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© Mvalle, sxc.hu

Universeller Dateimanager SpaceFM

Aus der Mitte erweitert

SpaceFM gibt einen soliden Dateimanager ab. Mit zusätzlichen Plugins erweitern Sie ihn zu einem handoptimierten Tool für alle alltäglichen Arbeiten.

Serie Desktop im Eigenbau

Arbeitsoberfläche: Pekwm/Bmpanel2 LU 10/2013, S.82 http://www.linux-community.de/30234

Dateimanager: SpaceFM LU 11/2013, S. ### http://www.linux-community.de/30234

Schon die archaischen Unix-Gurus sprachen das Mantra: "Alles ist eine Datei!", und so blieb es bis zum heutigen Tag. Werkzeuge zum Verschieben, Kopieren und Öffnen von Dateien gibt es daher in vielen Variationen. Die meisten folgen entweder dem Ansatz des Windows Explorers, wie Nautilus oder Dolphin. Andere halten die Fahne des Urgesteins Norton Commander hoch, dessen Konzept mit der zweispaltigen Ansicht immer noch viele Benutzer überzeugt.

Der ursprünglich aus dem Code von PcmanFM entstandene SpaceFM [1] gleicht auf den ersten Blick dem Explorer, wie man anhand des Hauptfensters unschwer erkennt (Abbildung 1). Über das vom Urahn geerbte Konzept hinaus stellt SpaceFM jedoch hinsichtlich Funktionsvielfalt beinahe jeden anderen Dateischieber in den Schatten.

Abbildung 1: Das Layout der Fenster erscheint zwar altbekannt, aber in Sachen Funktionsvielfalt geht SpaceFM neue Wege.

Distributionen

Die Betreuer einiger Distributionen haben sich bereits dafür entschieden, SpaceFM als Standardwerkzeug auszuliefern [2]. So bringt etwa Parted Magic [3], eine Live-CD mit Werkzeugen zum Partitionieren von Datenträgern und zum Wiederherstellen von Systemen, SpaceFM als alleinigen Dateimanager mit. Generell sind es insbesondere kleinere Distributionen und spezielle Rettungssysteme, die auf den Newcomer setzen. Einige leichtgewichtige Arbeitssysteme finden sich ebenfalls darunter, wie beispielsweise Archbang [4].

Um SpaceFM auf Ihrem System einzurichten, installieren Sie es entweder aus den Repositories der verwendeten Distribution oder – falls Sie die aktuellste Version des Dateimanagers nutzen wollen – bauen die Software aus den Quellen selbst (siehe Kasten "Installation").

Installation

Die großen Mainstream-Projekte hängen den kleinen Distributionen in Sachen SpaceFM etwas hinterher. Offiziell betreute Pakete des Dateimanagers finden Sie nur für Fedora, Mageia und Arch Linux. Erwarten Sie allerdings volle Netzwerkfähigkeit, dann reduziert sich das Angebot weiter auf Arch Linux: Fedora und Mageia fehlt das notwendige Udevil-Paket [6] noch.

Sie brauchen dennoch nicht zwangsläufig selbst zu kompilieren, denn das SpaceFM-Projekt bietet für Debian, Ubuntu und OpenSuse eigene Pakete an [7], die dort durch Udevil ergänzt werden. Zwar unterliegen diese nicht dem Qualitätsmanagement der großen Distributionen, stellen aber dennoch eine gute Wahl dar.

Die Installation aus den Quellen erweist sich allerdings in manchen Fällen selbst dann als sinnvoll, wenn Sie ein vorgeschnürtes Paket im Netz vorfinden. Laden Sie dazu entweder den aktuellen Tarball, oder ziehen Sie mit folgendem Befehl die neuesten Quellen (rund 60 MByte) herunter:

git clone https://github.com/IgnorantGuru/spacefm.git

Nun genügt im entpackten Tarball oder im heruntergeladenen Ordner der übliche Übersetzungsdreischritt configure && make && make install (Letzteres mit Root-Rechten), um SpaceFM auf die Platte zu bannen. Das Programm bringt zwar auch ein Installationsskript mit, für das jedoch die Übergabe von diversen Optionen nur sehr spärlich dokumentiert ist. Kleinere Probleme kann es im Zusammenspiel mit GTK3 geben, mehr dazu lesen Sie im Kasten "SpaceFM und GTK3".

