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© Medialinx AG

Fedora 20 im Kurztest

Wieder auf Kurs

Nach einer Schlingerfahrt in Sachen Stabilität findet das Fedora-Projekt mit dem aktuellen Release "Heisenbug" wieder zu einem stabilen Kurs zurück und nimmt neue Fahrt auf.

Fedora-Kenner wissen, dass Verzögerungen bei der Community-Distribution von Red Hat eher die Regel als die Ausnahme darstellen. Insofern liegt Fedora 20, Codename Heisenbug [1] mit seinen gerade mal drei Wochen Verzug im Vergleich zu neun Wochen bei Fedora 18 gut im Rennen.

Unter Fedora-Anwendern gibt es in Anbetracht eines sehr ausgereiften Fedora 19, das als Fundament für das kommende Red Hat Enterprise Linux 7 dient, keinen dringenden Bedarf für ein Update. Die Erwartung von außen dürfte dagegen angesichts der prestigeträchtigen Versionsnummer ungleich größer sein. Das Release fällt fast zeitgleich mit dem zehnten Geburtstag des von Red Hat initiierten Fedora-Projektes (6. November) zusammen.

Abseits von Datum- und Versionsmystik warten viele auf das Release, weil nur wenige andere Distribution die Möglichkeit bieten, mit künftigen Red-Hat-Features zu experimentieren. Dazu gehören oVirt 3.3.1 (das quelloffene RHEV-Pendant), FreeIPA oder fortgeschrittene Server-Funktionen, wie OpenStack Havana, Apache Hadoop 2.x, aber auch ein verbesserter Virt-Manager, der unter anderem VM-Snapshots aus der grafischen Oberfläche heraus erlaubt.

Für den Test stand allerdings der Einsatz als Allround-Distribution mit Schwerpunkt auf dem Desktop im Fokus. Das Änderungsprotokoll [2] gibt ausführlich Auskunft über weitere Funktionen; weitere Details finden sich in der Nachricht zur Veröffentlichung [3].

Fedora 20 liegt in verschiedenen Varianten [4] vor, etwa als Installations-DVD, als installierbare Live-CD mit Standard-Gnome-Desktop [5], sowie in Form verschiedener Live-Medien und als "Spins" mit KDE-, LXDE- oder XFCE-Desktop [6]. Ferner stehen alle Versionen in der vollständigen Repo-Übersicht [7] bereit. Auf dem Datenträger der Media-Ausgabe finden Sie die Standard-DVDs als 32- und 64-Bit-Version.

Anaconda

Der seit Fedora 18 im Umbau befindliche Installer Anaconda funktioniert inzwischen weitgehend problemlos. Wer sich bei den Vorgängern an den ungewöhnlichen Ablauf und den Bruch mit erprobten Standards gewöhnt hat, der vermag dem in seiner Schlichtheit an Gnome erinnernden Installer durchaus etwas abzugewinnen.

Als Standard-Desktop fungiert Gnome 3.10.1, dessen Neuerungen in Form des überarbeiteten Status-Menüs rechts oben sowie der wie Smartphone-Apps anmutenden Gnome-Anwendungen Notes, Musique und Photos sich inzwischen herumgesprochen haben sollten.

Neu ist die Musique-App zum Abspielen und Teilen vom Musik, ebenso wie Maps, eine Anwendung zum Anzeigen von Kartenmaterial, das auf OpenStreetMap (OSM) aufsetzt und von neuen Geolocation-Framework in Gnome 3.10 profitiert.

Weitere Neuerungen, wie etwa der Support für Owncloud in Documents, erleichtern die Arbeit im Alltag, sind aber nicht spezifisch für Fedora 20. Das gilt auch für die Drag & Drop-Unterstützung von Dateien zwischen Host und Gast im Virtualisierungswerkzeug Boxes. Dies funktioniert für Windows-Guests allerdings erst nach dem Installieren der Spice-Guest-Tools [8]. Bei Linux genügt ein Update des Pakets spice-vdagent, allerdings bevorzugen die meisten Gnome-User ohnehin Virtualbox.

Ebenfalls neu, aber weniger auffällig sind eine verbesserte Oberfläche von Contacts, ein neu gestaltetes Gnome-Tweak-Tool und mit Flickr ein weiterer Provider in Gnome Online Accounts. Das ermöglicht es, aus Gnome beziehungsweise der Foto-Anwendung heraus komfortabel auf die Daten beim Online-Dienst zu zugreifen.

