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In die Vollen

Mit Obnam komfortabel Backups erledigen

18.06.2014
Das CLI-Tool Obnam erlaubt Backups und das Wiederherstellen selbst dann, wenn der X-Server streikt. Die Vielfalt an Option ermöglicht den Einsatz im heimischen Netz, aber auch im SOHO-Bereich.

Festplatten kennen nur drei grundlegende Zustände: leer, voll, kaputt. Zwischen den ersten beiden speichern sie mehr oder weniger wichtige Daten. Allerdings wechselt die Hardware oft schneller zu Zustand 3, als es einem lieb ist. Wer also nicht nach der Torvalds-Devise "Echte Männer brauchen keine Backups" lebt, benötigt über kurz oder lang eine geeignete Strategie und die dazu passende Software.

Die Auswahl der passenden Programme fällt groß aus [1]. Obnam hebt sich von der Masse durch eine Vielzahl an Optionen ab, die es in den meisten Fällen ermöglichen, eine optimale Sicherung zu erstellen. Das ausgezeichnete Tutorial [2] und die Manpage des Projekts [3] helfen bei Spezialfällen weiter.

Obnam stammt aus der Feder des finnischen Debian-Entwicklers und Linux-Urgesteins Lars Wirzenius. Er arbeitet seit 2006 an der Python-Software, die auf Wunsch Backups auf lokalen Festplatten, auf NFS- oder SMB-Shares oder auf entfernten Servern speichert, wozu sie das SFTP-Protokoll unterstützt.

Auf Nummer sicher

Die meisten Backup-Tools basieren auf den Algorithmen von Rsync [4]. Diese liefern eine der wichtigsten Eigenschaften, die eine Backup-Software bieten sollte: die inkrementelle Datensicherung. Dabei sichert die Software immer nur die Änderungen seit der letzten vollen oder inkrementellen Sicherung.

Allerdings macht diese Methode von Zeit zu Zeit eine komplette Sicherung der Daten notwendig. Das kostet Zeit und beim Transfer über das Internet zusätzlich Bandbreite. Beim Wiederherstellen erhöht sich bei dieser Methode ebenfalls der Aufwand, da die Daten sich meist aus mehreren einzelnen Sicherungen zusammensetzen. Die Alternative einer differenziellen Sicherung, die immer die Änderungen zur letzten komplett speichert, braucht dagegen mehr Speicherplatz.

Als Lars Wirzenius im Jahr 2006 einen Onlinedienst für Backups ins Leben rufen wollte, gefielen ihm diese Ansätze nicht, wie er in der Ankündigung zur stabilen Version 1.0 von Obnam im Jahr 2012 schrieb [5]. Er implementierte daher für Obnam die Funktion Copy-on-Write, kurz COW [6], die ebenfalls im Dateisystem BTRFS für die Snapshot-Funktion zum Einsatz kommt.

Das blockbasierte Vorgehen ermöglichte in Obnam die Snapshot-Funktion, die es von vielen anderen Backup-Systemen unterscheidet und in die Nähe von kommerziellen Produkten mit "Near-continuous Data Protection" (Near-CDP) rückt [7]. Dabei verwendet die Software bereits vorhandene identische Blöcke wieder, selbst wenn sie sich in einer anderen Datei oder einer älteren Sicherung befinden. Die Technik heißt Deduplikation [8]. Somit erscheint jede Sicherung von Obnam wie ein komplettes Backup, selbst wenn es sich von der Theorie her um ein inkrementelles Backup handelt.

In medias res

Was nach einem komplizierten Konzept klingt, vereinfacht sich in der Praxis durch Obnam, und zwar vor allem gerade dadurch, dass das Tool keine grafische Oberfläche mitbringt: Die wäre durch die vielen Optionen entweder total überladen oder unzureichend.

Dank der guten Dokumentation eignet sich das Programm für alltägliche Fälle. In weniger als einer halben Stunde haben Sie die Software in der Regel konfiguriert. Danach verrichtet sie ihre Arbeit auf Wunsch völlig automatisch zu festgelegten Zeiten. Parallel bietet Obnam aber die Möglichkeit, das Sichern sowie Wiederherstellen jederzeit über die Kommandozeile anzustoßen.

Die Installation der Applikation gestaltet sich unter Debian am einfachsten: Dazu genügt der simple Befehl:

# apt-get install obnam

Er kopiert weniger als 5 MByte Daten auf die Festplatte. Für Ubuntu, Gentoo und OpenSuse finden sich Pakete auf der Downloadseite, wo auch der Quellcode bereitsteht [9]. Für die allermeisten Szenarien fertigen Sie sinnvollerweise eine Konfigurationsdatei an. Dazu erstellen Sie als User mit dem Befehl touch ~/.obnam.conf im Home-Verzeichnis eine Textdatei. Listing 1 zeigt ein Beispiel für deren Inhalt.

Listing 1

[config]
# Ablage für die Sicherungen
repository=/media/Backup
# Ablage für die Protokolldatei
log = /home/Username/obnam.log
# Log-Tiefe
log-level = info
# maximale Größe der Log-Datei
log-max = 100 mb
# Backup-Ausschlüsse (Endungen, Downloads-Ordner)
exclude = .mp3$, .mp4$, .part$, .rar$, .nfo$, /Downloads$
# Auschluss aller Caches
exclude-caches = yes
# Ausschluss externer Dateisysteme (/proc, NFS, etc.)
one-file-system = yes
# behält ein Backup täglich für die letzten 14 Tage etc.
keep = 14d,10w,12m
# verschlüsselt die Sicherung mittels GnuPG
encrypt-with = "Ihr Bezeichner"

TIPP

Zum Sichern des Root-Dateisystems oder von Teilen davon empfiehlt sich eine eigene Konfigurationsdatei, in der Sie zusätzlich eine Zeile wie root = /etc, /var einfügen, die in die jeweiligen Verzeichnisse sichert.

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