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LXDE und Razor-qt gehen zusammen

Unter einem Dach

Kommen verschiedene Ansätze für einen Minimal-Desktop zusammen, entsteht Spannendes – wie bei LXDE und Razor-qt.

Der Desktop ist das Salz in der Linux-Suppe. Sein Aussehen und seine Leistungsfähigkeit bestimmen bei Einsteigern oft über die Distribution der Wahl. Wer diese sorgfältig trifft, bleibt später meist der ersten Liebe treu. Vielfalt bedeutet also, dass fast jeder ein Zuhause findet. Wie bei einem alten Wohnblock drängt es sich aber in manchen Fällen geradezu auf, ein paar Zwischenwände einzureißen und so Platz für neue Ideen zu machen. Genau das passiert derzeit bei den beiden Projekten LXDE [1] und Razor-qt [2].

LXDE steht für "Lightweight X11 Desktop Environment", und dabei deutet der Name bereits an, wohin die Reise geht: Hier arbeitet ein Fliegengewicht unter den Desktop-Umgebungen. Mit gerade einmal 45 MByte minimalem Speicherbedarf läuft es selbst auf älteren Rechnern mit 128 MByte Hauptspeicher und einer Pentium-II-CPU oder auf den eher schwach ausgestatteten Netbooks noch ausreichend schnell (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der leichtgewichtige Desktop LXDE läuft selbst auf altersschwacher Hardware.

Die Entwicklung begann 2005 in Taiwan. Ab 2006 fand der Desktop zuerst in die Distributionen Mandriva und Fedora Eingang; später zogen Debian, OpenSuse, Android und die freie Router-Firmware OpenWRT nach. Lubuntu integrierte LXDE offiziell in ein Ubuntu-Derivat. Bei Knoppix löste es 2009 im Rahmen einer Neustrukturierung für Version 6.0 das bis dahin als Standard-Desktop eingesetzte KDE ab. Viele weitere Distributionen bieten Installations-Images auf der Basis von LXDE an oder führen den Desktop in den Paketarchiven.

Neben der x86-Architektur unterstützt LXDE außerdem MIPS und ARM und läuft nicht nur unter Linux, sondern auch auf OpenSolaris [3] und den diversen BSD-Varianten [4]. Die einzelnen Module von LXDE eignen sich alle für den unabhängigen Betrieb in anderen POSIX-konformen [5] Umgebungen. Der Desktop hält sich zudem an die vom Freedesktop-Projekt [6] aufgestellten und die von der Linux Standard Base (LSB) [7] definierten Regeln.

Der Desktop ist modular ausgelegt und baut auf dem Toolkit GTK+ 2 auf [8]. 2011 erschien dessen nicht abwärtskompatibler Nachfolger GTK+ 3. Da dieser nicht mehr so schonend mit Ressourcen umgeht wie der Vorgänger, beschloss LXDE-Chefentwickler Hong Jen Yee im letzten Jahr, künftig auf das Qt-Framework [9] aufzusetzen, das unter anderem bei KDE zum Einsatz kommt.

Nette Nachbarn

Ebenfalls auf Qt setzt die von russischen Entwicklern initiierte Desktop-Umgebung Razor-qt (Abbildung 2). Mit deren Entwicklern beschloss Yee im Frühjahr 2013 eine Fusion der Projekte. Das offiziell noch nicht veröffentlichte Ergebnis heißt nach jetzigem Stand LXDE-Qt. LXDE auf der Basis von GTK+ 2 pflegen die Entwickler dann noch eine Weile weiter.

Abbildung 2: Razor-qt setzt auf Qt, verzichtet aber ebenfalls auf unnötigen Ballast und eignet sich so für langsame Rechner.

Razor-qt gehört ebenfalls zu den leichtgewichtigen, schnellen Desktop-Umgebungen. Es besteht aus Panel, Desktop, einem Starter für Applikationen sowie Werkzeugen für die Konfiguration und zum Verwalten der Sitzungen. Den Fenstermanager dürfen Sie frei wählen: Neben Openbox [10] bieten sich unter anderem Windowmaker [11], Fvwm2 [12], IceWM [13], Compiz [14] oder i3wm [15] an. Es wäre prinzipiell auch möglich, das Programm Mutter aus dem Gnome-Projekt [16] oder KWin [17] aus KDE SC 4 zu verwenden. Allerdings liefe das dem Grundgedanken von Razor-qt zuwider, möglichst wenig Ballast mitzuschleppen.

