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Mehr Farbe

Bilder im LAB-Modus entwickeln und bearbeiten

21.11.2013
Photivo schließt die Lücke zwischen RAW-Konvertern und einfachen Bildbearbeitungen. Damit macht es häufig das Nacharbeiten in anderen Programmen überflüssig.

Zur Bildbearbeitung stehen heute zahlreiche Werkzeuge zur Auswahl. Neben Generalisten wie Gimp gibt es auch eine ganze Reihe von Tools für speziellere Szenarien der Bildbearbeitung. Eines davon heißt Photivo [1] und setzt seinen Schwerpunkt bei der LAB-Funktion (siehe Kasten "Farbmodell LAB"). Da Photivo RAW-Dateien einzulesen versteht, kommt es normalerweise vor der Bildbearbeitung (etwa mit Gimp) zum Einsatz.

Photivo verfügt über viele RGB-Funktionen und eignet sich für das Bearbeiten von 16-Bit-RAW-Dateien; es spielt auch nur mit diesen seine gesamten Fähigkeiten aus. Daneben unterstützt das Programm auch Formate wie TIFF, PNG oder JPEG. Haben Sie noch nie mit dem LAB-Farbmodell gearbeitet, dann sollten Sie sich zunächst einmal damit unter Gimp vertraut machen.

Farbmodell LAB

Das abstrakte Farbmodell LAB wurde bereits vor 40 Jahren entwickelt, um Farben unabhängig vom darstellenden Gerät zu definieren und um eine wesentliche Eigenheit des menschlichen Farbempfindens abzubilden: Es stellt Farben so dar, dass es als gleich empfundene Unterschiede auch möglichst ähnlich beschreibt. LAB stellt darüber hinaus auch alle theoretisch möglichen Farben dar, nicht nur die von Menschen wahrnehmbaren.

Dementsprechend handelt es sich um ein abstraktes, nur begrenzt anschauliches Farbmodell. L steht für die Leuchtkraft ("luminance"), die Farbkomponente zwischen Rot und Grün stellt die A-Achse dar, die zwischen Blau und Gelb die B-Achse. Interessanterweise lassen sich mit diesem Farbmodell alle in RGB oder CMYK darstellbaren Farben definieren – und dazu noch eine ganze Reihe weiterer.

Die Besonderheiten von LAB führen dazu, dass Sie die Leuchtkraft völlig unabhängig von den Farbkomponenten in den Kanälen A und B steuern. Das bietet eine Reihe von Vorteilen, die andere Farbmodelle nicht aufweisen. Auch die Unabhängigkeit des B-Kanals lässt sich in der Praxis gut nutzen: Damit arbeiten Sie beispielsweise die oft problematischen Grüntöne von Blättern heraus, ohne andere Farben zu beeinflussen.

Erste Schritte

Photivo findet sich in den Repositories vieler Linux-Distributionen, sodass Sie die Software in der Regel bequem über den jeweiligen Paketmanager einrichten. Das Programm startet mit einem großen, zweigeteilten Fenster (Abbildung 1). Rechts erscheint die Vorschau, links die Werkzeuge mit ihren Parametern.

Abbildung 1: Photivos Hauptansicht besteht aus einem großen Vorschaufenster und einer umfangreichen Werkzeugliste. Die Werkzeuge stellen Kontextmenüs für oft benötigte Aufgaben bereit.

Daneben hält Photivo an anderen Stellen eine Vielzahl von Bedienelementen bereit. Unterhalb des Histogramms stellen Sie ein, welche Werkzeuge Sie sehen möchten. Unterhalb der Werkzeugleiste legen Sie die für die Vorschau verwendete Bildgröße fest. Voreingestellt ist dort 1:4, was meist einen guten Kompromiss zwischen Genauigkeit und Rechenzeit darstellt. Daneben legt manuell fest, ob sich die Vorschau automatisch oder erst auf Anforderung des Anwenders erneuert. Was die Vorschau genau zeigt, stellen Sie über die mit RGB vorbelegte Auswahlliste ein. Dort können Sie sich auch nur die Kanten (Struktur und Gradient) oder die einzelnen LAB-Kanäle anzeigen lassen.

Die nächsten drei Schalter erlauben das Laden von Vorlagen, das Speichern der aktuellen Darstellung und die Übergabe des Bilds an eine vorab definierte Bildbearbeitung. Die unterste Zeile der Hauptansicht dient als Statuszeile und für weitere Bedienelemente. Wann immer Photivo ein Bild berechnet, signalisieren das zwei Einblendungen im Vorschaufenster (Abbildung 2). Das Einstellen der diversen Regler gelingt per Mausklick, mit dem Mausrad oder bei gehaltener linker Maustaste. Ein Klick mit der rechten Maustaste stellt die Vorgabewerte wieder her.

Abbildung 2: Photivo führt die meisten Aktionen direkt aus. Diverse Meldungen zeigen den aktuellen Zustand im Vorschaufenster an.

