AA_PO-24794-binkski_123RF.jpg

© binkski, 123RF

Raspberry Pi als Datei- und Drucker-Server

Zentrallager

Dank seines geringen Stromverbrauchs eignet sich der RasPi optimal für den Einsatz als rund um die Uhr laufender Home-Server. Dabei lässt er sich innerhalb kürzester Zeit sehr flexibel an die eigenen Wünsche anpassen.

Selbst Privathaushalte sind heutzutage vernetzt: Über das lokale Wireless-Netz tauschen nicht nur die Desktop-PCs von Familien- oder WG-Mitgliedern untereinander Daten aus, sondern auch Tablets und Smartphones interagieren darüber. Da mutet es eher anachronistisch an, wenn man einen gemeinsamen Drucker nur nutzen kann, indem man einen USB-Stick mit den benötigten Dokumenten füllt und zum Drucker bringt. Selbst in Privatwohnungen haben sich deswegen inzwischen Print-Server durchgesetzt.

Doch mit welcher Lösung setzt man dies alles schnell, kostengünstig und im Bedarfsfall trotzdem flexibel auf? Dafür stellt der Raspberry Pi eine gute Lösung dar: Seine Anschaffungskosten kann man vernachlässigen, die Stromaufnahme bleibt gering. Die gewünschten Datei- und Druckdienste konfigurieren Sie mit wenig Zeitaufwand und einer handvoll Konsolenkommandos.

Grundlage

Laden Sie die neueste Version von Raspbian von http://www.raspberrypi.org/downloads herunter und flashen diese auf eine SD-Karte. Für die allerersten Konfigurationsschritte sollten Sie der Einfachheit halber den RasPi an einen Monitor anschließen. Beim ersten Booten von der frisch beschriebenen SD-Karte landen Sie in einem Dialog, der ein paar grundlegende Einstellungen anbietet. Sie können ihn zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit erneut über den Konsolenbefehl sudo raspi-config aufrufen.

Bei jeder Raspbian-Neukonfiguration empfiehlt es sich, das Root-Passwort über den Menüpunkt change_pass zu ändern sowie den Speicherplatz der SD-Karte mittels des Punkts expand_rootfs komplett auszunutzen. Da Sie einen Server aufsetzen, ist jedoch auch der Punkt Boot Behaviour wichtig: Setzen Sie hier Boot straight to desktop nicht auf No setzt, verbraten Sie unnötig Ressourcen. Bei der Auswahl ssh rät es sich darüber hinaus an, Enable SSH-Server auszuwählen, damit Sie den RasPi von nun an "headless" nutzen können, also ohne Monitor.

Damit Sie wissen, unter welcher IP-Adresse der RasPi im LAN zu erreichen ist, geben Sie noch ifconfig ein und notieren die Angabe hinter inet addr:. Fahren Sie nun das Gerät herunter und platzieren Sie es an seinem künftigen Platz – beispielsweise neben dem Router, an den es dann mittels Netzwerkkabel angeschlossen wird. Ansonsten benötigt der RasPi nur noch ein Stromkabel zur Spannungsversorgung. Nach dem Einschalten des Raspberrys setzen Sie sich an einen Client im Netz und melden sich von dort aus auf dem Minicomputer ein:

$ ssh pi@192.168.2.129)

Die IP-Adresse in obigen Beispiel ersetzen Sie durch jene, die Sie eben als Ausgabe von ifconfig notiert haben. Falls Sie das Standard-Passwort des Benutzers pi geändert haben sollten, verwenden Sie dieses statt der Raspian-Vorgabe raspberry bei der Anmeldung.

Denken Sie auch daran, im Router des LANs einzustellen, dass dessen DHCP-Server dem RasPi von nun an immer dieselbe IP-Adresse zuteilen soll. Im den folgenden Beispielen gehen wir davon aus, dass die IP 192.168.2.129 lautet. Ersetzen Sie diese immer jeweils durch die in Ihrem LAN gültige.

Externer Speicher

Theoretisch könnten Sie für den File-Server ausschließlich den Platz auf der SD-Karte verwenden, von der auch das System bootet. Der dürfte allerdings in den meisten Fällen nicht ausreichen, insbesondere, wenn Sie auch Videos, Musik oder Backups ablegen möchten. Dieses Problem lösen Sie mit einem permanent angeschlossenen USB-Stick beziehungsweise einer externen USB-Festplatte.

Dazu formatieren Sie das externe Speichermedium mit einem von Linux unterstütztem Dateisystem wie Ext4. Nach dem Anstöpseln des Massenspeichers an den USB-Port des Raspberry Pi rufen Sie auf der Konsole dmesg auf. Dies liefert den aktuellen Message Buffer des Kernels zurück. Gegen Ende der Ausgabe finden Sie eine Zeichenkette des Strickmusters sda: sda1 (siehe Abbildung 1). Sie zeigt an, unter welchem Kürzel (in unserem Beispiel sda1) das Betriebssystem die Partition auf dem USB-Stick anspricht.

Abbildung 1: Das Kommando dmesg hilft beim Finden des USB-Sticks.

Rufen Sie nun sudo mkdir /mnt/ExternalStorage auf sowie anschließend sudo nano /etc/fstab auf. In der Datei fstab tragen Sie die nun die zusätzliche Zeile aus Listing 1 ein, wobei Sie sda1 durch die Angabe ersetzen ist, die Sie vorhin nach der Eingabe von dmesg erhielten.

