Alles in einem

Geht es ans Eingemachte, kommen Sie aber um Atop nicht herum. Neben der Auslastung von CPU, Speicher und Festplatte(n) gibt es die Intensität der Last für jede Schnittstelle in Prozent an. Im Vergleich zum eher schlichten Nethogs liefert es eine Fülle von Informationen zum gesamten System.

Atop benötigt ein zusätzliches Kernel-Modul, das nicht zum Umfang des Standard-Kernels zählt. Während mit früheren Versionen kein Weg am Patchen und Kompilieren eines Kernels vorbeiführte, bietet die Version 2 mit Netatop [13] die Möglichkeit, das Feature einfach über ein Modul zu ergänzen. Die Details dazu finden Sie im Kasten "Atop und Netatop selbst erstellen und einbinden".

Atop und Netatop selbst erstellen und einbinden

Viele Distributionen stellen die neue Atop-Version bislang nicht bereit, sodass nur der Weg bleibt, Atop und Netatop aus dem Quelltext selbst zu bauen. Laden Sie dazu von der Atop-Webseite unter Download Atop und Download Netatop die aktuellen Archive mit dem Quelltext zum Programm sowie das Modul in ein Verzeichnis herunter. Zum Redaktionsschluss waren atop-2.0.2.tar.gz und netatop-0.3.tar.gz aktuell.

Verwenden Sie eine RPM-basierte Distribution, dann laden Sie alternativ das passende Paket für 32- (i586) oder 64-Bit-Systeme (x86_64) von Atop herunter. Dieses gibt es jedoch nur als Quelltext. Da die kompilierte Version von Atop standardmäßig in /usr landet, verträgt sie sich nicht mit einer Version aus einem bereits installierten Atop-Paket. In dem Fall entfernen Sie zunächst das bestehende Paket vom System, kompilieren Atop selbst und schieben es danach an die richtige Stelle.

Atop verwendet seinerseits die Bibliotheken Zlib und Ncurses, die Sie bei DEB-basierten Distributionen in den Paketen zlib1g-dev und libncurses5-dev finden. Für OpenSuse führt eine Suche auf http://software.opensuse.org ein passendes Paket aus dem Server Monitoring-Projekt auf.

Nach dem Entpacken des Atop-Quelltexts kompilieren Sie das Programm mit einem Aufruf von make im ausgepackten Verzeichnis. Nur der letzte Schritt – die Installation des übersetzten Programms mit make install – benötigt Root-Rechte. Die Quellen zu Netatop entpacken Sie auf die gleiche Art und Weise. Für die Kompilation benötigen Sie die Header-Dateien des aktuellen Kernels aus dem Paket linux-headers-Version. Die aktuelle Versionsnummer stellen Sie gegebenenfalls über den Aufruf uname -r fest.

Den Netatop-Quelltext übersetzen Sie wiederum zunächst mit make und installieren das Modul danach via make install als Benutzer root. Als finalen Schritt laden Sie es mittels modprobe netatop. Danach stehen dessen Funktionen in Atop bereit. Benötigen Sie Netatop später nicht mehr, entfernen Sie es über den Aufruf modprobe -r netatop wieder aus dem Kernel.

Nach der erfolgreichen Installation starten Sie Atop und drücken die Taste [N], um zur Netzwerk-Ansicht zu wechseln. In der Spalte NET zeigt das Tool den prozentualen Anteil des jeweiligen Prozesses am Verkehr an, der auf der Gesamtsumme von eingehenden und ausgehenden Daten basiert.

Die Spalten BANDWI (für bandwidth incoming) und BANDWO (für bandwidth outgoing) zeigen die genutzte Bandbreite für eingehenden und ausgehenden Datenverkehr. Das Zuordnen zum jeweiligen Prozess gelingt über die erste und letzte Spalte, die die Prozess-ID und den Programmaufruf enthalten. Die restlichen Spalten schlüsseln die Pakete getrennt nach TCP- und UDP-Paketen auf.

Die beiden Felder TCPSND und TCPRCV zeigen die Anzahl der gesendeten und empfangenen TCP-Pakete, TCPRASZ und TCPSASZ stehen hingegen für deren durchschnittliche Größe. Die Felder für UDP folgen dem gleichen Benennungsschema.

