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© alphaspirit, 123RF

Leinwandtauglich

Pipelight: Silverlight unter Linux nutzen

18.06.2014
Video-on-Demand-Dienste wie Watchever oder Sky Go fallen für Linux-User eigentlich flach. Mit dem Wine-Abkömmling Pipelight steht dem nächsten Kinoabend aber dennoch nichts im Weg.

Video-on-Demand-Dienste wie Netflix oder Hulu haben sich in den USA bereits so fest etabliert, dass sie ihre eigenen Serien exklusiv produzieren, wie etwa den Polit-Thriller House of Cards. Auch in Deutschland gehen inzwischen immer mehr Videodienste an den Start. Bei Watchever, Amazon Instant Prime Video, Maxdome und Sky Go lassen sich Tausende von Filmen und Serien gegen eine Flatrate-Gebühr von um die 10 Euro betrachten.

Eines haben alle diese Dienste gemeinsam: Sie unterstützen offiziell Linux nicht, da sie auf die Browsererweiterung Silverlight [1] setzen. Das von Microsoft entwickelte Programm gibt es nur für Windows und den Mac, die Unterstützung freier Betriebssysteme steht nicht auf dem Plan. Die einstmals gemeinsam von Microsoft von Novell entwickelte Linux-Alternative Moonlight [2] unterstützte nie dieselben DRM-Funktionen wie Silverlight und wurde inzwischen auch eingestellt.

Dennoch müssen Linux-Anwender nicht auf gemütliche Videoabende auf der Couch verzichten. Mit Pipelight [3] arbeiten für Windows gedachte Browser-Plugins – darunter Silverlight, aber auch Flash oder Shockwave – unter Linux. Dies funktioniert dank eines Windows-Programms, das mithilfe einer angepassten Version der Windows-Laufzeitumgebung Wine dem Browser-Plugin einen Windows-Browser vorgaukelt und dessen Ausgaben an den Linux-Browser durchleitet. So landen dann auch per Silverlight übertragene Videostreams, wie jene von Amazon Instant Prime Video (Abbildung 1) oder Magine TV (Abbildung 2), ohne spürbare Verzögerungen auf dem Linux-Desktop.

Abbildung 1: Video-on-Demand-Dienste wie Amazons Prime Instant Video funktionieren mit Pipelight auch unter Linux.
Abbildung 2: Auch der sehr junge und aktuell noch komplett kostenlose Online-TV-Anbieter Magine setzt auf Silverlight.

Silverlight installieren

Für Pipelight müssen Sie das Browser-Plugin mitsamt der Wine-Umgebung installieren. Die Pipelight-Entwickler geben auf der Projekt-Homepage Installationshinweise für zahlreiche Linux-Distributionen [4].

Unter Ubuntu nutzen Sie am besten entsprechend Listing 1 das Pipelight-Stable-PPA [5]. Für Debian oder Arch Linux bieten die Entwickler ebenfalls eigene Paketquellen an. Unter Fedora und OpenSuse nutzen die Pipelight-Entwickler den OpenSuse Build Service, sodass Sie auch hier Pipelight einfach installieren. Alternativ lässt es sich auch aus dem Quellcode kompilieren, wobei Sie wiederum die Pipelight-Homepage an die Hand nimmt. Aufgrund der Größe des Wine-Projekts dauert dies jedoch auch auf schnellen Rechnern geraume Weile.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:pipelight/stable
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install --install-recommends pipelight-multi
$ sudo pipelight-plugin --update

Nach dem Einrichten des Pipelight-Browser-Plugins müssen Sie noch die von Ihnen gewünschten Windows-Plugins laden. Pipelight gibt die dazu nötigen Befehle mit pipelight-plugin --help aus. Entsprechend Listing 2, Zeile 1 aktivieren Sie die aktuelle Silverlight-Version oder geben wie in Zeile 2 und 3 explizit die zu installierende Version des Browser-Plugins an.

Je nachdem, ob Sie die Befehle mit Root-Rechten oder als Benutzer ausführen, installieren Sie die Plugins systemweit für alle Anwender oder nur für den gerade angemeldeten Benutzer. Beim nächsten Start des Browsers lädt das Pipelight-Plugin dann das eigentliche Silverlight-Plugin automatisch aus dem Netz. Sind Silverlight 5.0 und 5.1 zugleich installiert, dann verwendet der Browser automatisch die neuere Version.