Listing 1

/dev/sda1   /mnt/ExternalStorage   ext4   defaults   0   0

Auf die Weise bindet Raspbian den externen Massenspeicher bei jedem Systemstart automatisch im Dateibaum unter /mnt/ExternalStorage/, sodass Sie bei den folgenden Konfigurationsschritten von der Existenz dieses Verzeichnisses ausgehen können. Damit später alle Dienste und Nutzer diesen Speicherbereich problemlos beschreiben und lesen können, führen Sie noch folgenden Befehl aus:

$ sudo chmod -R ugoa+rwx /mnt/ExternalStorage

Falls Sie statt eines USB-Sticks eine externe Festplatte verwenden, sollten Sie dafür sorgen, dass diese nicht zu viel Strom verbraucht – der RasPi selbst benötigt nur sehr wenig Energie. Hierbei hilft das Programm Hdparm. Tragen Sie hierzu in die Datei /etc/hdparm.conf die Zeile sudo hdparm -S 12 /dev/sda ein (und ersetzen Sie dabei gegebenenfalls /dev/sda durch den passenden Gerätenamen). Dieser bewirkt, dass nach 60 Sekunden ohne Zugriffe die Festplatte automatisch einen stromsparenden Spindown vornimmt. Die Zahl hinter dem Parameter -S ergibt, mit fünf multipliziert, die Anzahl Sekunden, die vergehen müssen, um dies auszulösen (in diesem Fall also 12 mal 5 gleich 60).

Nun gilt es noch Dienste für alle Übertragungsprotokolle zu installieren, welche die Nutzern im LAN verwenden. Handelt es sich um ein gemischtes Netzwerk aus Windows-, Linux- und Mac-OS-Rechnern handelt, bietet sich aus Kompatibilitätsgründen Samba an. Dazu installieren Sie zunächst einmal den Dienst und editieren anschließend dessen Konfigurationsdatei (Listing 2).

Listing 2

$ sudo apt-get install samba samba-common-bin
...
$ sudo nano /etc/samba/smb.conf

Verwenden die Rechner, die auf den RasPi zugreifen sollen, einen bestimmten Workgroup-Namen, passen Sie die Zeile workgroup = WORKGROUP entsprechend an. Für den Fall, dass Sie nicht generell jedem im LAN Zugriff auf den File-Server gestatten möchten, lässt sich die Authentifizierung ganz einfach aktivieren. Dazu suchen Sie die Zeile mit der Angabe security = user und löschen das Doppelkreuz, mit der diese auskommentiert wurde. Scrollen Sie nun an das Ende der Datei und fügen Sie die Zeilen aus Listing 3 an.

Listing 3

[public]
 comment = Public
 path = /mnt/ExternalStorage/
 valid users = @users
 force group = users
 create mask = 0660
 directory mask = 0771
 read only = no

Nun speichern Sie die Datei und starten anschließend den Dienst mit sudo /etc/init.d/samba restart neu, damit die Änderungen wirksam werden. Ein Benutzerkonto legen Sie nun zunächst einmal für die Shell an. Falls sich also beispielsweise die anderen Rechner mittels des Benutzernamens fileserver authentifizieren sollen, geben Sie sudo useradd fileserver -m -G users an und ändern das Shell-Passwort via sudo passwd fileserver an.

Mittels sudo smbpasswd -a fileserver teilen Sie dann dem Benutzer noch ein Samba-Passwort zu, mit dem nun der eigentliche Zugriff auf den Dienst erfolgt. Andere Rechner können jetzt in ihren jeweiligen Dateimanagern das LAN nach Netzlaufwerken durchsuchen und den Speicher des RasPi einbinden.

Alternativ lässt sich für Dateiübertragungen auch SFTP nutzen. Da Sie den SSH-Server bereits aktiviert haben, erfordert dies keine zusätzlichen Konfigurationsschritte: Die aktuelle Raspian-Version erlaubt bereits in der Grundkonfiguration SFTP-Übertragungen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Raspberry Pi zur Miniatur-Musikzentrale ausbauen
    Der Music Player Daemon MPD macht aus dem RasPi eine kleine Jukebox. Die Konfiguration ist allerdings nicht immer geradlinig. Wir zeigen, worauf Sie dabei achten müssen.
  • Raspberry Pi zum Wireless-Printserver aufrüsten
    Der Raspberry Pi ist so günstig, klein und sparsam, dass er sich auch als WLAN-Printserver für das Recycling eines eigentlich ausgedienten Multifunktionsdruckers eignet – ganz im Sinn der "Green IT".
  • Gemeinschaftsdruckerei
    Sie betreiben ein kleines Heimnetzwerk mit zwei oder drei Rechnern, aber nur einem Drucker? Dank Samba und CUPS sprechen Sie das Gerät von jedem Rechner aus an.
  • Sicher ist sicher
    Eine gute Datensicherung bewahrt nicht nur bei Festplattenausfall vor Ärger, sondern hilft auch bei Virenbefall und Erpressungstrojanern. Der RasPi eignet sich perfekt als Backup-Server im Hintergrund.
  • Drucken auf Kommando
    Ein Raspberry Pi eignet sich bestens als Druckserver für kleine Netze, zumal sich der Server-Dienst Cups auch abseits von Web- und GUI-Oberflächen via Terminal verwalten lässt.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2017: Daten retten & sichern

Digitale Ausgabe: Preis € 8,50
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 2 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...