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© Todd Arena, 123RF

Spürnase im Netz

Programme zum Bandbreiten-Monitoring

16.01.2014
,
Viele Programme kommunizieren über das Netz. Herrscht hier Stop-and-go, ist es gut zu wissen, wo die Ursache liegt.

Klemmt es mal wieder im lokalen Netzwerk, schreit jeder nach einer schnellen Lösung. Mit einigen kleinen Helfern begeben Sie sich umgehend auf die Suche nach den Bremsern im LAN und machen diese mit ein wenig Geschick und dem richtigen Know-how im Handumdrehen aus.

In einem Beitrag in Ausgabe 06/2013 [1] haben Sie bereits erfahren, welche Tools Sie bei der Realtime-Analyse und verbindungsorientierten Suche unterstützen. Dabei spielen die Programme Iptraf, Ifstat, Tcpstat, Bmon und Pktstat ihre Stärken aus. Legen Sie diese Ergebnisse zugrunde, haben Sie mittels Nethogs [2] und Atop [3] schnell den Prozess gefunden, der den Datenverkehr verursacht.

So gut die Werkzeuge zur Analyse in Echtzeit die Frage beantworten, was aktuell auf dem Linux-System los ist, so wenig eignen sie sich für einen Überblick über längere Zeit. Eine Antwort auf Fragen wie "Wie viel Verkehr haben Clients und Netzwerk-Dienste in der letzten Woche produziert?" oder "Wer hat letzte Nacht um 2 Uhr die Leitung dicht gemacht?" setzt voraus, dass Sie ständig den Datendurchsatz und die Messwerte im Blick behalten.

Programme wie Vnstat [4], Ntop [5], Darkstat [6] und Bandwidthd [7] helfen Ihnen bei diesem Unterfangen sowie beim Aufschlüsseln nach Protokollen und Prozessen. Einige der genannten Werkzeuge bieten zudem eine webbasierte Oberfläche und eignen sich daher ideal für die Installation auf einem Router oder Server. Das gestattet eine belastbare Aussage beim schnellen Blick zwischendurch.

Auf die Schnelle

Geht es lediglich darum, mit einem einzigen Blick auf der Konsole zu sehen, über welche Schnittstellen besonders viel Datenverkehr läuft, bieten sich Netstat [8], Nload [9] und Nicstat [10] an. Während die ersten beiden seit Jahren zu den Standardwerkzeugen unter Linux gehören, ist das dritte eher Nutzern von (Open)Solaris vertraut. Inzwischen stehen auch passende Debian-Pakete für 64-Bit-Systeme bereit.

Nicstat schlüsselt die Messwerte nach Schnittstelle (Listing 1, zweite Spalte) sowie empfangener und gesendeter Datenmenge pro Sekunde (dritte und vierte Spalte), durchschnittlicher Anzahl Pakete pro Sekunde (fünfte und sechste Spalte) sowie Paketgröße (die beiden letzten Spalten) auf.

Listing 1

merkaba:~> nicstat
    Time      Int   rKB/s   wKB/s   rPk/s   wPk/s    rAvs    wAvs %Util    Sat 
19:53:07     eth0    2.39    0.11   11.64    0.88   210.4   127.4  0.02   0.00
19:53:07       lo    0.34    0.34    0.20    0.20  1719.8  1719.8  0.00   0.00
19:53:07    wlan0    0.01    0.00    0.05    0.00   169.7   155.4  0.00   0.00

Die letzten beiden Spalten zeigen den Grad der Nutzung sowie die Saturierung. Listing 1 macht deutlich, dass die meisten Daten über eth0 fließen, die größten Pakete aber über das Loopback-Device lo. Die WLAN-Schnittstelle wlan0 scheint inaktiv.

Unter der Haube

Für den Einsatz des Programms Nethogs brauchen Sie Root-Rechte. Es sammelt zunächst nur Informationen über die Schnittstelle eth0, weitere Optionen geben Sie im Aufruf als Parameter an.

Das Tool zeigt daraufhin eine Liste der Prozesse, die Bandbreite im Netzwerk belegen (Abbildung 1). Es sortiert dabei die Ausgabe absteigend nach Verbrauch oder Last und aktualisiert die Anzeige jede Sekunde. Über die Option -d Wert legen Sie ein anderes Intervall fest, wie -d 5 für das Neuberechnen alle fünf Sekunden.

Abbildung 1: Nethogs im Einsatz – hier mit SSH, Opera samt Audio/Video-Plugin und dem Netzwerkdienst Dropbox.

Die Anzeige von Nethogs umfasst sechs Spalten – die Prozess-ID (PID), den Eigentümer des Prozesses, den Programmaufruf, die verwendete Netzwerkschnittstelle sowie die darüber gesendeten und empfangenen Daten. Über [M] ändern Sie die Anzeige der letzten Spalte in kbit/s oder die Gesamtsumme in Byte, KByte oder MByte.

Mit [R] und [S] sortieren Sie die Ausgabe nach empfangenen (received) beziehungsweise gesendeten (sent) Daten. Den Prozess, der auf der Leitung Amok läuft, identifizieren Sie über die PID und haben so die Möglichkeit, diese im Falle eines Falles gezielt zu beenden oder zu pausieren.

Derzeit analysiert Nethogs nur TCP-Verbindungen. Auf UDP basierende Dienste wie Bittorrent bleiben bislang außen vor [11]. Mögen Sie die Textvariante nicht, steht ein Plugin namens BusyTasks [12] bereit, das sich ins KDE-Plasmoid integriert und Nethogs als Backend nutzt.

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