Editorial 05/2014

Keine Randnotiz

Liebe Leserinnen und Leser,

Microsoft hat der Welt dieser Tage ein ungewöhnliches Geschenk gemacht: den Sourcecode von MS-DOS 1.1 und 2.0 sowie die Quellen von Word for Windows 1.1a [1]. Jetzt ist die Hölle natürlich nicht zugefroren, und so fand sich recht schnell der sprichwörtliche kleine Haken an der Sache: Die Dateien, die man dem Computer History Museum überlassen hat, stehen unter der Microsoft Research Licence: Sie erlaubt zwar ein Begutachten und Verändern der Programme, allerdings nur zu rein akademischen Zwecken [2]. Jede Weitergabe der Derivate bleibt verboten.

Das Geschenk ist also zu Studienzwecken ein Gewinn, und die zahlreichen Anekdoten in den Quellen geben einen kleinen Einblick in die Kultur, die in den Anfängen bei Microsoft herrschte [3]. Ein Paradigmenwechsel aber sieht anders aus.

Im Gegenteil, mit Satya Nadella übernahm im Februar ein ausgewiesener Cloud-Experte das Ruder des Konzerns als CEO [4]. In Form von Azure hat das Unternehmen schon eine sehr weitreichende Infrastruktur geschaffen, um Dienste und Speicher im Netz anzubieten. Nun nimmt es mit Office for iPad Anlauf, um auch jene Plattformen zu erobern, die bislang als Feindesland galten [5]. Egal, welches Gerät Sie benutzen: Microsoft möchten Ihnen darauf seine Online-Dienste anbieten – und gewinnt so immer mehr Kontrolle über Anwendungen und Daten.

Wer jedoch plant, seine Daten in die Hände der Redmonder zu legen, sollte vorher einen Blick in die jüngere Geschichte werfen: 2011 hat Microsoft Geheimdiensten bereitwillig und ohne Wissen der Benutzer Zugriff auf deren Daten gewährt [6]. Das geschah auf der Grundlage von Gesetzen aus dem Jahr 2001, und diese gelten nach wie vor. Gleiches gilt auch für die Mitbewerber in diesem Feld.

Möchten Sie das verhindern, dass Drei-Buchstaben-Dienste in Ihren Daten stöbern, heißt es selbst aktiv werden. Der Schwerpunkt ab Seite 20 hilft Ihnen dabei, die richtigen Schritte zur eigenen Cloud in die Wege zu leiten. Nur so behalten Sie die Hoheit über Ihre Daten und haben eine Chance, zu bemerken, wenn sich jemand daran zu schaffen macht.

Dass die freien Cloud-Projekte tatsächlich regen Zuspruch erhalten, zeigt unter anderem das Beispiel Owncloud. Hier musste ein Community-Manager her, um schneller auf Anregungen und Hilfe aus der Entwicklergemeinde reagieren zu können [7] – kein geringerer als Jos Poortvliet übernimmt nun diesen Job. Der Blick in den Quellcode gehört dabei zu den essenziellen Voraussetzungen, nur so entsteht Vertrauen. Dass man die Sourcen auch modifizieren darf, muss selbstverständlich sein – denn das ist freie Software, und keine Randnotiz der Geschichte.

Herzliche Grüße,

Andreas Bohle

Stellv. Chefredakteur

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