Tiny Core Linux – mobiles Betriebssystem für unterwegs

Klein, aber fein

Ein Linux-System stets dabeizuhaben, bringt einige Vorteile: Auf Fremdrechnern unterwegs startet stets die gewohnte Arbeitsumgebung, alle benötigten Tools und Dokumente sind an ihrem Platz.

Das kürzlich in Version 5.2 erschienene Tiny Core Linux (TCL) [1] präsentiert sich als minimales, modulares Linux-Betriebssystem, das sich selbst nicht als gebrauchsfertige Distribution versteht, sondern als der Kern einer solchen.

Drei Installations-Images in Größen zwischen 9 und 72 MByte sprechen unterschiedlich fortgeschrittene Anwender an, sich ein kleines und schnelles System nach eigenen Vorlieben zu bauen, das von einem USB-Stick oder einer CD auch noch auf der ältesten Hardware läuft. Als Minimalvoraussetzungen nennt das Projekt eine 486DX-CPU und 64 MByte Hauptspeicher [2].

Prinzipiell läuft TCL immer komplett im Hauptspeicher, wobei die Erweiterungen ebenfalls im RAM oder von einem persistenten Speichermedium eingebunden oder auf diesem installiert sein können. Dabei entpackt das System den Kern und die Erweiterungen bei jedem Neustart und lädt sie. Somit bleibt Viren und anderen Schädlingen kaum eine Chance, sich zu etablieren, da sich jede neue Sitzung von TCL wie eine frisch gestartete Live-CD verhält.

Facettenreich

Das Projekt stellt TCL in drei Varianten zur Verfügung. Wer möglichst viel Freiheit bei der Zusammenstellung seines Systems möchte, für den ist das nur 9 MByte große Core die richtige Wahl. Diese Variante bietet einen angepassten Kernel und eignet sich ausschließlich für die Arbeit auf dem Terminal. Werkzeuge zum Erweitern des Systems bringt sie bereits mit. Ein X-Server fehlt jedoch, lässt sich aber – wie alles andere auch – problemlos nachrüsten. Diese Version setzt voraus, dass Sie es gewohnt sind, auf der Kommandozeile zu arbeiten, und das Linux-Rechtesystem kennen. Core eignet sich für schlanke, maßgeschneiderte Desktops, Server-Anwendungen oder Embedded-Systeme.

Wünschen Sie etwas mehr Komfort, dann greifen Sie zum 15 MByte großen Tiny Core. Hier ergänzen ein X-Server sowie eine grafische Oberfläche in Form des Fltk-GUI-Toolkits samt des Window-Managers Flwm das Core-Paket. Tiny Core benötigt ebenso wie Core eine kabelgestützte Verbindung zum Internet; beide unterstützen lediglich die US-amerikanische Tastaturbelegung.

Möchten Sie TCL mit WLAN nutzen und nicht auf die deutsche Tastaturbelegung verzichten, dann steht Ihnen dazu die dritte Variante namens Core Plus mit 72 MByte Umfang zur Verfügung. Sie bringt neben Flwm noch sechs weitere Fenstermanager mit, darunter Fluxbox, Blackbox und Openbox sowie ein Remastering-Werkzeug (Abbildung 1).

Abbildung 1: Tiny Core Linux lässt sich vom minimalen Embedded-System bis hin zum maßgeschneiderten Desktop ausbauen.

Alle Images basieren derzeit auf x86; darüber hinaus arbeitet das Team an Versionen für die Architekturen ARMv6 und ARMv7. Die als piCore 5.1 im Januar veröffentlichte Version für ARMv6 [3] ist für den Raspberry Pi vorbereitet.

Cloud-Modus

Die Installation gestaltet sich für alle drei Varianten gleich. Es gibt wiederum drei Möglichkeiten, TCL für verschiedene Anwendungsfälle auf CD oder USB-Stick zu bannen.

Im sogenannten Cloud-Modus brennen Sie das ISO-Image auf eine CD. Nach dem Start in die Desktop-Umgebung entfernen Sie die CD aus dem Laufwerk, der Rest der Sitzung spielt sich im Arbeitsspeicher ab. Somit bleibt das Laufwerk für andere Anwendungsfälle frei. Dieser Modus eignet sich zum Testen von Applikationen oder für Sitzungen, in denen Sie nichts speichern möchten. Nach dem Herunterfahren des Systems bleiben sowohl die CD als auch der Rechner unverändert.

Alternativ transferieren Sie das ISO-Image per Konsolen-Befehl (Listing 1) direkt bootfähig auf einen USB-Stick. Welches Device der USB-Stick belegt, zeigt der Befehl # fdisk -l. Alternativ verwenden Sie das Tool Unetbootin [4].

Listing 1

# dd if=/Pfad/zur/ISO-Datei of=/dev/sdX<C>

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