Offroad-Navigation ist die Kunst, abseits der Straßen zu wissen, wo Sie sich befinden und wohin die Reise geht. In bestimmten Situationen ermöglicht erst diese Fähigkeit das Überleben. Deshalb gehören verlässliche Hardware und Software zu den wichtigsten Voraussetzungen für Menschen, die sich in unbekannte oder wenig befahrene Gebiete wagen.

Lösungen von der Stange kosten allerdings viele Hundert Euro. Anders als bei einer Sahara-Fahrt erscheint das für einen Trip in die etwas dünner besiedelten Gebiete Europas eine teure Angelegenheit. Mit etwas Know-how bauen Sie selbst ein preisgünstiges und robustes System zusammen, das den Anforderungen an einen Trip abseits der Straßen genügt.

Mit Linux existiert ein Betriebssystem, das an Stabilität schwer zu überbieten ist und sich deshalb als ein guter Kandidat für eine Computerlösung rund um das Problem der Navigation in der Einöde erweist. Und wer je auf einer Schotterpiste unterwegs war, der weiß, dass eine hohe mechanische Stabilität der Komponenten dringend notwendig ist.

Im konkreten Fall fiel die Wahl auf einen GPS-Empfänger, der mittels USB-Kabel an einem ausrangierten Netbook hängt, das wiederum auf einem Halter im Auto thront. Die Konstellation erlaubt einen Blick auf die Karte, ohne dass die Aufmerksamkeit des Fahrers sich weit vom Geschehen vor der Motorhaube entfernt.

GPS-Empfänger

Der GPS-Empfänger kommt im Normalfall in einem Aussehen daher, das grob an eine Computermaus erinnert (Abbildung 1). Im Körper der "Maus" befinden sich die Antenne und der GPS-Empfänger, den Sie über das USB-Kabel an das Netbook anschließen [1]. Über dieses Kabel erhält der Empfänger seine Energie und überträgt die Daten [2]. Um die Zusammenarbeit mit der Kartensoftware QLandkarteGT zu ermöglichen, sollte der Empfänger in der Lage sein, Daten entsprechend der NMEA-0183-Protokolle abzugeben.

Abbildung 1: Ein GPS-Empfänger wie der NL-402U von Navilock geht für rund 40 Euro über den Ladentisch. Der USB-Anschluss übernimmt die Zufuhr der Energie und den Datentransfer via NMEA-Protokoll. (Bild: Navilock)

GPS-Empfänger in der Bauform eines USB-Sticks eignen sich für den Einsatz im Auto nur bedingt: Das Netbook sollte im Kfz in Sichtweite des Fahrers platziert sein, während der GPS-Empfänger in der Nähe eines Fensters, im Regelfall an der Frontscheibe, am besten aufgehoben ist. Ein USB-Stick ließe sich über ein entsprechendes Kabel verlängern, die GPS-Mäuse haben aber meistens eine magnetische Unterseite und haften somit an der Karosserie des Wagens.

Computer

Für den Einsatz im Auto eignet sich ein Netbook mit einem 10-Zoll-Display. Das ist groß genug, um die Karten zu erkennen, und ähnelt in der Diagonale kommerziellen Navigationssystemen. Größere Displays zeigen bei unwegsamen Passagen schnell mechanische Probleme und nehmen im Fahrgastraum zu viel Platz ein.

Als geradezu idealer Rechner erweist sich der klassische EeePC von Asus (Abbildung 2). Er ist äußerst robust, hat die geforderte Größe und verfügt über eine SSD statt einer Festplatte. Allerdings hat Asus das Konzept auf Druck der Windows-Klientel aufgegeben, es kamen recht schnell wieder Festplatten in den Geräten zum Einsatz – die SSD besaß nicht die erforderliche Speicherkapazität für Microsofts Platzfresser. Später kamen andere Hersteller mit einem ähnlichen Konzept auf den Markt, Stichwort: Chromebook.

Abbildung 2: Der klassische Asus EeePC erweist sich als idealer PC für die Navigation im Auto: Er hat die richtige Größe, kommt mit einer Versorgungsspannung von 12 Volt klar und bringt dank der SSD die nötige Robustheit für den Einsatz abseits der Straßen mit.

