Klopf, klopf!

Editorial 03/2014

20.02.2014

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

in den kommenden Wochen bietet sich uns Linux-Anwendern eine einmalige Gelegenheit, 2014 zu einem zumindest kleinen "Jahr des Linux-Desktops" zu machen. Am 8. April stellt Microsoft bekanntlich den Support für Windows XP ein, ab diesem Datum gibt es also für das nach wie vor weit verbreitete System keinerlei Updates und Security-Fixes mehr. Lediglich der Anti-Viren-Wächter Microsoft Security Essentials (MSSE) soll noch bis Mitte Juli 2015 mit Signaturen versorgt werden, dann ist endgültig Schicht im Schacht [1]. Nicht, dass das den Anwendern viel hülfe, denn MSSE lässt fast so viele Schädlinge durch, wie es erkennt [2].

Das könnte interessante Auswirkungen haben, auch an ganz unerwarteten Stellen. Noch läuft etwa auf Dreiviertel der Rechner der Bundestagsabgeordneten Windows XP [3], in der Verwaltung des Landes Berlin gibt es – Stand Februar 2014 – nicht weniger als 48 000 XP-PCs [4]. Auch nett: 95 Prozent aller Geldautomaten weltweit verwenden nach wie vor das antiquierte Microsoft-OS als Betriebssystembasis [5].

Dem Bundestag, dem Land Berlin oder den Banken bei einer Migration auf eine vernünftige Betriebssystem-Alternative unter die Arme zu greifen, ist freilich aussichtslos. Wohl aber bietet sich gerade jetzt eine ideale Gelegenheit, in der Familie, der Nachbarschaft und im Freundeskreis mal ein wenig in Sachen Windows XP auf den Busch zu klopfen – und gegebenenfalls Linux als Ablösung vorzuschlagen.

Dabei können Sie argumentativ gleich in zweifacher Hinsicht punkten: Zum einen damit, dass sich typische Distributionen in Sachen Hardware wesentlich genügsamer geben als das ansonsten ins Auge zu fassende Windows 8, zum anderen mit der immanent höheren Widerstandsfähigkeit des freien Betriebssystems gegenüber Softwareschädlingen aller Art. Dass es Linux zudem gratis gibt, dürfte die potenziellen Neubenutzer ebenfalls nicht gerade abschrecken.

Auf den Datenträgern zu dieser LU-Ausgabe finden Sie als Demonstrationsmaterial einige ausgewählte Distributionen, welche die ganze Bandbreite der Möglichkeiten bei einer Migration von XP zu Linux abdecken. Das reicht von umfassend ausgestatteten Rolling-Release-Debian Siduction bis hin zu Linux Lite, das selbst auf der schwachbrüstigsten Rechner-Krücke noch Beachtliches zustande bringt.

Lassen Sie doch die Noch-Windows-XP-Nutzer rund um Sie mal einen Blick auf die Möglichkeiten werfen, die ein Umstieg auf Linux mit sich bringt – oder kopieren Sie den mit Windows geschlagenen Nachbarn, Freunden und Bekannten am besten gleich eine der Distributionen auf einen USB-Stick. Es wäre doch gelacht, wenn sich unter so günstigen Umständen wie derzeit die Verbreitung unseres Lieblingsbetriebssystems nicht etwas ausbauen ließe, oder?

Mit herzlichen Grüßen,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Windows XP: Keine Support-Verlängerung, aber ausgedehnter Virenschutz: http://heise.de/-2087256

[2] "Microsoft Security Essentials misses 39 percent of malware": http://www.pcpro.co.uk/news/security/386185/microsoft-security-essentials-misses-39-of-malware-in-dennis-test

[3] Windows XP noch auf Dreiviertel der Rechner im Bundestag: http://heise.de/-2104836

[4] Zehntausende PCs in Berlin mit Windows XP: http://heise.de/-2100014

[5] 95 Prozent aller Geldautomaten laufen mit Windows XP : http://heise.de/-2088583

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Kommentare
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Linux-Neuling (unangemeldet), Dienstag, 10. Juni 2014 01:03:36
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Ich kann dem Artikel nur zu stimmen.

Ich habe seit einigen Wochen verschiedene Varianten ausprobiert und bin bei
Lubuntu LXDE hängen geblieben. Aber andere davon zu überzeugen ist schwerer als gedacht .

In meiner Familie läuft tatsächlich noch ein
Pentium-III-900MHz-256MB Ram-Windows 98SE !
Warum? Weil ich damit schreiben und drucken kann, Internet brauche ich alter Mensch nicht.

So eine Aussage verblüft einen dann doch




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