Listing 2

$ pipelight-plugin --enable silverlight
$ pipelight-plugin --enable silverlight5.0
$ pipelight-plugin --enable silverlight5.1

Möchten Sie ein Plugin wieder deaktivieren, dann lassen Sie sich über die Optionen --list-enabled oder --list-enabled-all die für benutzerspezifisch oder global aktivierten Plugins ausgeben. Anschließend deaktivieren diese entweder gezielt einzeln mit --disable Plugin oder alle Plugins in einem Rutsch via --disable-all (Listing 3). Für die Deinstallation global eingerichteter Plugins benötigen Sie Root-Rechte.

Listing 3

$ pipelight-plugin --list-enabled
 silverlight5.1
$ pipelight-plugin --disable silverlight5.1
 Plugin silverlight5.1 is now disabled
$ pipelight-plugin --list-enabled-all
$ pipelight-plugin --disable-all

Nach der Installation des Plugins prüfen Sie die Konfiguration der Kette Silverlight-Pipelight-Wine-Browser am besten über den Silverlight-Balls-Animation-Test [6] oder die von Microsoft bereitgestellten Smooth-Streaming-Tests. Diese zeigen, ob der Rechner schnell genug arbeitet, um auch hochauflösende 720p- [7] oder 1080p-Videos [8] ruckelfrei zu übertragen. Die Silverlight-Balls sollten um die 150 fps erreichen, die Smooth-Streaming-Demos so nah wie möglich an die optimale Bildwiederholrate von 25 fps herankommen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Für ruckelfreie Videowiedergabe sollte der Smooth-Streaming-Test eine Wiederholrate von 25 fps erreichen.

User-Agent ändern

Nach den erfolgreichen Tests müssen Sie sich eigentlich um nichts mehr kümmern. Das Pipelight-Plugin, und damit auch Silverlight, lädt automatisch, sobald eine Webseite die entsprechende Funktion anfordert und Sie den Start des Plugins erlauben. Allerdings müssen Sie Maxdome, Watchever und Konsorten noch vortäuschen, dass Sie einen Windows-Rechner nutzen. Alleine Silverlight/Pipelight als Plugin im Browser installiert zu haben, genügt nicht.

Abbildung 4: Viele Video-on-Demand-Anbieter müssen Sie durch Ändern der Browser-Kennung zur Zusammenarbeit überreden.

Dazu installieren Sie in Ihrem Webbrowsers eine Browser-Erweiterung, die dem Webserver über den User-Agent einen Rechner "mit Windows" vorspiegelt. Für Chrome und Chromium [9], Firefox [10] oder auch Opera [11] finden Sie in den jeweiligen Addon-Stores entsprechende Plugins (Abbildung 4). Mit dem Update auf Pipelight 0.2.6 ist das Ändern des User-Agents zwar nicht mehr zwingend nötig – dennoch erfordern zahlreiche der von uns getesteten Videodienste nach wie vor diesen Trick (siehe Tabelle "Video-Dienste und Pipelight"), da sie sonst ein inkompatibles Betriebssystem melden.

Video-Dienste und Pipelight

Dienst Benötigt User-Agent
Amazon Prime Instant Video Silverlight 5.1 Ja
Magine Silverlight 5.1 Nein
Maxdome Silverlight 5.1 Ja
Sky Go Silverlight 5.0 Ja
Watchever Silverlight 5.1 Nein

Den richtigen User-Agent-String müssen Sie oft nach der Versuch-und-Irrtum-Methode herausfinden. Meist hilft es, eine Browser-Kennung zu wählen, die der Windows-Version des aktuell genutzten Webbrowsers entspricht. Es hat sich aber auch bewährt, generell einen Firefox-Browser unter Windows 7 ("Windows NT 6.1") vorzugeben. Listing 4 zeigt Browser-Kennungen, die Sie von Hand in die entsprechenden User-Agent-Wechsler eintragen können. Vermeiden Sie es aber in jedem Fall, einen Internet Explorer vorzutäuschen: Bei diesem versuchen die Webserver meist Active X aufzurufen – unter Linux geraten Sie da zwangsläufig ins Rudern.

Listing 4

Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:15.0) Gecko/20120427 Firefox/15.0a1
Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:22.0) Gecko/20100101 Firefox/22.0
Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; rv:23.0) Gecko/20131011 Firefox/23.0

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