Die nächste Generation

Die nächste Generation von KDE, die uns noch in diesem Jahr erreicht, basiert auf Qt5 und bringt weniger Umbrüche für den Anwender als der Vorgänger. Die größten Änderungen betreffen den Unterbau von KDE. Um die Verwirrung um Namen und Begriffe noch zu steigern, zersägt das KDE-Projekt seine bisher recht monolithisch auftretende KDE Software Collection in die drei Teile Frameworks 5, Plasma Workspaces und Applications (siehe Tabelle "Wichtige KDE-SC-Applikationen"). Die KDE-Entwickler treiben die drei zukünftigen Säulen des Projekts dabei deutlich eigenständiger als zuvor voran.

Auch die Veröffentlichungsform von KDE SC, die alle Komponenten gleichzeitig in neuen Versionen ausliefert, fällt in Zukunft weg. Das bedeutet nicht, dass nicht auch zukünftig mehrere Komponenten von KDE SC 5 zeitgleich erscheinen – die Entwickler müssen sich nun aber nicht mehr an diesen Termin halten, sondern können sich auch intern anders abstimmen. Das verleiht zum einen den einzelnen Teams mehr Freiheiten bei der Entwicklung. Zum anderen berücksichtigt es die Diversifizierung, die die Verlagerung der Schwerpunkte bei der Nutzung verschiedener Geräteklassen wie PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones mit sich bringt.

Wichtige KDE-SC-Applikationen

Anwendung Zweck
Dolphin Dateimanager
Dragon Player einfacher Mediaplayer auf Phonon-Basis
Gwenview Bildbetrachter mit einfachen Verwaltungs- und Bearbeitungsfunktionen
Konqueror Modularer Webbrowser
Kontact Personal Information Manager mit Komponenten für E-Mail, Adress- und Terminverwaltung
Kopete Instant Messenger für verschiedene Chat-Dienste
Okular Dateibetrachter für Dokumentenformate wie PDF

Komponenten

KDE Frameworks 5 [17] enthält mit den Kdelibs im Wesentlichen die von den Programmen benötigten Bibliotheken. Hier finden für den Zyklus 5 die durchgreifendsten Veränderungen statt. Zum einen haben die Entwickler Kernfunktionen der Kdelibs direkt nach Qt5 zurückportiert. Andererseits wurden die 57 Bibliotheken modularisiert und als plattformunabhängige Zusatzbibliotheken für Qt5 konzipiert. Mittlerweile weisen 19 davon keinerlei Abhängigkeiten mehr auf: Somit können auch andere Qt-Projekte die gebotenen Bibliotheksfunktionen abrufen.

Auch die Abhängigkeiten unter den Teilprojekten reduzierten die Entwickler deutlich. Das betrifft neben den KDE-Anwendungen auch den Fenstermanager KWin. Er eignet sich dadurch auch für schlanke Desktop-Umgebungen, da er beispielsweise nicht mehr zwangsweise Plasma mitzieht. Zudem unterstützt Frameworks 5 den kommenden Display-Manager Wayland [18] sowie OpenGL und OpenGL ES 2.0 in vollem Umfang.

Die neue Bezeichnung der KDE-Oberfläche Plasma und ihrer Varianten für verschiedene Geräteklassen lautet Plasma Workspaces. Die jeweils in Entwicklung befindliche Version läuft unter dem Namen Plasma Next, die Veröffentlichungen tragen Bezeichner wie Plasma Workspace 2014.6 für die erste im Juni 2014 erwartete stabile Version. Die kommende Version der KDE-Oberfläche nutzt Qt5 und QML und setzt auf KDE Frameworks 5 auf.

Die Optik orientiert sich am gewohnten Aussehen von KDE 4, sie wird lediglich etwas modernisiert und aufpoliert. Auch hier passieren die wichtigen Änderungen im Maschinenraum. Den bisher von X11 mit eigenen Primitiven [19] gezeichnete Desktop gibt nun von OpenGL [20] aus. Die in den letzten Jahren entstandenen und bisher unabhängigen Workspaces wie Plasma Desktop, Plasma Active oder Plasma Netbook führen die Entwickler nun zusammen. So kann durch Ereignisse wie etwa das Anstecken einer Tastatur an ein Tablet der Modus automatisch von Plasma Active auf Plasma Desktop wechseln und sich somit auch Aussehen und Funktionen ändern.

Sowohl Plasma Next als auch Frameworks 5 befinden sich derzeit in einem Code-Freeze. Applications dagegen wird derzeit noch auf der Basis von Qt4 weiter entwickelt und Mitte April mit KDE SC 4.13 auch veröffentlicht. Unter dem Begriff "Porting Aids" liefert KDE einige Bibliotheken für Entwickler, die beim Umstellen der Anwendungen nach Qt5 helfen sollen und nach drei stabilen Veröffentlichungen der Applications wieder wegfallen.

KDE Frameworks 5 erschien unlängst in einer ersten Beta-Version, Plasma Next als Alpha. Beide Komponenten sollen Mitte Juni als Release den fünften Zyklus von KDE einleiten (Abbildung 3). Den Übergang will das Projekt für den Anwender sanft gestalte, eine teilweise unbenutzbare Desktop-Umgebung wie beim Übergang zu KDE 4 möchte man vermeiden. Hier haben die Entwickler offensichtlich dazugelernt.

Abbildung 3: Die Fertigstellung der Version 2014.6 des Plasma Workspace ist für den 17. Juni eingeplant.

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