Waisen

Beim Deinstallieren von Applikationen bleiben oft sogenannte verwaiste Dateien zurück. Dabei handelt es sich häufig um anwendungsspezifische Bibliotheken, die als Abhängigkeiten mit eingerichtet wurden, nun aber überflüssig sind. Insbesondere, wenn Sie oft Software ausprobieren und bei Nichtgefallen wieder löschen, sammeln sich schnell zahlreiche verwaiste Dateien an.

Um diese unnützen Datenbestände zu lokalisieren und zu löschen, bieten die DEB- und RPM-basierten Distributionen mit den Kommandozeilenbefehlen deborphan und rpmorphan mächtige Werkzeuge. Für den unter Debian, Ubuntu und deren Ablegern genutzten Deborphan-Befehl gibt es mit dem optional zu installierenden Werkzeug Gtkorphan zudem eine grafische Oberfläche. Unter Fedora, OpenSuse, Mandriva, Mageia, Rosa und anderen RPM-basierten Betriebssystemen bietet der Befehl Rpmorphan mit dem Parameter -gui bereits eine grafische Oberfläche (Abbildung 4). Die hier aufgelisteten Dateien können Sie durchsehen, mit der Maus markieren und anschließend durch einen Klick auf den Schalter Remove aus dem System entfernen.

Abbildung 4: Einfach und ohne jeden überflüssigen Schnickschnack: die Oberfläche von Rpmorphan.

Unter Distributionen, die das URPM-Paketmanagementsystem verwenden, löschen Sie verwaiste Dateien mithilfe des Kommandozeilenbefehls urpme --auto-orphans. Doch Vorsicht: Das URPM-Paketmanagement zeigt vor allem nach Updates gelegentlich fehlerhafte Informationen an. Während auf unserem Beispielrechner mit Mageia 3 in der 64-Bit-Variante Rpmorphan zwölf verwaiste Dateien lokalisierte, wollte Urpme sage und schreibe 76 angeblich verwaiste Dateien entfernen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Hier heißt es aufgepasst: Urpme möchte ein wenig zu viel löschen!

Nach der Beseitigung der von Urpme als überflüssig eingestuften Dateien wäre auf dem Testsystem kein Dateimanager mehr vorhanden gewesen, multimediale Inhalte hätten sich nur noch sehr eingeschränkt wiedergeben lassen. Auf einem weiteren Testsystem mit OpenSuse 13.1 schlug Rpmorphan mehrere zentrale Programmteile von LibreOffice als "verwaist" zum Löschen vor. Daher empfiehlt es sich, die zum Entfernen vorgeschlagenen Datenbestände genau durchzusehen und im Zweifelsfall lieber eine mutmaßlich verwaiste Datei im System zu belassen.

LSO-Cookies

Ein weiteres Ärgernis, das mit der Zeit viel Speicherplatz vergeuden kann, sind die immer beliebter werdenden LSO-Cookies. Diese wegen ihrer Nähe zu Adobes Flash-Player auch als Flash-Cookies bezeichneten Dateien dienen primär dem detaillierten Protokollieren des individuellen Surfverhaltens. Im Vergleich zu herkömmlichen textbasierten Vettern fallen LSO-Cookies nicht nur erheblich größer aus, sondern bleiben auch länger im System erhalten. Zusätzlich stellen sie ein nicht unerhebliches Datenschutzproblem dar, da sie sich nur schwer manuell aus dem System entfernen lassen.

Um die neugierigen Speicherfresser loszuwerden, benötigen Sie unter Firefox lediglich das Plugin BetterPrivacy von der Mozilla-Seite [5]. Sobald Sie es installiert haben, erscheint beim Schließen des Webbrowsers ein Fenster, das nach der Vorgehensweise hinsichtlich geladener LSO-Cookies fragt. Es empfiehlt sich, im Einstellungsdialog des Plugins im Reiter Optionen**&**Hilfe den Schalter Flash Cookies beim Beenden von Firefox löschen zu aktivieren.

Als Pfadangabe für den Speicherort der LSO-Cookies geben Sie, sofern die Software den korrekten Pfad nicht automatisch erkennt, ~/.macromedia ein. Im LSO Manager des Plugins, den Sie in Firefox über das Menü Extras | Add-ons | Erweiterungen erreichen, zeigt Ihnen der Browser aktuell noch im System vorhandene LSO-Cookies in Listenform an. Unten im Einstellungsmanager finden Sie zudem eine Angabe, wie viele Flash-Cookies automatisch aus Ihrem System entfernt wurden (Abbildung 6).

Abbildung 6: Flash-Cookies müssen draußen bleiben – dank BetterPrivacy.

Da sich Flash-Cookies unabhängig vom verwendeten Webbrowser überall dort im System einnisten können, wo der Flash-Player oder eine dazu kompatible Applikation vorhanden ist, müssen Sie diese Quälgeister bei Nutzung eines anderen Webbrowsers als Firefox oder Iceweasel manuell entfernen.

Die einfachste Möglichkeit, Flash-Cookies manuell jedweden Zugang zum System zu verweigern, liegt in einer Sperrung des Speicherordners. Unter Linux landen LSO-Cookies in aller Regel im versteckten Verzeichnis ~/.macromedia/Flash_Player/#SharedObjects/. Durch Eingabe des Befehls chmod -R 400 .macromedia/ aus dem Home-Verzeichnis des angemeldeten Benutzers heraus sperren Sie den Ordner rekursiv für Speicherzugriffe. Der Flash-Player kann nun im vorgesehenen Verzeichnis keine Cookies mehr ablegen, wertvoller Speicherplatz bleibt erhalten.

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