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© Ilco, sxc.hu

Die Welt als Würfel

Kultspiel Minecraft

20.03.2014
Mit der aktuellen Version 1.7 wagen sich die Minecraft-Entwickler einen Schritt weg von der beliebten Klötzchenoptik. Doch der eigentliche Reiz des Spiels liegt keineswegs in den optischen Effekten.

Spiele gab und gibt es für Linux nur in kleiner Auswahl. Steam für Linux hat eine ganze Reihe interessanter Indie-Titel hinzugefügt, aber was die wirklich großen, populären Games angeht, bleibt nur die Hoffnung, dass die Windows-Version irgendwie mit Wine funktioniert.

Zu den sehr löblichen Ausnahme gehört das Spiel Minecraft [1] des schwedischen Entwicklers Markus Persson [2] und seiner Firma Mojang. Es setzt komplett auf Java und OpenGL auf, sodass es glänzend auch unter Linux läuft (Abbildung 1).

Abbildung 1: Minecraft 1.7.2 bringt neue Landschaften und Pflanzen – und läuft völlig problemlos unter Kubuntu 13.04.

Darüber hinaus nervt es nicht mit komplizierten Kopierschutzmechanismen, sondern arbeitet mit einer simplen Registrierung über das Internet. Alles in allem mutet der Umgang mit Minecraft fast genauso frei an wie der mit einer frei lizenzierten Software. Vom Typ her gehört es zu den Sandboxed Open Worlds.

Locker bleiben

Die für Minecraft einmalig verlangte Gebühr gilt ohne Zeitbegrenzung auch für die häufigen Upgrades. Der Nutzer darf mit der Software tun, was er für richtig hält – einzig die Redistribution ist verboten. So stellt es kein Problem dar, mit von anderen Entwicklern geschriebenen Anpassungen zu experimentieren.

Genau wie die offizielle Version bietet Mojang auch Beta- und sogar Alpha-Versionen für jedermann frei zum Herunterladen an. Die Registrierung (20 Euro, zu zahlen online per Kreditkarte oder PayPal) erlaubt den Login in allen Versionen des Spiels.

Sämtliche Downloads stehen frei bereit, das Spiel fragt den registrierten Nutzernamen erst beim Start ab. Ohne Internetverbindung bietet Minecraft die Option Play offline. In diesem Modus weist es keine Einschränkungen auf, allerdings entfällt das gemeinsame Spiel auf Servern. Einige Mods benutzen darüber hinaus den Login des Spielers zum Speichern von Spielständen.

Für externe Entwickler bietet das Spiel eine sehr offen gestaltete Programmierschnittstelle, sodass inzwischen Hunderte Mods und Texture-Packs existieren. Die Bandbreite reicht von einfachen Erweiterungen mit einigen neuen Werkzeugen oder einem neuen Tier bis hin zu umfangreichen Spielen im Spiel, wie etwa der Zivilisationssimulation Millenaire (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mods erweitern Minecraft um unzählige Extras. Hier ein japanisches Dorf aus Millenaire mit Riesenbäumen aus Extrabiomes im Hintergrund.

Spiel ohne Grenzen

Nach der Installation des Programms (siehe Kasten "Installation") genügt zum Starten des Spiels der Befehl java -jar Minecraft.jar. Standardmäßig lädt der Launcher anschließend aktuelle Updates herunter. Seit Version 1.6 besteht die Möglichkeit, Installationen in Profilen zu speichern, welche die Software dann nicht automatisch aktualisiert.

Die Voreinstellungen fallen nicht besonders konservativ aus – alle Funktionen sind eingeschaltet, inklusive Extras wie animierte Partikel. Beim ersten Start lädt der Installer zudem das eigentlich Spiel herunter.

Installation

Um Minecraft zu installieren, laden Sie von der Website [3] die Java-Datei Minecraft.jar herunter. Dieses Skript zeigt einen Dialog an, in dem Sie den registrierten Nutzernamen und das Passwort eingeben. Nach Klick auf Play startet die Standardversion des Spiels oder ein konfigurierbares Profil, in dem Sie ältere Versionen, Beta-Versionen oder selbst zusammengebaute erweiterte Varianten einrichten.

Beim ersten Start lädt das Skript die eigentliche Software herunter und speichert sie nach ~/.minecraft. Dort landet außerdem alles, was sonst mit Minecraft zu tun hat. Selbst gebaute Welten und Spielstände liegen im Verzeichnis saves. Ist Minecraft Forge Modloader installiert, finden Sie hier ein Verzeichnis mods für Erweiterungen.

Wie einige andere Cross-Platform-Programme handelt es sich bei Minecraft um Java-Software. Die Anforderungen an Arbeitsspeicher und Prozessor sind moderat: Auf einem IBM T60 Thinkpad mit 1 GByte RAM ließ sich das Spiel noch nicht flüssig nutzen. Auf einem PC mit Intel Core-i2-Quad und 3 GByte RAM lief die Standardausstattung passabel, größere Erweiterungen verursachten allerdings spürbare Verzögerungen.