Auch udevil verleiben Sie ähnlich unkompliziert dem System ein, falls gewünscht. Auf der SpaceFM-Paketseite finden Sie die passenden Quellcode-Links, das Übersetzen verläuft ebenso einfach wie bei SpaceFM selbst.

SpaceFM und GTK3

SpaceFM vollzieht gegenwärtig den Schritt hin zu GTK3. Der Code ist allerdings noch nicht ganz ausgereift und stellt auch keine neuen Funktionen zum Einsatz, sodass sich das Kompilieren mit der Option --with-gtk3 kaum lohnt. Stellen Sie aber ungeachtet der GTK2-Vorgabe sicher, dass die entsprechenden Entwicklerpakete für die ältere GTK-Version tatsächlich auf dem System präsent sind. Anderenfalls kommen unter Umständen doch die GTK3-Devel-Pakete zum Einsatz.

Gelegentlich kommt es in Kombination mit neuesten GTK3-Engines zu Fehlern beim Darstellen und Navigieren, sodass sich aus diesem Grund der Wechsel auf deren letzte Version nicht empfiehlt. Das betrifft auch das für die Bildschirmfotos dieses Artikels verwendete Oxygen (oxygen-gtk3), dessen Fedora-Paket bereits auf GTK3 setzt. Ein Selbstbau des Programms aus den Quellen schafft hier gegebenenfalls Abhilfe.

Außerdem ist die deutsche Übersetzung der letzten veröffentlichten SpaceFM-Version 0.8.7 noch unvollständig und folgt in weiten Teilen nicht den syntaktischen und grammatischen Regeln, die für andere GTK-Software gelten, wie etwa Gnome selbst, Ubuntu und XFCE. Im Git sind diese Unzulänglichkeiten weitestgehend behoben.

Einstieg in SpaceFM

Dass SpaceFM die grundlegenden Funktionen beherrscht, wie Operationen auf Dateien sowie Zugriff auf Netzwerkressourcen und Wechseldatenträger, versteht sich von selbst. Wechselmedien finden Sie im Menü Devices | Show. Beim Aktivieren des Menü-Eintrags macht SpaceFM einen Platz in der linken oberen Fensterecke frei, der Ihnen Zugang zu erreichbaren Medien wie CDs oder Speichersticks verschafft.

Bei Bedarf binden Sie in SpaceFM-Laufwerke von anderen Rechnern im Netzwerk ein. Das klappt möglicherweise nicht auf Anhieb, denn das Programm benötigt dazu das Tool Udevil, das aus gleichem Hause wie SpaceFM selbst stammt. Ohne diese zusätzliche Software gilt es, zum Einhängen solcher Ressourcen auf externe Werkzeuge auszuweichen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Beim Einbinden von Ressourcen aus dem Netzwerk ist Handarbeit angesagt, wenn das Tool Udevil nicht bereitsteht.

Was SpaceFM richtig interessant macht, ist seine Fähigkeit, bis zu vier Ansichten frei anzuordnen und dabei noch an jeder Ansicht Feineinstellungen des Verhaltens vorzunehmen. So machen Sie mit etwas Aufwand aus dem Explorer einen Beinahe-Commander oder andersherum. Beispielsweise präsentiert Ihnen eine Ansicht die Objekte als Liste, eine zweite als Symbole, ganz nach Belieben.

Über die Liste der Checkboxen rechts oben im Fenster blenden Sie Ansichten nach Bedarf ein oder aus, wobei SpaceFM Ordner stets in der letzten aktiven Ansicht öffnet (Abbildung 3). Die Elemente der sichtbaren Ansichten erscheinen dabei aktiv, die Häkchen der inaktiven Ansichten ausgegraut. Das erleichtert die Navigation, insbesondere beim Bedienen mit der Tastatur. Hinzu kommt die Variante mit Reiterleisten: Ein einfacher Klick auf das Plus-Symbol in der Werkzeugleiste fügt einen weiteren Reiter hinzu.

Abbildung 3: Die Ansicht mit vier Fenstern erfordert schon erhebliche Konzentration.

Es erfordert etwas Übung, um innerhalb der vier Ansichten den Überblick zu behalten. Aber die Möglichkeit zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie das Feature nutzen müssen. Sinnvoll erscheint als Standard eine Ansicht im Grundzustand, zu der Sie nach Bedarf weitere hinzuschalten. Das Verhalten erinnert an die dynamischen Arbeitsflächen der Gnome-Shell.

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