Ab 2012 verbreitete sich der Neuankömmling schnell in der Distributionsszene, wobei Siduction auf dem LinuxTag 2012 in Berlin den Anfang mit einem vollwertigen System mit Razor-qt und vielen Qt-Applikationen machte. Bald darauf folgten Mageia, Gentoo, Fedora, Debian und andere. Viele weitere, darunter Arch und Ubuntu, führen die Desktop-Umgebung in ihren Paketarchiven. Razor-qt steht LXDE hinsichtlich des minimalen Ressourcenverbrauchs kaum nach. Somit lag es nahe, dass sich die beiden Projekte vereinen.

Das traf sich schon insofern gut, weil die Entwicklung bei Razor-qt seit Längerem aufgrund fehlender Entwicklerkapazitäten stagnierte. Hong Jen Yee, in der Szene als Pcman bekannt, meldete sich im März 2013 auf der Entwicklerliste von Razor-qt und stellte den Dateimanager PcmanFM [18] in einer von ihm auf Qt 4 portierten Version vor. Die Macher von Razor-qt zeigten sich angetan, und Pcman berichtete, dass das Portieren des Dateimanagers nach Qt ihm das Framework nähergebracht habe. Er könne sich vorstellen, die Kräfte zu bündeln, da beide Projekte die gleichen Ziele verfolgten.

Unter einem Dach

Auf der KDE-Konferenz Akademy 2013 in Bilbao trafen sich einige Entwickler der beiden Desktop-Umgebungen und beschlossen offiziell das Zusammengehen [19]. Seitdem arbeiten beide Seiten an der gemeinsamen Umgebung LXDE-Qt, oder kurz LXQt. Ziel ist es, die besten Komponenten aus beiden Welten zusammenzufassen. Vorerst sollen alle künftigen Entwicklungen der LXDE-Komponenten weiterhin auch in die GTK+2-Version einfließen. Ein weiteres Ergebnis der Akademy 2013 war das Angebot seitens KDE, das neue Projekt unter die Schirmherrschaft von KDE zu stellen, sodass LXDE-Qt die vorhandene Infrastruktur nutzen kann.

Die Macher der Distribution Siduction gossen den LXQt-Entwicklungsstand von Mitte April aus dem Master-Zweig des Git-Archivs [20] in ein ISO-Image für unsere Heft-DVD. Das Image, bei dem es sich um ein Development-Release handelt, liegt nur als 64-Bit-Version vor und eignet sich noch nicht für die produktive Arbeit. Es lohnt aber durchaus, die Komponenten zu testen, insbesondere da Siduction auf Systemd als Init-System setzt.

Die für das ISO verwendeten Module von LXQt basieren auf Qt 4 – die derzeit aktuelle Version 5.0 übersprangen die LXQt-Entwickler. Im Moment sind sie dabei, die einzelnen Module für Qt 5.1 vorzubereiten und zu bauen. So liegt unter anderem der Dateimanager PcmanFM bereits in einer frühen Version für Qt 5.1 vor und bringt eine rudimentäre Kompatibilität zu Wayland [21] mit. Die aktuellen Anwendungsversionen auf Qt-5.1-Basis sind noch nicht optimiert, zudem laufen sie noch recht instabil.

Auf dem Image ergänzen Qt-Applikationen wie der blitzschnelle Browser Qupzilla, der Amarok-Abkömmling Clementine, der Texteditor JuffEd, das QTerminal, QBittorrent oder Qlipper den Desktop (Abbildung 3). Siduction nimmt LXQt im Verlauf des Jahres in seinen Release-Zyklus auf, sobald eine stabile Version vorliegt.

Abbildung 3: Obwohl noch in einer frühen Phase, bringt der LXQt-Desktop schon eine ganze Reihe Tools mit – unter anderem den schlanken Browser Qupzilla.

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