Farben lassen sich auf unterschiedliche Arten beschreiben und darstellen. Die Formen heißen etwas unscharf Farbmodelle oder Farbräume. So liefern und verarbeiten Kameras, Scanner und Monitore Farben als RGB-Datentripel. Der Drucker verwendet die CMYK-Komponenten, die direkt den vorhandenen Farbpatronen entsprechen. Gimp bietet noch das HSV-Modell, das dem menschlichen Farbempfinden besser als die zuvor genannten entspricht.

Farbmodelle beschreiben Farben mathematisch und bleiben daher für die meisten Anwender eher unanschaulich. Glücklicherweise bietet Gimp mit zwei Werkzeugen eine gute Möglichkeit, die unterschiedlichen Farbmodelle zu visualisieren und damit zu verstehen.

RGB, HSV, CMYK

Die drei Standard-Farbmodelle RGB, HSV und CMYK können Sie im Gimp-Farbwähler gut vergleichen. Standardmäßig zeigt die freie Bildbearbeitung dazu den Dialog aus Abbildung 1. Hier wählen Sie normalerweise zunächst in vertikalen Farbbalken eine Grundfarbe und anschließend im quadratischen Farbfeld den genauen Farbton.

Beobachten Sie dabei die rechts daneben angeordneten Regler: Diese zeigen den direkten Zusammenhang zwischen RGB- und HSV-Werten. Außerdem können Sie auch direkt die gewünschten RGB- oder HSV-Werte über die Regler einstellen beziehungsweise direkt eingeben. In jedem Fall bewirkt die Veränderung einer Komponente gleichzeitig Anpassungen bei den Werten des anderen Modells.

Abbildung 1: Die Farbmodelle RGB und HSV lassen sich im Farbwähler direkt miteinander vergleichen.

Um eine im gerade bearbeiteten Bild vorhandene Farbe zu analysieren, klicken Sie auf die kleine Farbpipette rechts neben der HTML-Notation. Sofort ändert sich der Mauszeiger entsprechend, und Sie können im Bild die gewünschte Farbe anklicken, die dann im Farbwähler erscheint.

Auch das CMYK-Farbmodell stellt Gimp im Farbwähler über den vierten Reiter zur Verfügung (Abbildung 2). Bewegen Sie einen der Regler im CMYK-Bereich oder in den HSV- beziehungsweise RGB-Komponenten, wirkt die Änderung auf alle anderen Farbeinstellungen.

Abbildung 2: CMYK-Farben erlaubt GIMP ebenfalls im Farbwähler auszuwählen und einzustellen.

Farbmodell LAB

Das abstrakte Farbmodell LAB wurde bereits vor 40 Jahren entwickelt, um Farben unabhängig vom darstellenden Gerät zu definieren und um eine wesentliche Eigenheit des menschlichen Farbempfindens abzubilden: Es stellt Farben so dar, dass es als gleich empfundene Unterschiede auch möglichst ähnlich beschreibt. LAB stellt darüber hinaus auch alle theoretisch möglichen Farben dar, nicht nur die von Menschen wahrnehmbaren.

Dementsprechend handelt es sich um ein abstraktes, nur begrenzt anschauliches Farbmodell. L steht für die Leuchtkraft ("luminance"), die Farbkomponente zwischen Rot und Grün stellt die A-Achse dar, die zwischen Blau und Gelb die B-Achse. Interessanterweise lassen sich mit diesem Farbmodell alle in RGB oder CMYK darstellbaren Farben definieren – und dazu noch eine ganze Reihe weiterer.

Die Besonderheiten von LAB führen dazu, dass Sie die Leuchtkraft völlig unabhängig von den Farbkomponenten in den Kanälen A und B steuern. Das bietet eine Reihe von Vorteilen, die andere Farbmodelle nicht aufweisen. Auch die Unabhängigkeit des B-Kanals lässt sich in der Praxis gut nutzen: Damit arbeiten Sie beispielsweise die oft problematischen Grüntöne von Blättern heraus, ohne andere Farben zu beeinflussen.

LAB in Gimp

Für das LAB-Modell gibt es bisher keinen direkten Farbwähler, jedoch für dessen Variante LCh, die Polarkoordinatenform von LAB.

Sie müssen den LCh-Farbwähler als Modul selbst übersetzen und installieren; den Quelltext dazu finden Sie in der Gimp-Registry [1]. Zum Einrichten des Moduls genügt in der Regel ein Aufruf von make install. Nach dem nächsten Start von Gimp erscheint der neue Farbwähler dann als zweiter Reiter (Abbildung 3). Alternativ finden Sie ihn auch im Dock.

Abbildung 3: Der LCh-Farbwähler bietet LAB in der Form von Polarkoordinaten an.

Für den direkten Einsatz von LAB stehen bei Gimp zwei Varianten zur Verfügung: Im Menü Farben lassen sich beliebige geladene Bilder in unterschiedlichen Farbmodellen darstellen und bearbeiten. Wählen Sie dazu unter Komponenten den Punkt Zerlegen ... (Abbildung 4).

Abbildung 4: Gimp erlaubt, Bilder anhand wichtiger Farbmodelle in Ebenen zu zerlegen.

