweist, lohnt es sich manchmal, in jener von Texmaker [3] zu spicken.

Abbildung 1: Die Oberfläche von Texstudio wirkt wie aus einem Guss. Sie integriert eine Reihe von externen Programmen, darunter zum Prüfen von Rechtschreibung und Grammatik.

Texstudio einrichten

Texstudio findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen, sodass Sie es meist bequem über den jeweiligen Paketmanager einspielen – allerdings oft nicht in der aktuellsten Ausgabe. Im Download-Bereich der Texstudio-Homepage auf Sourceforge finden Sie vorbereitete Binärpakete der neuesten Texstudio-Version für diverse Versionen von Arch Linux, CentOS, Debian, Fedora, OpenSuse sowie Ubuntu und dessen Derivate. Fällt die von Ihnen verwendete Distribution nicht in diese Riege, steht notgedrungen das Übersetzen aus dem Quelltext auf dem Plan. Den entsprechenden Tarball finden Sie auf der Texstudio-Hompepage sowie auf der Heft-DVD dieser Ausgabe.

Oberflächlich

Die Oberfläche besteht aus einer Reihe von Dialogen, die zusammengefasst in einem großen Hauptfenster erscheinen. Dieses Konzept verleiht der Software ein recht homogenes Aussehen, wirkt aber unter bestimmten Umständen – etwa auf kleinen Bildschirmen – schnell unübersichtlich. Neben Menü und Werkzeugleiste finden Sie im Fenster mehrere Ein- und Ausgabebereiche. Die Werkzeugleisten lassen sich mit der Maus verschieben; einzelne Menüs blenden Sie über den Konfigurationsdialog unter Menüs ein oder aus.

Als typische Qt-Anwendung stellt Texstudio fast alle Techniken des Toolkits bereit: So zeigt es Tooltipps, wenn Sie den Mauszeiger über einem Element der Oberfläche platzieren, bei Bedarf schließen Sie Fenster der Oberfläche einzeln oder verschieben deren Inhalt. Die Oberfläche erlaubt es aber nicht, Teilfenster frei zu verschieben oder abzuhängen.

TIPP

Falls Sie mit einem kleinen Bildschirm arbeiten, sollten Sie für die Ausgabe ein externes Programm verwenden. Mittels [Strg]+[Tab] wechseln Sie dann zwischen den beiden Fenstern.

Am linken Rand finden Sie vertikal eine Reihe von Symbolen, über die Sie die Funktion des entsprechenden Bereichs daneben steuern: Er zeigt die Struktur, Bookmarks oder spezielle LaTeX-Zeichen an. Allerdings kümmert sich die Software in letzterem Fall nicht darum, ob die entsprechenden Pakete und Fonts tatsächlich installiert sind. Anhand der "The Comprehensive LaTeX Symbol List" [6] finden Sie diese aber bei Bedarf heraus.

Links vom Editor residieren Schaltflächen für oft verwendete Formatierungen, wie Fettung, Kursivierung und Ausrichtung sowie für verschiedene Formeln. Ganz oben im Fensterrand erscheinen beim Suchen Schaltflächen, mit denen Sie zur nächsten oder vorigen Fundstelle im aktuellen Dokument springen.

Die Parameter des Editors stellen Sie im Menü Optionen unter Texstudio konfigurieren im Detail ein. Unter Editor legen Sie das grundlegende Verhalten fest, im Dialog Erweiterter Editor die Feinheiten, wie Breite des Tabulators, die Suchfunktion oder den automatischen Zeilenumbruch.

Unter Syntaxhervorhebungen passen Sie gegebenenfalls das Farbschema eines existierenden Modus weitgehend Ihren Ansprüchen an. Genügt das nicht, definieren Sie unter Eigene Hervorhebungen neue Modi. Fangen Sie an, einen typischen LaTeX-Befehl einzugeben, greift die automatische Vervollständigung (Abbildung 2): Sie listet die Varianten auf, die sich aus dem bisher Getippten ergeben. Das hilft nicht zuletzt Anfängern, da die Software automatisch die Syntax der Befehle anzeigt.

Abbildung 2: Das Programm versucht, LaTeX-Befehle weitgehend automatisch zu komplettieren. Dabei zeigt es die Syntax eines Kommandos an.

Unter dem Fenster mit dem Editor befindet sich ein Bereich für die Ausgaben des Compilers. Er fällt in der Regel etwas knapp aus, schließen sollten Sie ihn aber nicht: Hier erscheinen die normalerweise im Terminal ausgegebenen Meldungen, Warnungen und Rückfragen. Da Texstudio Rückfragen durch --nonstopmode unterbindet, bleiben die Meldungen und Warnungen übrig. Diese wertet das Programm soweit möglich selbst aus. Das erlaubt es, mittels [Strg]+[Pfeil-oben] sowie [Strg]+[Pfeil-unten] zum nächsten beziehungsweise vorherigen Fehler im Quelltext zu springen, um diese zu beheben.

Im Inneren

Wie schon der Texmaker ist auch Texstudio in der Lage, Dateien mit UTF-8-kodiertem Text zu verarbeiten. Zum Übersetzen steht eine ganze Reihe von LaTeX-Compilern bereit (Abbildung 3), darunter der heute häufig genutzte Xelatex. Welchen dieser Compiler Sie für Ihr Dokument tatsächlich verwenden, stellen Sie in der Konfiguration ein.

Abbildung 3: Die IDE bietet eine ganze Batterie von Compilern an, darunter Xelatex. Wie Sie die verwendete Befehlszeile modifizieren, verrät die Hilfe unter den Eingabefeldern.

Bei Bedarf passen Sie die Befehlszeile, mit der der Compiler oder andere Tools arbeiten, an Ihre Bedürfnisse an. Im entsprechenden Dialog gibt es zudem die Möglichkeit, Befehle festzulegen, die die Applikation direkt vor dem Kompilieren ausführt – etwa das Erstellen eines neuen Index oder das Bereitstellen von eingebundenen Dateien, die Sie zuvor durch Konvertieren erzeugen.

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