Auf einem Lenovo Ideapad mit Core i3 und 8 GByte RAM lief Minecraft unter KDE mit Dutzenden weiteren gleichzeitig geöffneten Programmen flüssig. In einigen Fällen traten aber auch hier bei aktivem Spiel deutliche Verzögerungen beim Aufbau von Fenstern auf. In Sachen Grafik setzt das Spiel eine ordentliche Hardware voraus und benötigt eine aktivierte Hardwarebeschleunigung.

Die Webseite und diverse Anleitungen empfehlen für Linux die Installation des Oracle-Runtime-Environments. Im Test kam das Spiel auf Fedora 16 und 17 sowie unter Kubuntu 13.04 problemlos mit Open Java zum Einsatz. Selbst bei den teils abenteuerlich erweiterten Paketen traten keinerlei Schwierigkeiten auf.

Sobald Sie im Einzelspielermodus eine neue Welt angelegt haben, betritt die Spielfigur eine Landschaft, die aufgrund von raffinierten Zufallsgeneratoren jedes Mal anders aussieht. Minecraft enthält Landschaftstypen wie etwa Dschungel, Savanne, Winterwald oder Gebirge, die aus etwa zehn verschiedenen Baumtypen, einigen Pflanzen und "Blöcken" genannten Würfeln bestehen. Die Blöcke stellen Erde, Sand, Kies, Stein und Mineralien dar.

Auch Schnee, Eis und sogar Feuer, Wasser und Lava setzt Minecraft als quadratische Blöcke um, wobei aus den Letzteren die animierten Flüssigkeiten herauslaufen. Regen und Schneegestöber sorgen für abwechslungsreiches Wetter. Wind gibt es allerdings nicht, und es sind nur wenige einfache Geräusche und ein sehr zurückhaltender Soundtrack zu hören. Der Sound funktioniert im Übrigen sowohl mit Alsa als auch mit Pulseaudio tadellos.

Das Softwaremodul, das die Landschaft zusammensetzt, gilt als eine der bemerkenswertesten technischen Leistungen von Minecraft-Erfinder Markus Persson. Wie die Proportionen zur Spielfigur nahelegen, entspricht die Kantenlänge eines Blocks rund einem Meter in der Wirklichkeit. Bewegt sich die Figur durch die Landschaft, baut das Modul neue Elemente auf, ohne an eine merkliche Grenze zu stoßen. Eine einzelne Welt umfasst maximal ein Quadrat mit 64 Millionen Blöcken Kantenlänge – umgerechnet reichlich fünf Mal größer als die Erde.

In der Landschaft platziert das Spiel einige Tiere, die Sie zum Beschaffen von Rohstoffen und als Nahrung jagen dürfen. In Steppen grasen seit Version 1.6 auch Pferde, die sich zähmen und reiten lassen. Seltener baut das Spiel Dörfer mit virtuellen Bewohnern auf, die ein paar Handelsgüter anzubieten haben. Alle acht Minuten wechselt die Tageszeit. Bis dahin empfiehlt es sich, einen Zufluchtsort aufzusuchen, denn bei Nacht schickt das Spiel ein kleines Sortiment Monster auf die Jagd nach Ihnen.

Noch etwas harscher als nachts in der normalen Spielwelt geht es in der Nether genannten Unterwelt (Abbildung 3) des Spiels zu. Die ganz in finsteren Rottönen sehr stimmungsvoll gestaltete Hölle erreichen Sie durch ein Portal, das Sie zuvor selbst bauen müssen. Dafür und für vieles andere benötigen Sie Rohstoffe, die Sie sich vor allem durch den virtuellen Bergbau in Minen beschaffen – dem verdankt das Spiel seinen Namen.

Abbildung 3: Lava gibt es in der Ober- wie Unterwelt, in beiden Fällen ist sie sowohl flüssig als auch viereckig.

Im Spiel ist nichts vorgeschrieben. Sie haben die Möglichkeit, in einem veganen Pazifistenmodus zu agieren, indem Sie sich komplett von Pflanzen ernähren und sich nachts verschanzen, um dem Kampf mit Monstern auszuweichen. Dass es im Spiel zwar durchaus abenteuerlich, aber ohne Gemetzel zugeht, dürften besonders Eltern mit Wohlgefallen zur Kenntnis nehmen – in Schweden kommt das Spiel sogar offiziell im Schulunterricht zum Einsatz. Ohne Mods beschränken sich die verfügbaren Waffen auf ein Schwert und einen Bogen.

Von vornherein friedfertig ist der Creative-Modus, in dem Sie keine Gesundheitspunkte zu beschützen brauchen und sich bei Bedarf fliegend durch die Landschaft bewegen. Er bietet außerdem eine gute Möglichkeit, die Elemente des Spiels kennenzulernen, weil Sie hier Blöcke und Geräte nicht auszugraben brauchen oder bauen müssen, sondern einfach aus einer Inventarliste nehmen.

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