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© Linda Bucklin, 123RF

Starthilfe

Unterstützung für Open-Source-Projekte

16.01.2014
Wer alleine entwickelt, dem fehlen oft die Mittel für den großen Wurf. Wer aber richtig sucht, der findet auf vielfache Weise Unterstützung und macht so mehr aus dem eigenen Projekt.

Wenn Sie an einem Open-Source-Projekt mitwirken, kennen Sie das intensive, persönliche Engagement, das zum Gelingen beiträgt. Viele Nutzer wissen und schätzen das. Aus der eigenen Kraft der Entwickler gelingt aber nicht alles, zumal vielfach nur das pure Interesse am Thema oder der Umgang mit Technologien die Basis abgibt.

Nicht jeder Nutzer verfügt jedoch über die Fähigkeiten und die Zeit, um ein Projekt zu unterstützen. Verbales Feedback in Form von Fehlermeldungen schadet zwar auch nicht, macht jedoch nicht wirklich satt. Crowdfunding bietet den Entwicklern eine Chance, die notwendige Butter aufs Brot zu akquirieren [1]. Der Begriff steht für Schwarmfinanzierung und bezeichnet das gemeinsame Fördern einer Aktion [2].

Crowdfunding funktioniert jedoch nicht einfach so: Es setzt ein klares Ziel voraus, bedarf der Ansprache des richtigen Unterstützerkreises und eines Quäntchens Glück. Gelingt aber die Überzeugungsarbeit, dann steht einem Erfolg (fast) nichts mehr im Wege.

Erfolgreiche Kampagnen

Von Erfolg gekrönt war Joey Hess' [3] Kickstarter-Kampagne für Git-annex [4]. Das ermöglichte es ihm, die Kraft eines gesamten Arbeitsjahres in das Projekt zu stecken. Ähnliches gelang Fairnopoly [5]: Die erfolgreich über Crowdfunding finanzierte und inzwischen als Genossenschaft eingetragene Berliner Auktionsplattform stellt die gesamte Basis der auf Ruby on Rails basierenden Plattform über Github bereit und ermöglicht auf diese Weise einen Blick hinter die technischen Kulissen sowie die aktive Mitarbeit.

Einen entsprechenden Versuch unternahmen auch die Entwickler des Mobiltelefons Neo900 [6], das als Nachfolger des legendären Nokia N900 gilt. Die Kampagne war erfolgreich, die Mindestsumme von 25.*000 Euro zur Produktion der Prototypen kam Anfang November 2013 zusammen (Abbildung 1). Nun suchen die Entwickler noch Sponsoren für die ersten 1000 Geräte, um den Preis pro Stück weiter zu drücken.

Abbildung 1: Erfolgsmeldung zur Vorfinanzierung des Neo900.

Michael Ossmann entwickelte das SDR-Funkmodul HackRF [7] für die Nutzung unterschiedlichster Radio- und Funkfrequenzen. Nebeneffekt der erfolgreichen Finanzierung via Kickstarter war die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, mit der er auf diese Weise sein Projekt bekannt machte. Auch das auf der Arduino-Plattform basierende UDOO-Board entwickelt sich dank der gleichen Plattform zum Erfolg [8].

Dirk Deimeke und Roman Hanhart moderieren und produzieren einen Podcast zu technischen Themen rund um Open Source [9] – bislang mit Erfolg. Um weitere Gäste in der Sendung begrüßen zu können, baten sie im November 2012 ihre Hörer um Unterstützung für die Reisekosten. Trotz aller Euphorie zeigte sich, dass der eingespielte Betrag die Kosten nicht immer vollständig abdeckt. Deimeke und Hanhart sehen Crowdfunding daher als ergänzenden Betrag, mit dem Sie zumindest bislang noch nicht vorausschauend kalkulieren.

Die Verwaltung beschreitet ebenfalls neue Wege: Das zeigt das Beispiel des Geoportals Schweiz [10]. Es informierte im Oktober 2013 über das erfolgreiche Umstellen auf die OpenLayer3-Bibliothek. Dabei steuerten Unterstützer mehr als 75 Prozent der erforderlichen Summe bei [11].

Crowdinvesting

Fiskalisch betrachtet zählt Crowdfunding zu den Beteiligungsmodellen. Es steht in einer Linie mit den Subskriptions- und Pränumerationsmodellen (Abonnement, Vorbestellung mit Vergünstigung) sowie dem Finanzieren über entsprechende Anteile (Vereine, Genossenschaften und Aktiengesellschaften). Das Prinzip ist identisch, nur die Beträge, die Haftungsrisiken und der Aufwand fallen niedriger aus.

Man unterscheidet zwischen spenden- und leihbasierter Unterstützung. Letzteres heißt Crowdinvesting ("Equity-Based Crowdfunding"), jedoch verleihen hier die Unterstützer ihre Hilfe und erhalten diese am Ende mit einem Mehrwert zurück. In allen Fällen gilt, dass jeder mit dem Anteil dazu beiträgt, der seinen Möglichkeiten entspricht. Ober- und Untergrenzen der Anteile hängen vom Projekt ab. Je nach Plattform fällt der Anteil entweder direkt nach der Zusage oder erst nach Abschluss der Kampagne an.

Zwei Varianten sind bislang verbreitet – mit und ohne erforderliche Mindestsumme. Bei der ersten Variante startet die Aktion, sobald die angepeilte Summe erreicht ist, ansonsten fallen die Anteile an die Unterstützer zurück. Die zweite Variante folgt dem Prinzip Hoffnung, und die Aktion läuft in jedem Fall. Die Finanzierung erfolgt dabei während der Umsetzung und geschieht in Form von Spenden. Ansgar Werner beschreibt dazu Näheres in seinem Buch "Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie" [12].

Als Ausgangspunkt der Aktion fungiert meist ein entsprechend hoher Leidensdruck und die Überzeugung der Unterstützer, dass mit dem Projekt vielen gedient ist. Nach dem Ende steht das Ergebnis häufig kostenfrei als Allgemeingut bereit.

Crowdfunding kam in der Vergangenheit vorrangig in den Bereichen Kunst und Kultur zum Einsatz, also bei Buchprojekten, Musik sowie Vor- und Aufführungen. Es taucht als eigenständiger Begriff in der gesellschaftlichen Diskussion erst seit etwa 2011 auf, obwohl es die Vorgehensweise seit Langem gibt.

Im Sprachgebrauch aus früherer Zeit sind die beiden Begriffe Mäzen und Sponsor verankert – also wenige Unterstützer mit größeren Anteilen. Im Gegensatz dazu basiert Crowdfunding auf eher kleineren Beiträgen in unterschiedlicher Höhe aus vielen Quellen und knüpft damit an den Stiftungs- und Wohlfahrtsgedanken an.

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