Praktische Werkzeuge

Netzwerkverbindungen konfigurieren und Fehler beheben

15.05.2014
,
Mit den leistungsfähigen Werkzeugen der Linux-Kommandozeile kommen Sie Fehlern in der Netzwerkkonfiguration oder im LAN selbst schnell auf die Spur.

Linux und andere Systeme auf Unix-Grundlage bieten in aller Regel mehrere Alternativen zum Lösen eines Problems. Das mag Anwendern mit weniger Erfahrung gelegentlich etwas verwirren, gehört aber zu den bestimmenden Merkmalen der Open-Source-Welt. Netzwerk-Tools bilden da keine Ausnahme: Hier finden Sie eine Reihe von nützlichen Programmen – einige mit ähnlichen Aufgaben, aber auch solche mit einzigartiger Funktion – zum Konfigurieren und Verwalten von Netzwerkverbindungen sowie zur Suche und Behebung von Fehlern.

Dieser Artikel stellt die gängigsten Werkzeuge für die Arbeit mit Netzwerken vor. Er setzt dabei voraus, dass Sie mindestens über grundlegende Kenntnisse von TCP/IP-Netzwerkkonzepten [1] wie Adressierung, Namensauflösung und Routing verfügen [2].

Schnittstellen

Der Befehl ifconfig war und ist immer noch auf vielen Systemen das Standardwerkzeug für die Konfiguration von Netzwerkschnittstellen. Auf neueren Linux-Systemen finden Sie zusätzlich den Befehl ip, hinter dem sich nicht nur eine Neuauflage von Ifconfig verbirgt, sondern der als Arbeitspferd einer neuen Generation von Netzwerkprogrammen arbeitet.

Das Programm ip integriert nicht nur die Funktion einiger älterer Tools, sondern bietet eine einheitliche Syntax für alle Funktionen. Im Gegensatz dazu bilden die im Paket net-tools bereitgestellten Werkzeuge, zu denen auch Ifconfig zählt, eine breite Sammlung von eigenständigen Hilfsprogrammen, die voneinander unabhängig entstanden.

Ip gehört zum Paket iproute. Dank der Ähnlichkeit zwischen den einzelnen Werkzeugen aus diesem Paket konfigurieren Sie Ihr Netzwerk viel einfacher, denn Sie brauchen keine unterschiedliche Syntax für die einzelnen Funktionen zu erlernen. Darüber hinaus müssen Sie nicht immer im Kopf behalten, welches Werkzeug gerade für welche Funktion nötig wäre, denn Ip bringt viele der Fähigkeiten von ifconfig, route und arp unter einem Dach mit.

Ein Kommando von ip sieht in der allgemeinen Form wie folgt aus:

$ ip Optionen Objekt Kommando

Bei Objekt handelt es sich beispielsweise um link für Netzwerkschnittstellen, addr für IP-Adressen, route für Routen und so weiter. Der Befehl ip unterstützt neben den genannten noch mehrere andere Objekte – die Manpage des Tools (man ip) liefert weitere Details.

Im Kontext von ip ist ein Link-Objekt ein (physikalisches oder virtuelles) Netzwerkgerät. Die Details zu einer solchen Schnittstelle erhalten Sie mittels des Befehls ip addr show (Listing 1).

Listing 1

$ ip addr show dev eth0
2: eth0: <BROADCAST,MULTICAST,UP,LOWER_UP> mtu 1500 qdisc pfifo_fast qlen 1000
    link/ether 00:19:d1:a1:3e:b9 brd ff:ff:ff:ff:ff:ff
    inet 192.168.1.203/24 brd 192.168.1.255 scope global eth0
    inet6 fe80::219:d1ff:fea1:3eb9/64 scope link
       valid_lft forever preferred_lft forever

In den meisten Fällen liefert das Kommando show die grundlegenden Parameter zu einem angegebenen Objekt. Geben Sie kein solches explizit an, zeigt es die Informationen für alle betreffenden Objekte an. Zum Beispiel erhalten Sie mittels ip addr show Informationen zu den Adressen aller Netzwerkschnittstellen. Gegebenenfalls verwenden Sie list statt show. Das kommt der Vorstellung entgegen, dass das System Geräte eher auflistet als "zeigt".

Die in Listing 1 gezeigte Form des Befehls ip addr arbeitet mit drei Parametern: show dev eth0. Das Kommando show arbeitet also als ein Befehl-im-Befehl mit den Argumenten dev eth0. Das zeigt, dass die Befehle mit Ip in der Regel etwas komplexer ausfallen als die Entsprechungen mit Ifconfig: Dort hieße derselbe Befehl einfach ifconfig eth0.

