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Auf den Kopf gestellt

NixOS mit neuem Paketmanagement

18.06.2014
Bereits vor Jahren versuchte Gobolinux sich an einem neuen Ansatz zum Verwalten der Software. Die seit Kurzem verfügbare erste Version von NixOS geht einen ähnlichen Weg.

Der Inhalt eines Pakets Ihrer Distribution verteilt sich bei der Installation wie eine Schrotladung über alle erdenklichen Ordner des Systems. Warum eigentlich? Weil sich beinahe alle Distributionen an den Filesystem Hierarchy Standard (FHS) halten, der dieses Verhalten regelt. Beinahe alle, wohlgemerkt: Einige wenige, wie NixOS [1], versuchen neue Wege zu gehen und aus dem Korsett dieser Grundregel auszubrechen.

Was verbirgt sich aber hinter dem Namen? Eine nach Meinung der Entwickler auf das Wesentliche reduzierte Distribution? Eher nicht – das Sortiment der Programme weist kaum Lücken auf: Neben dem KDE SC finden sich IceWM, i3, Ratpoison und einige mehr unter den angebotenen Arbeitsumgebungen, und mit LibreOffice, Firefox oder Gimp stehen gängige Tools in aktuellen Versionen bereit. Trotzdem ist NixOS keine Universaldistribution wie viele andere.

Bereits kurz nach der Jahrtausendwende versuchte Gobolinux [2], den FHS auf den Kopf zu stellen. Dazu kopierten dessen Entwickler das Verhalten von Mac OS X, bei dem der Installer pro Paket ein Verzeichnis anlegt. Doch 2008 verfiel das Projekt in einen Dornröschenschlaf. Im Januar dieses Jahres meldete sich Gobolinux dann überraschend mit einer neuen Alpha-Version zu Wort und schaffte es bis zum 8. Mai, die finale Version 015 auszuliefern.

Für andere Distributionen wäre eine solche Strategie absolut tabu. Gemäß dem Standard verteilt sich der Inhalt eines Softwarepakets meist mehr oder weniger gleichmäßig über die Unterverzeichnisse der Systemwurzel und /usr. NixOS dagegen liefert seine Pakete so aus, dass die Dateien nach der Installation in einem einzigen Verzeichnis beieinander bleiben. Wie das funktioniert, zeigt ein Test der am 1. Mai erschienenen ersten Version 14.04.

Nichts Neues

NixOS bietet verschiedene Medien an. Die für 32 oder 64 Bit verfügbaren CD-Images passen tatsächlich noch auf eine CD, während die meisten anderen Distributionen längst auf DVDs umgestellt haben. Im Test kam die 64-Bit-Version zum Einsatz. Neben den Live-CDs gibt es eine Minimal-Installations-CD mit etwa 300 MByte Umfang sowie eine Appliance für Virtualbox, die Sie direkt in der virtuellen Maschine starten.

Als Standard-Desktop dient KDE, das aber auf einem etwas verzwickten Weg startet. Zunächst sehen Sie nur eine Befehlszeile. Hier erhalten Sie die Anweisung, sich als Root ohne Passwort anzumelden und dann den Befehl start display-manager einzugeben. Die Oberfläche startet dann prompt in der recht aktuellen Version 4.12.4. Der Desktop-Ordner fehlt in der Voreinstellung, wodurch die Arbeitsfläche ziemlich leer wirkt.

Dem für heutige Verhältnisse viel zu kleinen Image sind einige weitere Einschränkungen geschuldet. Das Live-System bietet zwar gerade noch die Möglichkeit, die deutsche Tastaturbelegung einzustellen, aber eine Lokalisierung des Desktops fehlt völlig. Ohne Englischkenntnisse kommen Sie also nicht weit.

Die Auswahl an Software bleibt im Live-Modus ebenfalls sehr eingeschränkt. Programme für den Büroalltag fehlen völlig, ebenso ein Mailclient, und als Webbrowser muss Konqueror genügen. Zum Surfen müssen Sie aber erst einmal ins Netz kommen – das KDE-interne Tool zum Konfigurieren von WLAN oder gar mobilem Breitband suchen Sie vergeblich.

