Datenrestaurierung

Zum Rekonstruieren versehentlich gelöschter Daten gibt Ihnen Parted Magic mit PhotoRec und dessen grafischem Pendant QPhotoRec zwei außerordentlich leistungsfähige Utilities an die Hand. Qphotorec befindet sich noch in der Entwicklung und bietet daher noch nicht den kompletten Funktionsumfang, worauf ein Eingangsfenster hinweist. Vorhandene Partitionen rufen Sie damit jedoch auf und rekonstruieren vermeintlich gelöschte Daten wieder. Qphotorec arbeitet wie sein Konsolenpendant mit verschiedensten Dateisystemen zusammen (Abbildung 5). Das Einstellen bestimmter Auswahlkriterien zur Rekonstruktion von Daten, etwa deren Typ, erlaubt die Software bislang jedoch nicht.

Abbildung 5: Qphotorec erlaubt es Ihnen, gelöschte Dateien wiederherzustellen.

Mit dem Programm Testdisk steht in Parted Magic ein weiteres leistungsfähiges Tool zur Datenrekonstruktion bereit. Im Gegensatz zu Photorec ist Testdisk darauf ausgelegt, gelöschte oder beschädigte Laufwerkspartitionen wiederherzustellen. Es unterstützt dafür die Dateisysteme der gängigsten Betriebssysteme. Die Software stellt aber nicht nur die Partition als solche wieder her, sondern rekonstruiert auch defekte Bootsektoren und macht in den Linux-Dateisystemen Superblocks ausfindig. Zudem beherrscht es das Kopieren von rekonstruierten Datenbeständen, wofür es ebenfalls alle gängigen Dateisysteme unterstützt. So stellen Sie damit auch Daten von USB-Sticks oder Speicherkarten wieder her. Die an DOS-Zeiten erinnernde Oberfläche von Testdisk wirkt zwar antiquiert, erschließt jedoch die einzelnen Funktionen des Programms intuitiv durch jeweils nur wenige vom Nutzer auszuwählende Optionen.

Sicheres Löschen

Das sichere Löschen von kompletten Datenträgern gewinnt immer mehr an Bedeutung. Möchten Sie beispielsweise eine gebrauchte Festplatte verkaufen oder einen alten PC entsorgen, sollten Sie bedenken, dass sich auch nach dem Formatieren noch sämtliche Daten auf den Massenspeichern befinden. Um Missbrauch zu verhindern, müssen Sie den Datenträger sicher löschen, sodass selbst Spezialprogramme wie Testdisk und Photorec keine Möglichkeit zur Wiederherstellung mehr bieten. Dabei wurden aufgrund der Entwicklung bei Massenspeichertechnologien in den letzten Jahren die Karten neu gemischt: Neben herkömmlichen Festplatten finden sich inzwischen auch in gebrauchten Computern immer öfter SSDs, die sich aufgrund einer völlig anderen Speichertechnologie nicht mit herkömmlichen Methoden sicher löschen lassen.

Herkömmliche Festplatten lassen sich durch ein komplettes Überschreiben aller Sektoren mit zufällig generierten Zeichenfolgen sicher löschen, sodass auch mithilfe eines Magnetresonanzmikroskops bis auf wenige Dateifragmente keine Rekonstruktion mehr möglich ist. Daher gibt es unzählige Programme, die unterschiedliche behördliche Standards zur sicheren Datenvernichtung umsetzen. Nachteil all dieser Löschmethoden ist der enorme Zeitaufwand bei Massenspeichern hoher Kapazität. Teilweise benötigt das komplette Überschreiben einer großen Festplatte bis zu mehreren Tagen.

Moderne Massenspeicher auf Basis von Flash-Speichern eignen sich für diese Art des sicheren Löschens allerdings nicht. Das liegt daran, dass Löschprogramme für magnetische Datenträger durch das Überschreiben eine sehr große Anzahl an Schreibvorgängen produzieren, welche die Speicherbausteine einer SSD schnell überfordern, da diese nur eine begrenzte Anzahl an Schreibzyklen vertragen.

Die zuverlässigste Möglichkeit, hersteller- und typenunabhängig eine SSD wieder in den Auslieferungszustand zu versetzen, bietet der Secure Erase-Befehls. Dieser setzt die im SSD-Controller geführte Liste freier und belegter Blöcke komplett zurück und löscht die Zellen, indem er alle Speicherbereiche der SSD als unbelegt markiert. Im Gegensatz zu magnetischen Datenträgern lassen sich bei SSDs vorhandene Dateifragmente in den einzelnen Speicherzellen mit konventioneller Technologie nicht rekonstruieren.

Linux bietet mit den Kommandozeilen-Tool Hdparm schon seit Längerem die Möglichkeit des sicheren Löschens. Allerdings ist es sehr unkomfortabel zu bedienen und erfordert mehrere Arbeitsschritte. Eine ähnliche Wirkung erreichen Sie, wenn Sie eine Neupartitionierung und -Formatierung der SSD vornehmen und dabei das Dateisystem Ext4 mithilfe des Befehls mke2fs anlegen. Ab Version 1.41.10 führt es bei einer Neuformatierung der SSD automatisch ein ATA-TRIM durch, das alle Daten löscht. Voraussetzung ist allerdings, dass die SSD ebenfalls ATA-TRIM unterstützt.

Wesentlich einfacher macht es Ihnen Parted Magic: Hier klicken Sie lediglich auf das Icon Erase Disk und erhalten ein Fenster mit mehreren Möglichkeiten zum sicheren Löschen von Datenträgern (Abbildung 6). Die angebotenen Löschoptionen greifen dabei auf interne Befehle des Betriebssystems zurück, sodass Sie beispielsweise durch Anklicken der Option Internal Secure Erase command writes zeros to entire data area im Hintergrund den Befehl Hdparm mit entsprechenden Optionen starten. Im weiteren Verlauf des Löschvorgangs fragt Sie das Tool nach dem zu bereinigenden Datenträger, wobei Ihnen das Frontend hier alle Geräte anzeigt, die den entsprechenden ATA-Befehl unterstützen, also neben SSDs auch Festplatten. Nach entsprechender Auswahl beginnt das Zurücksetzen des Datenträgers.

Abbildung 6: Der Disk Eraser bietet Ihnen mehrere Möglichkeiten, Ihre Massenspeicher sicher zu löschen.

Einige Computer haben jedoch im BIOS eine sogenannte Freeze-Lock-Routine implementiert, die ein Laufwerk gegen die Anwendung des Secure-Erase-Kommandos blockiert. Parted Magic bietet in diesem Fall an, den Rechner in den Sleep-Modus zu versetzen, damit nach dem Aufwecken die Freeze-Funktion abgeschaltet ist und somit das Secure-Erase-Kommando startet. Anschließend setzt die Routine das Laufwerk zurück, wobei sie zu Beginn den benötigten Zeitaufwand anzeigt. Der Vorgang dauert je nach Größe des Datenträgers mehrere Stunden, den Abschluss des Löschens zeigt ein Popup-Dialog an.

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