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Bürosuite Kingsoft Office in der Übersicht

Eng verbunden

Ein klares Interface und weitgehende Kompatibilität zu Microsoft-Produkten – so versucht das chinesische Kingsoft Office bei Linux-Anwendern zu punkten. Unser Test zeigt, was Sie erwarten dürfen.

Textverarbeitung und Tabellenkalkulation unter Linux – da denkt man unwillkürlich an OpenOffice oder dessen Fork LibreOffice. Im fernen China aber arbeiten die Entwickler des Unternehmens Kingsoft (http://www.ksosoft.com) in der Küstenstadt Zhuhai daran, eine Linux-Variante der für Windows entwickelten Office-Suite Kingsoft Office zu programmieren.

Das fernöstliche Office-Paket lehnt sich besonders eng an Microsoft Office an. Es besteht derzeit aus den drei wichtigen Anwendungen für den Einsatz im Alltag: einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einem Präsentationsprogramm. Im Gegensatz zu LibreOffice setzt Kingsoft auf ein eigenes Format und hohe Kompatibilität zu den Produkten von Microsoft-Produkten.

Außerdem fallen die Programme der Office-Suite durch eine schlanke moderne Benutzeroberfläche auf, die auf Ribbon-Menüs setzt. Viele erfahrene Anwender haben diese allerdings seinerzeit kritisiert, nachdem Microsoft das Konzept in seinem Büropaket einführte.

Installation

Für Kingsoft Office benötigen Sie nur ein einzelnes Software-Paket, das Sie bei Bedarf von der Community-Website von Kingsoft unter http://wps-community.org/download.html herunterladen. Je nach verwendeter Distribution wählen Sie zwischen einem DEB- oder einem RPM-Paket. Nach dem Download installieren Sie das Paket mit dem jeweiligen Tool der Distribution. Die Software hat keine Abhängigkeiten.

Textverarbeitung Writer

Dass die Textverarbeitung einfach Writer heißt, bedeutet nicht, dass das Unternehmen hier von Libre- oder OpenOffice abgekupfert hat. Im Gegenteil, das Programm orientiert sich mehr an Microsofts Word und erinnert in vielen Teilen an das Produkt aus Redmond, insbesondere in den Dialogen, wie zum Beispiel von Formatvorlagen.

Ähnlich wie bei den Word-Versionen seit 2007 verfügt Writer über eine Art Ribbon-Leiste, die kontextbezogen die wichtigsten Funktionen anbietet. Bearbeiten Sie zum Beispiel Tabellen, dann sehen Sie zusätzliche reiterähnliche Felder im Ribbon-Menü (Abbildung 1).

Abbildung 1: Je nach Kontext sehen Sie im Menü der einzelnen Module von Kingsoft Office zusätzliche Optionen.

Gegenüber Word wirken die Menüs in Writer aber wesentlich übersichtlicher. Wenn Sie mehrere Dokumente geöffnet haben, öffnet das Programm diese über Reiter innerhalb eines einzigen Fensters. Das spart Platz, und Sie behalten so immer die Übersicht.

Ansonsten erweist sich die Oberfläche von Writer als durchdacht und auf die alltägliche Arbeit hin optimiert. Die Formatvorlagen rufen Sie schnell und unkompliziert über den Eintrag Styles in der rechten Seitenleiste auf (Abbildung 2), die Sie in klassischer Word-Manier ändern oder bei Bedarf neu anlegen.

Abbildung 2: Über die Seitenleiste stehen die Formatvorlagen schnell und direkt bereit, wenn Sie sie benötigen.

Diese Seitenleiste bietet zudem verschiedene Shapes (Materials), mit denen Sie in Writer einfache Zeichnungen erstellen, sowie eine Übersicht aller in dem aktuellen Dokument eingebundenen Grafiken und Shapes (Select) für den schnellen Zugriff.

Es fällt leicht, komplexe Dokumente mit Kingsoft Writer zu erstellen. Wie Word kennt Writer Abschnitte (Sections). Um einen solchen Abschnitt einzufügen, genügt es, im Ribbon-Menü auf den Reiter Sections zu wechseln und auf eine der Optionen zu klicken. Zur Auswahl stehen dabei Split Section, um den aktuellen Abschnitt an der aktuellen Cursorposition zu zerteilen, sowie Insert Section before beziehungsweise Insert Section after, um einen neuen Abschnitt vor oder nach der aktuellen Position einzufügen.

Damit Sie einen Überblick über alle enthaltenen Abschnitte behalten, klicken Sie einfach auf Section Navigation. So blenden Sie am linken Fensterrand eine weitere Seitenleiste ein, die nicht nur eine Übersicht aller vorhandenen Abschnitte enthält, sondern zusätzlich Vorschaubilder der Seiten eines Abschnitts (Abbildung 3).

Abbildung 3: Über die Section Navigation haben Sie einen Überblick über alle angelegten Abschnitte eines Dokuments sowie Deckblätter und Verzeichnisse.

Möchten Sie für das Dokument noch ein Deckblatt und ein Inhaltsverzeichnis erstellen, nutzen Sie dazu wieder die Section Navigation. Für ein Deckblatt klicken Sie einfach auf Cover Page. Nun klappt eine Auswahl an vielfältigen Vorlagen für Deckblätter aus, aus der Sie das passende aussuchen. Neben Vorlagen im Hochformat finden Sie hier welche im Querformat, wenn Sie etwas herunterscrollen.

Mit dem Inhaltsverzeichnis verhält es sich ähnlich: Um ein solches einzufügen, klicken Sie auf Table of contents und wählen eine der Vorlagen aus. Möchten Sie nicht mit Abschnitten als Grundlage für das Verzeichnis arbeiten, besteht die Möglichkeit, ein solches Verzeichnis manuell einzufügen, indem Sie den Cursor an die gewünschte Position setzen und im Ribbon-Menü unter References auf Insert TOC klicken.

Frage des Formats

Kingsoft Writer arbeitet mit einem eigenen Format, das sich WPS nennt. Die von Libre- und OpenOffice gebräuchlichen ODF-Formate unterstützt die Applikation dagegen nicht. Dafür vermag Writer Word-Dokumente – auch im DOCX-Format – ohne Weiteres zu öffnen und erzielte im Test dabei bessere Ergebnisse als LibreOffice und OpenOffice Writer. So zeigte die Writer-Komponente beispielsweise komplexe Tabellen richtig an.

TIPP

Um Dokumente aus OpenOffice oder LibreOffice in Kingsoft Writer zu verwenden, exportieren Sie diese aus diesen Anwendungen als Word-Dokument.

Kingsoft Writer ermöglicht den Export als PDF-Dokument. Dabei stehen zwar nicht so viele Optionen bereit wie zum Beispiel unter LibreOffice, aber immerhin lassen sich Lesezeichen und Sicherheitseinstellungen für das zu exportierende PDF setzen.

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