Simple Sache

Simplicity Linux 13.10

19.12.2013
Das Puppy-Derivat Simplicity Linux möchte durch spezialisierte Software und ein moderneres Erscheinungsbild Nutzer, insbesondere die Besitzer älterer Hardware, ansprechen.

Puppy Linux hat sich in den letzten Jahren zu einem erstklassigen, universell einsetzbaren Betriebssystem für ältere Hardware gemausert. Dank sorgfältiger Pflege und Weiterentwicklung arbeitet es auch auf aktuellen Systemen zügig und stabil.

Trotzdem gibt es noch Verbesserungsbedarf für Anwender, die das System beispielsweise auf einem Netbook oder als Media Center nutzen wollen. Auch Desktop-Nutzer, die Software wie Gimp oder LibreOffice einsetzen möchten, haben beim originalen Puppy einen erhöhten Installationsaufwand.

Das aus Großbritannien stammende Simplicity-Linux-Projekt (http://simplicitylinux.org) hilft diesem Manko durch spezielle Editionen ab, die es auf die Bereiche Netbook, Mini-Distribution und Desktop zuschneidet. Zusätzlich befindet sich aktuell noch eine Media-Variante in Entwicklung, die aus einem betagten System ein Media-Center macht.

Desktop

Simplicity Linux kommt in der stabilen Variante 13.10 als Desktop-System mit einem lediglich rund 350 MByte großen ISO-Image, die Netbook-Variante und die Obsidian genannte Mini-Distribution umfassen als ISO sogar nur rund 180 MByte.

Das von uns getestete Desktop-System startet nach Anlage eines bootfähigen Mediums wie Puppy als Live-Betriebssystem, als Arbeitsoberfläche fungiert LXDE. Mit einer am unteren Bildschirmrand aufklappenden animierten Starterleiste und einer horizontalen Panelleiste am oberen Bildschirmrand erinnert das System optisch an Mac OS X.

Die Verwaltungs- und Konfigurationstools übernimmt Simplicity größtenteils von Puppy. Unmittelbar nach dem Start fragt das Betriebssystem in einem grafischen Dialog die Lokalisierung ab, mit wenigen Mausklicks stellen Sie die deutsche Tastaturbelegung und Zeitzone ein. Gleichzeitig möchte Simplicity eine Verbindung zur Dropbox-Cloud herstellen. Unterhalten Sie dort kein Konto, brechen Sie den entsprechenden Dialog einfach ab.

Die Warlock Bar am unteren Bildschirmrand fasst alle wichtigen Applikationen und Konfigurationsmenüs zusammen. Im Gegensatz zu herkömmlichen LXDE-Desktops bietet Simplicity Linux kein konventionelles Startmenü in der Taskbar, sondern offeriert in der Warlock Bar unten links einen Starter mit Pinguin-Symbol, der den Application Finder aufruft. Dieser führt ähnlich wie das klassische KDE-Menü sämtliche installierten Applikationen in Untergruppen auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Application Finder dient unter Simplicity Linux als Startmenü für alle installierten Programme.

In der Applikationsauswahl der Warlock Bar finden Sie neben einigen für ein Puppy-Derivat unüblichen Paketen wie LibreOffice und Skype auch den Multimedia-Player VLC und die Windows-Laufzeitumgebung Wine.

Außerdem gibt es hier einen Zugang zum Cloud-Dienst OnLive, womit Simplicity Linux auch das Online Gaming aus der Cloud heraus ermöglicht, ohne dass Sie Spiele und Programme umständlich auf der heimischen Festplatte installieren müssen. Allerdings ist dazu auch entsprechend unterstützte Hardware nötig. Bei unseren Tests auf unterschiedlichen Maschinen auch aktuellster Generationen entpuppte sich die teils fehlende Pixel-Shader-2.0-Unterstützung als Hemmnis, sodass OnLive erst gar nicht startete.

Unter Kontrolle

Während sich bei vielen anderen kleineren Distributionen die Programme zum Konfigurieren und Verwalten des Systems über mehrere Menüs verstreuen, bietet Simplicity Linux mit PupControl ein zentrales Verwaltungstool. Sie finden es unten rechts in der Warlock Bar.