Wieder Fedora-spezifisch ist ein neues, auf dem Backend PackageKit basierendes Gnome-Tool mit dem Namen Software, das das Suchen, Installieren oder Entfernen von Programmen im Stil des Software-Centers von Ubuntu ermöglicht. Wie Ubuntus Software-Verwaltung orientiert sich das neue Tool nicht an Paketen, sondern stellt Anwendungen in den Fokus. Das erleichtert insbesondere Einsteigern das Installieren und Pflegen von Software.

Das Programm zeigt daher jeweils nicht nur eine Beschreibung, sondern zusätzlich das jeweilige Icon und – sofern vorhanden – einen Screenshot, sowie künftig die Bewertungen der Anwender und bezieht diese Informationen über den relativ neuen Appdata-Mechanismus.

Läuft alles nach Plan, wandert der unter dem Dach des Gnome-Projekts entwickelte Gnome Application Installer als offizieller Bestandteil in die künftige Gnome-Version 3.12 und auf diesem Weg in andere Distributionen. Das neue Tool dient auch zum Einspielen von Aktualisierungen.

Alternativ zu Gnome 3.10.1 steht die aktuelle KDE-Version Plasma Workspaces 4.11 bereit [9]. Fedora 20 verwendet nicht mehr KDM als Default-Displaymanager für diesen Desktop, sondern SDDM [10]. Da KDM zurzeit ein Betreuer fehlt, diskutiert auch die KDE-Community, künftig auf die Software zu verzichten.

Der Qt5-kompatible SDDM weist nur wenige Abhängigkeiten auf und funktioniert daher theoretisch mit Wayland. Die Gnome Shell dient derzeit als Standard-Desktop. Allerdings veröffentlichte Red Hat in diesen Tagen die erste Beta des kommenden RHEL 7 mit Gnome 3 Classic als Standard-Desktop. Er steht auch unter Fedora 20 als Option bereit.

Apropos Gnome Classic: Der Desktop bietet in erster Linie ein vertrautes, an Gnome 2 angelehntes Interface, aber keine Fallback-Lösung für nicht vorhandene 3D-Unterstützung. Der Classic Mode basiert nach wie vor auf dem Llvmpipe-Treiber (Abbildung 1), der auf der Gallium-Schnittstelle von Mesa3D aufsetzt. Interessanterweise läuft Fedora 20 mit Llvmpipe-Grafik-Stack in einer virtuellen Maschine mit immerhin akzeptabler Performance, ganz anders als ein in dieser Hinsicht nahezu unbrauchbares Unity unter VirtualBox.

Abbildung 1: Der Grafik-Stack von Gnome 3.10 setzt bei fehlender OpenGL-Unterstützung auf Llvmpipe.

Gegenüber Fedora 19 nicht aktualisiert haben die Entwickler die Desktops Mate 1.7, Enlightenment E17 und Cinnamon 2.0. Ebenfalls unverändert finden sich in den Repositories LXDE 0.5.5, XFCE 4.10 sowie Openbox 3.5.2.

Unter der Haube

Mit dem ersten Update rutscht für den installierten Kernel 3.11.6-301 die aktualisierte Version 3.12.5 nach. Bei der Gelegenheit aktualisiert sich die Gnome-Shell auf Version 3.10.2.

Nach Ansicht der Fedora-Entwickler ist ein Mail Transfer Agent beim Gros der Nutzer einer modernen Distribution überflüssig. Folglich flog Sendmail aus der Standardinstallation. Wer Sendmail oder Postfix zum Betrieb eines Mailserver braucht, installiert diese einfach nach.

Darüber hinaus installiert Fedora 20 den Syslog-Daemon Rsyslog nicht mehr, weil sich jetzt das Journal von Systemd um das Protokollieren von Ereignissen kümmert. Wer regelmäßig die Nachrichten des Systems überprüft, sattelt auf das neue Journalctl von Systemd um, das äquivalente Lösungen für die gängigen Anwendungsfälle bietet.

Ebenfalls neu in Fedora 20: Es gibt eine Infrastruktur zum gemeinsamen Einsatz von Zertifikaten für verschiedene Krypto-Bibliotheken. Das vereinfacht das mehrfache Vorhalten und Verwalten unterschiedlicher Zertifikate für jedes einzelne Verschlüsselungstool.

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