Dazu kommt ein SD-Karten Slot an der rechten Seite des Netbooks, der es ermöglicht, den Speicher zu erweitern und so ein anderes als das betagte und nicht mehr unterstützte native Linux-System zu installieren. Wie das geht, zeigt ein Artikel in der nächsten Ausgabe von LinuxUser.

Reserve

Wer auf der Online-Auktionsplattform Ebay sucht, findet noch etliche der Eee-Urviecher, die oft für einen günstigen Preis um 100 Euro den Besitzer wechseln. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, investiert in zwei oder drei Geräte, denn bei dem harten Einsatz beruhigt es, mehrere gleiche Geräte im Gepäck zu haben, falls eines im Gerüttel den Geist aufgibt.

Zwar hält der Akku eines EeePCs erstaunlich lange, aber falls Sie ein gebrauchtes Exemplar erwerben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Akku seine besten Tage bereits gesehen hat – keine akzeptable Situation im Gelände. Deshalb empfiehlt sich der Einsatz einer Kfz-Stromversorgung für den EeePC (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Kfz-Ladekabel verbindet die Autosteckdose mit dem Computer. Beim EeePC erfordert das kein Umsetzen der Spannung, denn der Rechner arbeitet mit 12 Volt. (Bild: Pearl)

Nicht loslassen!

Ein durch den Fahrgastraum katapultiertes Netbook gefährdet Leib und Leben aller Passagiere. Um das Netbook im Kfz sicher zu positionieren, sodass Sie das Display sehen und gleichzeitig das Auto sicher bewegen, braucht es eine professionelle Halterung (Abbildung 4). Hierzu gibt es kommerzielle Lösungen, die oft für wenig Geld über die Ladentheke gehen, wie zum Beispiel beim Online-Händler Pearl [4].

Abbildung 4: Ein Laptop-Halter erlaubt es, die Daten während der Fahrt abzulesen, ohne die Sicherheit im Fahrzeug zu gefährden. In den meisten Fällen befestigen Sie den Arm am Beifahrersitz mit einer Schraube. (Bild: Pearl)

Achten Sie beim Kauf des Halters darauf, dass sich dieser zum einen fest mit dem Fahrzeug verbinden lässt, etwa über die Befestigungsschraube des Beifahrersitzes, und zum anderen ein einfaches Entfernen ermöglicht. Im Normalfall fahren Sie schließlich ohne Navi oder zumindest lediglich mit dem eingebauten Navi durch die Lande. Nur in fremden Territorien abseits des Asphalts kommt die Offroad-Navigation mit Linux zum Einsatz.

Fazit

Brauchbare Hardware für ein Outdoor-Navigationssystem findet sich selbst bei einem kleinen Budget. Die in diesem Artikel vorgestellte Hardware hat repräsentativen Charakter, aber gebrauchte, gut funktionierende EeePCs oder vergleichbare Netbooks werfen in der Regel beim Umrüsten wenig Probleme auf.

Sofern der "Navi-PC" nicht von Haus aus über eine eingebaute SSD verfügt, sollten sie entweder die eingebaute Festplatte durch eine solche ersetzen oder eine SD-Karte mit hoher Kapazität einsetzen. Der nächste Teil dieses Workshops zeigt, wie Sie die passende Software auf dem Gerät einrichten. 

Glossar

NMEA-0183

Ursprünglich für maritime Navigationsgeräte entwickelt, kommt der Standard der US-amerikanischen National Marine Electronics Association heute auch oft für die Kommunikation zwischen GPS-Empfängern und PCs sowie mobilen Endgeräten zum Einsatz.

Der Autor

Karl Sarnow ist seit den Tagen des TRS-80 Model 1 ein Fan des eigenen Computers. Seit seiner Pensionierung widmet er sich seinen Hobbys Fotografie, Reisen und Astronomie, wobei sich alle Bereiche in der Astrofotografie unter fremdem Sternenhimmel vereinen.

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