PupControl ermöglicht das bequeme grafische Management des gesamten Systems, wobei verschiedene Untergruppen in einer im Programmfenster oben horizontal angeordneten Reiterleiste eine sinnvolle Unterteilung vornehmen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Konfiguration und Verwaltung von Simplicity Linux gestalten sich dank der Kontrollzentrale PupControl unkompliziert.

PupControl nutzt nahezu den gesamten Fundus an Puppy-eigenen Verwaltungsapplikationen. Da es für viele Arbeiten wie beispielsweise die Netzwerkkonfiguration gleich mehrere Programme vorhält, können Sie hier oft zwischen mehreren Alternativen wählen.

Positiv fällt auf, dass Simplicity Linux eine umfassende Datenbank an Firmware-Dateien für proprietäre Hardware mitbringt. Daher spricht es beispielsweise Intel-WLAN-Karten aus dem Stand korrekt an.

Software-Installation

Wie seine Basis Raring Puppy ist Simplicity Linux binärkompatibel zu Ubuntu und kann daher auf dessen enormen Softwarebestand zurückgreifen. Zusätzlich unterstützt der grafische Installer auch Puppy-eigene Repositories, sodass die Auswahl schnell unübersichtlich wird.

Daher gibt es mit Quickpet ein zweites Tool zur Software-Einrichtung, das viele der am häufigsten genutzten Programme zur Schnellinstallation anbietet. Mit den am oberen Rand des Programmfensters horizontal angeordneten Reitern mit Untergruppen finden Sie die gewünschte Software schnell. Ein Mausklick packt dann das ausgewählte Programm auf die Platte, bestehende Abhängigkeiten löst der Installer automatisch auf.

Da Simplicity Linux dabei im Hintergrund auf das Programm Wget zugreift, können Sie den Fortschritt der Installation in Echtzeit verfolgen: Zum Download öffnen sich mehrfach Terminals, in denen Wget jeweils den Installationsfortschritt anzeigt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zur Schnellinstallation gängiger Software dient unter Simplicity Linux das Tool Quickpet.

Mit dem Puppy Package Manager steht unter Simplicity Linux auch ein regelrechter Paketmanager bereit. Er integriert bereits von Haus aus das Puppy-Repository und die Ubuntu-Softwaresammlungen Main, Multiverse und Universe. Damit stehen mehr als 30 000 Programme zur bequemen Installation per Mausklick zur Verfügung (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Paketmanager von Simplicity Linux greift sowohl auf die Puppy- als auch auf die Ubuntu-Paketquellen zu, sodass 30 000 Programme zur Auswahl stehen.

Nachhaltig

Zur dauerhaften Installation auf der Festplatte beschreitet Simplicity Linux einen etwas ungewöhnlichen Weg: Sie finden weder im Application Finder noch auf dem Desktop einen Starter zur Installation. Stattdessen versteckt sich die entsprechende Routine im Reiter Install von PupControl.

Hier klicken Sie auf den Puppy Universal Installer, der die Distribution auf die Festplatte oder SSD packt. Daneben gibt es hier auch die Option, durch Anklicken von F2FS das Puppy-Derivat auf einen Flash-Stick zu installieren. Zusätzlich können Sie über den Eintrag Boot Flash einen startfähigen USB-Stick generieren.

Daneben integriert PupControl unterschiedliche Einstellmöglichkeiten für das Energiesparen vor allem auf mobilen Rechnern, darunter ein CPU Frequency Scaling sowie ein Laptop Tool für das Einstellen der Bildschirmhelligkeit.

Fazit

Simplicity Linux bietet alle Annehmlichkeiten von Puppy Linux, spezialisiert sich jedoch dabei auf unterschiedliche Anwendungsszenarien. In der getesteten Desktop-Variante schließt das System in Sachen Software-Ausstattung zu den gängigen Distributionen auf, ohne dass darunter die Leistung auf älterer Hardware leidet. Der optisch ansprechende Desktop zeigt zudem, dass ein modernes Outfit nicht unbedingt enorme Hardware-Ressourcen beanspruchen muss.

Weniger gut gefällt die teils lückenhafte deutsche Lokalisierung. Verbesserungsbedarf besteht auch noch bei der Bildschirmansteuerung: Auf Laptops mit 4:3-Monitor und einer für ältere Hardware typischen Auflösung von 1024 x 768 Punkten fällt die Warlock Bar zu breit aus, sodass die jeweils ganz rechts und links angeordneten Icons teilweise im Off verschwinden. 

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