Photivo: Werkzeuggruppen

Werkzeug Funktionen
Kamera Bilder laden, grundlegende Einstellungen
Lokale Bearbeitung Bereiche zum Bearbeiten auswählen
Geometrie Bilder drehen, zuschneiden, skalieren etc.
RGB diverse Korrekturen im RGB-Farbraum
Lab Farbe/Kontrast lokaler Kontrast und Dynamikkompression
Lab Schärfen/Rauschen Entrauschen und (gerichtetes) Schärfen
Lab Effekte diverse Effekte, oft für unterschiedliche Helligkeiten (Schatten, Mitten, Lichter)
Effekte diverse Effekte im RGB-Farbraum
Ausgabe Optionen für das Speichern der Bilder

Workflow

Photivo unterscheidet sich dadurch von vielen RAW-Konvertern, dass es mit den Funktionen im Reiter Kamera unter Eingabe immer nur ein einzelnes Bild zur Bearbeitung lädt. Anschließend können Sie ein bereits bestehendes Bearbeitungsprofil hinzuladen. Dabei kann es sich um ein vorgefertigtes Profil handeln (unter Voreinstellung) oder um ein von Ihnen früher erzeugtes (Einstellungen öffnen).

Als ersten Schritt definieren Sie unter Kamerafarbraum, wie Photivo die Daten im Bild interpretiert. Wählen Sie dazu ein Externes Profil, das zu der verwendeten Kamera passt, und stellen Sie mit dem Schalter darunter das Ziel des Profils ein [2]. Insgesamt bildet Photivo in der durch die Reiter abgebildeten Reihenfolge einen festen Workflow ab.

Entscheidend für das Ergebnis ist hier die Wahl des richtigen Farbprofils. Für reine Bildschirmausgaben stellt sRGB die richtige Wahl dar, BT-709 dient für HDTV-Videos, Reines 2.2 mit einem Standard-Gamma von 2,2 für alle anderen Ausgaben. Die weiteren Einstellungen in diesem Reiter entsprechen denen von RAW-Konverter wie etwa Darktable [3]. Allerdings verfügt Photivo in den anderen Reitern noch über Werkzeuge, die man eher in klassischen Bildbearbeitungen wie Gimp vermutet.

Im nächsten Reiter bietet Photivo eine Lokale Bearbeitung an. Die Idee dahinter: Nicht alle Bildbereiche müssen und sollen auf dieselbe Weise bearbeitet werden, um optimale Ergebnisse zu erhalten. So ist es sinnlos, "Lichter" (helle Bildteile) noch weiter aufzuhellen, Schatten dagegen aber schon. Die hier bereitgestellten Funktionen setzen eine gewisse Routine voraus. Einsteiger sollten zunächst eher die Bearbeitungsfunktionen nutzen, bei denen viele Funktionen ohnehin ein getrenntes Bearbeiten von Lichtern, Mitten und Schatten anbieten.

Bildbearbeitungen wie Gimp verwenden Auswahlen, Masken oder Ähnliches, um das separate Bearbeiten zu ermöglichen. In Photivo dagegen definieren Sie unter Anpassungsbereiche eine oder mehrere Regionen, die das Programm dann gesondert bearbeitet. Zum Festlegen von Bereichen wählen Sie zunächst im oberen Fenster mit + die Funktion Bereichsmodus anhängen. Anschließend klicken Sie in eine Stelle des Bilds, die den gewünschten Bereich – also beispielsweise den Himmel, die Schatten etc. – besonders gut repräsentiert. Das funktioniert analog zur lokalen Farbauswahl bei Gimp (dem "Zauberstab") und umfasst einen zusammenhängenden Bildbereich mit ähnlichen Farben und Helligkeiten.

Photivo erzeugt mit jedem Klick einen neuen "Bereich", der voreingestellt auch diesen Namen erhält. Photivo erlaubt beliebig viele Bereiche, die Sie zur besseren Übersicht mit passenden Bezeichnern versehen sollten. Im Vorschaufenster markiert die aktuelle "Maske" diesen Bereich durch eine helle, wolkenartige Textur (Abbildung 3). Diese Masken müssen noch nicht exakt sein, sie lassen sich jederzeit nachträglich anpassen. Unter Masken stehen dafür drei Regler bereit. Lassen Sie den Mauszeiger kurz über den Reglern stehen, dann zeigt Photivo eine kurze Hilfe zu den Möglichkeiten. Auch die Luminance-Kurve beeinflusst das Ergebnis wesentlich. Nach dem Definieren der Bereiche wählen Sie den gewünschten aus oder die unerwünschten ab. Ein Klick auf das Häkchen beendet diesen Modus und erlaubt das Verwenden der Bearbeitungsfunktionen [4].

Abbildung 3: Photivo erlaubt das Markieren bestimmter Bildbereiche zur separaten Bearbeitung. In der Vorschau zeigt eine "Wolke" den aktuell ausgewählten Bereich an.

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