Sie können nun in dem sich öffnenden Dialog das gewünschte Farbmodell aus einer Liste auswählen. LAB bewirkt hier, dass Gimp ein neues Bild mit drei Ebenen L, A und B erstellt, sofern Sie die voreingestellte Option In Ebenen zerlegen aktiviert lassen.

Jede dieser Ebenen können Sie nun separat bearbeiten, beispielsweise mit Malwerkzeugen oder dem Kurven- beziehungsweise Werte-Werkzeug. Das Ergebnis dieser Bearbeitung sehen Sie, sobald Sie mit Wieder zusammenfügen (unter Farben | Komponenten) das ursprüngliche Bild aktualisieren. Implizit arbeiten auch die anderen hier vorgestellten Werkzeuge auf diese Weise.

LAB in GMIC

Der Superfilter GMIC [2] bietet eine weitere Möglichkeit, direkt im LAB-Modus zu arbeiten. Die einzelnen Kurven beeinflussen Sie mit den drei Filtern unter Curves [Lab] unabhängig voneinander, wobei die Bedienung etwas Eingewöhnung erfordert: Sie müssen die Stützpunkte als Parameter angeben, statt sie direkt in der Vorschau mit der Maus setzen zu können (Abbildung 5).

Abbildung 5: Curves [Lab] erlaubt die getrennte Steuerung der LAB-Kanäle.

Dafür schreibt GMIC die gewählten Parameter direkt in den Ebenennamen, sofern Sie als Ausgabe Neue Ebene vorgeben. So lässt sich später genau nachvollziehen, was auf welche Weise verändert wurde. Einen Kanalmixer, wie ihn Gimp voreingestellt nur für RGB kennt, bietet GMIC als LAB-Mixer unter Colors ebenfalls an (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der von GMIC bereitgestellte LAB-Mixer ähnelt dem klassischen Kanalmixer von Gimp, arbeitet aber im LAB-Modus.

Der Mixer bearbeitet die drei Eingabekanäle unabhängig, sodass sich die Helligkeiten aus dem a- und b-Kanal und die des L-Kanals individuell steuern lassen. Das geschieht über die jeweils vorhandenen Regler color contrast, color brightness und color smoothness. Unter Tones range stellen Sie vorab ein, für welche Teile des Bilds die getroffenen Einstellungen gelten sollen: Alles (All tones), Schatten, Mitten oder Lichter. Der Vorteil dieser Methode liegt in der leichten Bedienbarkeit.

LabCurves

Das Gimp-Plugin LabCurves [3] besteht aus einem buchstäblich "outgesourcten" Modul von Photivo (in der Originalanwendung heißt es Lab Effekte) und erlaubt eine gezielte, intuitive Beeinflussung der Kanäle. Sie finden den Dialog im Menü Filter unter MM-Filters als Lab curves ... (Abbildung 7).

Abbildung 7: Das Filtermodul LabCurves erlaubt den direkten Zugriff auf die einzelnen LAB-Kurven.

Fazit

Alle mit Gimp verzahnten Werkzeuge haben gemeinsam, dass sie lediglich mit 8-Bit pro (RGB-)Kanal arbeiten – höhere Farbtiefen unterstützt die freie Bildbearbeitung derzeit noch nicht. Das ist schade, da die Werkzeuge dadurch nur einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit entfalten.

Dagegen liest Photivo RAW-Dateien direkt ein und bearbeitet sie mit 16 Bit pro Kanal. Auf diese Weise erzeugt die Anwendung deutlich bessere, insbesondere feiner abgestufte Ergebnisse. Weitere Details dazu finden Sie im Photivo-Workshop [4] im Praxis-Teil dieser Ausgabe. 

Glossar

RGB

Dieser Farbraum bildet die menschliche Farbwahrnehmung durch das additive Mischen dreier Grundfarben (Rot, Grün und Blau) nach.

CMYK

Subtraktives Farbmodell, das die technische Grundlage für den modernen Vierfarbdruck bildet. Die Abkürzung steht für die drei Farbbestandteile Cyan, Magenta, Yellow und den Schwarz-Anteil Key.

HSV

Farbmodell, das mithilfe des Farbwerts ("hue"), der Farbsättigung ("saturation") und des Hellwerts ("value") arbeitet. Es beschreibt die Farbe anhand des Farbwinkels auf dem Farbkreis (0 Grad = Rot, 120 Grad = Grün, 240 Grad = Blau) sowie der Prozentwerte für Sättigung (0 = Neutralgrau, 100 = reine Farbe) und Helligkeit (0 = keine Helligkeit, 100 = volle Helligkeit).

LCh

Der CIE-LCh-Farbraum verwendet anstatt der kartesischen Koordinaten a* und b* von LAB die Zylinderkoordinaten C* (Buntheit, "chroma") und h° (Bunttonwinkel, "hue angle"). Die CIE-LAB-Helligkeit L* ("lightness") bleibt dabei unverändert.

Infos

[1] LCh-Farbwähler: http://registry.gimp.org/node/16814

[2] Gmic: http://gmic.sourceforge.net

[3] LabCurves: http://registry.gimp.org/node/24514

[4] Workshop Photivo: Karsten Günther, "Mehr Farbe", LU 12/2013, S. ###, http://www.linux-community.de/31062

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