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© KrishnaKumar Sivaraman, 123RF

Digitales Fernsehen unter Linux

TV digital

Wer heute am heimischen PC oder Laptop TV-Sendungen sehen will, kommt kaum mehr am De-facto-Standard DVB vorbei. Wir zeigen Ihnen, was Sie dabei beachten müssen.

Digital Video Broadcast, kurz DVB, stellt den derzeitigen Übertragungsstandard für digitale Fernseh- und Rundfunkübertragungen in Europa dar. Was beim TV-Gerät über einen eingebauten Digitalempfänger oder eine separate Set-Top-Box funktioniert, rüsten Sie am Computer über einen USB-Stick oder eine Einsteckkarte nach.

Anders als Set-Top-Boxen sorgen USB-Sticks oder Steckkarten meist nur für den Empfang des Signals, der Rechner übernimmt die Aufgabe der Dekodierung und Darstellung. Eine Ausnahme bilden hier die sogenannten Full-Featured-Karten, doch dazu später mehr.

Die Übertragungstechnik

DVB bietet in Europa mehrere Übertragungswege, die sich hauptsächlich durch die verwendete Art der Modulation unterscheiden. Die drei am häufigsten anzutreffenden sind DVB-T ("Terrestrial"), DVB-S ("Satellite") und DVB-C ("Cable").

Der in den 90er-Jahren entwickelte Standard erfährt mittlerweile eine Überarbeitung, die sich durch den Namenszusatz "2" wie in DVB-T2 ausdrückt. Der Nachfolgestandard zeichnet sich durch das Verwenden verbesserter Kodierungs-, Modulations- und Fehlerkorrekturverfahren aus, was die Datenrate um bis zu 30 Prozent steigert. Bei der Datenkompression setzt der neue Standard zum Beispiel auf H.264 mit MPEG-4 anstatt auf MPEG-2.

Es gibt bereits mehrere Transponder auf verschiedenen Satelliten, die im DVB-S2-Modus senden, DVB-C2 läuft seit Mitte des Jahres in Berlin im Modellversuch. Die Einführung von DVB-T2 dauert noch etwas, ARD und ZDF wollen erst ab dem Jahr 2017 darauf umsteigen.

Ein weiterer Standard, der zukünftig sicher eine breitere Bekanntheit erlangen wird, ist DVB-H. Er eignet sich für das asynchrone terrestrische Übertragen auf mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Das H im Namen steht hier für Handhelds.

Der neue Standard bedient sich bereits jetzt moderner Bilddaten-Reduktion mittels H.264. Für die Zukunft sind bereits weitere Entwicklungen standardisiert: So sollen zukünftig DVB-RCC ("Return Channel for Cable") und DVB-RCS ("Return Channel for Satellite") mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s empfangen und über einen Rückkanal mit bis zu 2 Mbit/s verfügen.

Die richtige Hardware

Um Fernsehen oder Rundfunk per DVB am Computer abzuspielen, benötigen Sie ein Gerät, dass mindestens den Empfang des Signals übernimmt. Dabei kann es sich entweder um einen USB-Stick oder um eine PCI(e)-Karte handeln.

Nach wie vor funktionieren zwar viele, aber bei Weitem nicht alle im Handel angebotenen Lösungen unter Linux. Suchen Sie also eine Lösung, die ohne vorheriges Kompilieren der Treiber funktioniert, dann sollten Sie im Vorfeld ein wenig recherchieren.

Dabei gilt es, darauf zu achten, dass die Quelle der Informationen regelmäßige Pflege erfährt: Hardware-Hersteller tauschen oft Gerätekomponenten gegen günstigere Alternativen aus, was sich zwar in geänderten Revisionsnummern auf der Verpackung ausdrückt, Ihnen im Laden aber nicht hilft. Bei der Kompatibilitätsauszeichnung auf dem Karton taucht der Begriff Linux auch in den allerwenigsten Fällen auf. Fachpersonal, das über das freie Betriebssystem Bescheid weiß, ist noch seltener zu finden.

Hersteller, die ihre Hardware auch unter Linux testen und passende Treiber direkt mitliefern, stellen generell die Ausnahme dar – im Fall von DVB fand sich bei unserer Recherche nur ein einziger: Wer bereit ist, einen Multi-Standard-DVB-Stick aus dem oberen Preissegment zu erwerben, erhält bei der Firma Sundtek [1] unter Linux getestete DVB-Sticks samt Firmware auf CD.

Für die mit den DVB-T-Sticks mitgelieferten Antennen gilt generell, dass sie zwar zum mobilen Empfang am Notebook ausreichen, für stationären TV-Genuss zu Hause eignet sich eine verstärkte Hausantenne jedoch besser.

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