Möchten Sie eine virtuelle Schnittstelle eth0:1 hinzufügen, sieht der entsprechende Befehl wie folgt aus:

$ ip addr add 192.168.1.42 dev eth0:1

In diesem Fall dienen die Parameter 192.168.1.42 dev eth0:1 als Argumente für den Befehl add. Dieses Beispiel weist dem Gerät eth0:1 die IP-Adresse 192.168.1.42 zu. Den Ip-Befehl verwenden Sie auch zum Aktivieren und Deaktivieren von Schnittstellen:

$ ip link set up dev eth1

Hier kommt das Kommando set zum Einsatz. Die Befehle set und view gehören zum link-Objekt. Als Alternative für das Aktivieren einer Netzwerkschnittstelle bietet sich der Befehl ifup an. Dahinter verbirgt sich eigentlich ein Shellskript, welches das System beim Hochfahren aus der Datei /etc/init.d/network zum Aktivieren der Schnittstelle aufruft. Wie zu erwarten, gibt es auch ein Kommando ifdown, bei dem es sich jedoch lediglich um einen symbolischen Link auf Ifup handelt.

TIPP

Der Befehl ip erlaubt, die Namen der Objekte abzukürzen. Meist genügt der erste Buchstabe des Objektbezeichners, etwa ip l für ip link oder ip a für ip addr. Beachten Sie jedoch, dass es einige Objekte mit gleichen Anfangsbuchstaben gibt, zum Beispiel address und addrlabel. Sie können Abkürzungen nicht nur für Objekte, sondern auch für Befehle verwenden. Statt ip addr show dev eth0 genügt auch ip a s eth0.

Routing

In einem lokalen Netz müssen Sie sich auf den Clients üblicherweise nur um eine einzige Route kümmern: Die zum "default gateway", also zu demjenigen (DSL-)Router, über den Ihr LAN Verbindung zum Internet aufnimmt. Dieser dient meist auch als DHCP-Server und teilt den Clients daher bereits bei der Adresszuweisung die korrekte Gateway-Adresse mit – also seine eigene. Bei Verbindungsproblemen lohnt aber dennoch ein Blick auf die gesetzte Route.

Traditionell definieren und verwalten Sie Routen über den Befehl route, mit ip route steht eine modernere Alternative zur Verfügung. Das Hinzufügen einer Route sieht bei beiden Tools ähnlich aus, einen direkten Vergleich bietet Listing 2.

Listing 2

$ route add -net 192.168.42.0/24 gw 192.168.1.99
$ ip route add 192.168.42.0/24 via 192.168.1.99

Das Format gleicht im Grunde genommen dem beim Hinzufügen von IP-Adressen. Beachten Sie, dass beide Befehle die Route für einen gesamten Bereich von IP-Adressen (192.168.42.0/24 – im CIDR-Format) hinzufügen und diese Route einer Router-Adresse zuweisen – mit dem Argument gw (engl. "gateway") im Route-Befehl und dem intuitiveren via bei ip route.

Geben Sie den Befehl ip route ohne irgendein modifizierendes Argument ein, erhalten Sie eine Liste der vorkonfigurierten Routen, wobei die Ausgabe etwas eingängigere Informationen enthält als jene von Route. Ein Beispiel dafür finden Sie in Listing 3, das die Routen für ein etwas komplexeres System mit zwei Schnittstellen (eth0 und eth1) zeigt.

Listing 3

$ route
Kernel-IP-Routentabelle
Ziel            Router          Genmask         Flags Metric Ref    Use Iface
192.168.1.0     *               255.255.255.0   U     1      0        0 eth0
192.168.1.0     *               255.255.255.0   U     2      0        0 eth1
link-local      *               255.255.0.0     U     1000   0        0 eth1
default         gateway         0.0.0.0         UG    0      0        0 eth0
$ ip route
192.168.1.0/24 dev eth0  proto kernel  scope link  src 192.168.1.105  metric 1
192.168.1.0/24 dev eth1  proto kernel  scope link  src 192.168.1.106  metric 2
169.254.0.0/16 dev eth1  scope link  metric 1000
default via 192.168.1.1 dev eth0  proto static

Manuell gesetzte Routen, wie jene aus den Beispielen in Listing 2, gehen bei einem Neustart des Systems verloren. Um dies zu verhindern und die Änderung permanent zu machen, müssen Sie die Konfigurationsdateien des jeweiligen Systems modifizieren. Unter Debian finden Sie die Einstellungen beispielsweise in /etc/network/interfaces, unter Fedora dagegen in /etc/sysconfig/network/scripts.

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