In Abbildung 2 teilen sich der PlaneShift-Client, der Newsreader Akregator und ein apt-get update die Schnittstelle. Der PlaneShift-Client psclient.bin verwendet nur kleine UDP-Pakete, Akregator greift via HTTP-KIO-Modul auf den Privatsphären-Proxy Privoxy zu, und die http-Threads gehören zu Apt-get.

Abbildung 2: Atop schlüsselt auf, wie viel Bandbreite der PlaneShift-Client, der Newsreader Akregator beim Aktualisieren der Feeds sowie ein apt-get update benötigen.

Atop zeigt standardmäßig immer alle Schnittstellen, über die Datenverkehr läuft, sowie alle Prozesse, die solchen verursachen. Mit [S] filtern Sie nach Disks, logischen Laufwerken und Schnittstellen, mit der Taste [P] nach Prozessen. Atop verwendet dabei reguläre Ausdrücke. In Abbildung 2 blendet Atop beispielsweise Platten und logische Laufwerke aus.

Zeitbasierte Übersicht

Für Zugänge oder den eigenen dedizierten Server mit Volumentarif eignen sich Programme, die die übertragene Datenmenge eines Tages, einer Woche oder eines Monats anzeigen und darüber hinaus eine Schätzung zum erwarteten Datenvolumen für ein Zeitfenster liefern.

Zwar bietet auch Atop Berichte für einen Zeitraum, summiert seine Reports jedoch nicht bezogen auf Schnittstellen auf. Daher kommt zunächst das Befehlszeilenprogramm Vnstat ins Spiel. Technisch gesehen läuft es mit den Rechten eines normalen Benutzers. Es hat sich aber eingebürgert, über den mit Root-Rechten versehenen Dienst Vnstatd die Daten in einem kompakten Binärformat in die Datei /var/lib/vnstat/Schnittstelle zu schreiben.

Für jedes zu überwachende Interface legen Sie zunächst mit dem Befehl vnstat -u -i Schnittstelle eine separate Datenbank an. Ein service vnstat start startet den Dienst zum Aufzeichnen. Rufen Sie das Programm ohne Parameter auf, erhalten Sie eine Übersicht (Listing 2).

Listing 2

# vnstat
                   rx      /      tx      /     total    /   estimated 
 eth0:
     Dec '13     3.75 GiB  /  298.87 MiB  /    4.04 GiB  /    7.67 GiB
   yesterday   110.05 MiB  /   12.09 MiB  /  122.14 MiB
       today   134.50 MiB  /    6.67 MiB  /  141.17 MiB  /     188 MiB
 wlan0:
     Dec '13    11.35 MiB  /    1.42 MiB  /   12.77 MiB  /   21.00 MiB
   yesterday        0 KiB  /       0 KiB  /       0 KiB
       today        0 KiB  /       0 KiB  /       0 KiB  /      --

Für jede vorher von Ihnen festgelegte Schnittstelle protokolliert das Tool die Daten und gibt diese nach dem Aufruf spaltenweise aus. Während die erste Spalte den Zeitraum beinhaltet, zeigen die beiden folgenden die Menge der empfangenen sowie gesendeten Daten und die vierte Spalte die Gesamtsumme. Zusätzlich schätzt die Software, wie viel Datenverkehr bis zum Ende des angegebenen Monats über die Leitung geht (letzte Spalte).

In Bezug auf Mobil-Zugänge empfiehlt es sich jedoch trotzdem, die Übersicht des Anbieters regelmäßig zu prüfen, um Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Zählweisen rechtzeitig zu bemerken. Ein wenig Puffer bis zum maximalen Limit schadet häufig nicht, um auf der sicheren Seite zu bleiben.

Standardmäßig zeigt Vnstat die Daten für die letzten zwei Tage und eine Übersicht über den Monat. Mit der Option -i Schnittstelle begrenzen Sie die Ausgabe auf das angegebene Interface. Mit der Option -w erhalten Sie eine Übersicht über die Woche, mit -h eine Stundenübersicht samt einem ASCII-Grafik (Abbildung 3). Eine Schnittstelle, die durch Pakete zu mehr als 90 Prozent ausgelastet ist, markiert Atop in roter Farbe als kritisch.

Abbildung 3: Eine stündliche Übersicht mit Vnstat mit einem Peak beim Daten-Empfang zwischen 15 und 16 Uhr.

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