Immerhin gelingt es, nachträglich im Live-Betrieb Pakete zu installieren, was einen ersten Blick auf die Paketverwaltung ermöglicht. Mit dem Befehl nix-env -qa | less sehen Sie sich zuerst die verfügbaren Pakete an. Die Installation stoßen Sie dann mit nix-env -i Paket an. Tauschen Sie den Schalter -i gegen -e aus, deinstallieren Sie das entsprechende Paket wieder.

Auf die Platte

In der Regel bietet ein Live-System eine Vorschau auf das, was das installierte System bietet. Doch einen Knopf, der den Installer startet, suchen Sie vergeblich: Es gibt ihn nicht. Stattdessen müssen Sie erst einmal die Platte manuell partitionieren, um überhaupt etwas zu installieren. Zumindest steht dazu die Hilfe auf der achten virtuellen Konsole ständig bereit, die Sie über [Strg]+[Alt]+[F8] erreichen.

Das Partitionieren des Zielmediums gelingt mit Fdisk, dessen Interface zwar nicht mehr sonderlich beliebt ist, für diesen Zweck aber ausreicht. Das komfortablere Cfdisk steht nicht bereit. Auch das Erzeugen der Dateisysteme gelingt mit Bordmitteln. Eine Ext4-Partition etwa legen Sie mit folgendem Befehl auf die Platte:

# mkfs.ext4 -L nixos Gerätedatei

Anzuraten ist auch eine Auslagerungspartition, sofern der Testrechner nicht sowieso schon darüber verfügt. Diese erzeugen Sie mit mkswap, der Befehl swapon aktiviert den zusätzlichen Speicher.

Die Installation selbst erfordert noch etwas mehr Handarbeit. Der Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 hängt die Systempartition ein. Danach erzeugt das Kommando aus der zweiten Zeile die benötigte Systemkonfiguration, die Sie mit einem Editor wie Nano oder Vim an Ihre Erfordernisse anpassen.

Listing 1

# mount /dev/disk/by-label/nixos /mnt
# nixos-generate-config --root /mnt

Ohne Editor kommen Sie schon deshalb nicht aus, weil Sie in der neuen Konfiguration wenigstens das Kommentarzeichen von der Zeile:

# boot.loader.grub.device = "/dev/sda";

entfernen und die richtige Bezeichnung für das Boot-Gerät setzen müssen. Die Grub-Installation in eine Partition klappte im Test nicht (Abbildung 1). Schlussendlich startet nixos-install die tatsächliche Installation (Abbildung 2).

Abbildung 1: Grub mag es nicht, wenn Sie ihn in eine Partition einsperren möchten.
Abbildung 2: Alles in Butter: Die Installation gelang ohne Fehlermeldungen.

Spätestens hier benötigen Sie eine funktionierende Netzwerkverbindung, denn aufgrund der dürftigen Softwareausstattung des Live-Mediums braucht es einiges aus dem Netz, sofern Sie die Auswahl an Paketen in der Konfigurationsdatei an Ihre Wünsche angepasst haben. Eine LAN-Verbindung empfiehlt sich, wenn Sie nicht noch weiter in das Einrichten via Befehlszeile einsteigen wollen, um auf diesem Weg drahtlose Verbindungen zum Laufen zu bringen.

Wie bei anderen Live-Medien auch schreibt der Installer nun mindestens den Inhalt des Mediums auf die Platte, zumindest in der Theorie. Nach dem Neustart des Rechners sieht es allerdings ganz anders aus: Ein Minimalsystem steht bereit, das aber keineswegs den Zugang in eine grafische Umgebung gestattet. X-Server, Grafiktreiber und diverse Programme gilt es noch nachzuinstallieren.

Dabei stehen sogar in Gentoo-Manier nicht in allen Fällen Binärpakete direkt bereit, das System kompiliert diese erst aus den Quellen. Das ist zwar interessant, falls Sie diese an Ihr System anpassen möchten, dürfte aber für die meisten Benutzer kaum eine Rolle spielen.

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