Klonkrieg

Versuchen Sie jetzt nicht, die Dateien direkt auf dem defekten Datenträger wiederherzustellen. Die Gefahr ist einfach zu groß, dass die Werkzeuge dabei noch mehr zerstören. Zudem gibt es dann keine Möglichkeit für einen zweiten Rettungsversuch. Es empfiehlt sich deshalb, zunächst eine bitgenaue Kopie des Datenträgers anzufertigen.

Dies setzt wiederum voraus, dass die Festplatte des Rettungs-PCs genügend freien Speicher für die Kopie besitzt. Zudem müssen Sie die wiederhergestellten Daten irgendwo ablegen. Folglich sollte der komplette Datenträger zwei-, besser jedoch dreimal auf die Festplatte passen. Für eine 2 GByte große Speicherkarte sollte also mindestens 6 GByte freier Speicherplatz bereitstehen. Wenn Sie nicht nur eine Partition, sondern eine komplette Festplatte retten müssen, sollten Sie extra zur Datenrettung eine leere, größere Festplatte einbauen.

Das eigentliche Duplikat erzeugt dann das kleine Programm GNU Ddrescue. Es liest einen Datenträger Bit für Bit aus und speichert den Inhalt in einer Datei, dem sogenannten Image oder Abbild. In der Regel müssen Sie Ddrescue über den Paketmanager nachinstallieren, bei Ubuntu steckt es im Paket gddrescue. GNU Ddrescue hat in vielen Distributionen das Pendant dd_rescue abgelöst, in einigen Repositories finden Sie sogar beide Werkzeuge.

Die zwei Programme unterscheiden sich lediglich in ihren Parametern und ihrer Vorgehensweise: Das neuere ddrescue liest den Datenträger in recht großen Schritten aus, wobei es fehlerhafte Bereiche zunächst überspringt. Erst wenn es den kompletten Datenträger kopiert hat, sieht es sich die fehlerhaften Blöcke noch einmal an und versucht aus ihnen so viele Daten wie möglich auszulesen. Durch sein Gedächtnis können Sie den Lesevorgang zudem zwischendrin abbrechen und dann zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Das ist insbesondere bei großen Festplatten nützlich, bei denen das Auslesen mehrere Stunden dauern kann. Dagegen beißt dd_rescue sich erst einmal an den nicht mehr zu lesenden Stellen fest. Sofern Sie die Wahl haben, sollten Sie also GNU Ddrescue vorziehen.

Nullnummer

Beide Werkzeuge ersetzen nicht mehr lesbare Stellen in der Image-Datei durch Nullen. Damit lässt sich dann zwar nicht mehr die komplette Diplomarbeit retten, aber vielleicht zumindest doch ein Teil. Da das von ddrescue erzeugte Image extrem groß werden kann, sollten Sie es auf einer Partition speichern, die mit solchen Brocken umgehen kann. Nicht geeignet sind folglich externe USB-Festplatten mit FAT32-Dateisystem.

Um mit ddrescue den Inhalt der Partition /dev/sde1 in die Datei /home/tim/kopie.img zu kopieren, rufen Sie es wie folgt auf:

# ddrescue /dev/sde1 /home/tim/kopie.img logfile

In der Datei logfile speichert ddrescue ein paar Informationen. Nur mit ihnen lässt sich der Lesevorgang via [Strg]+[C] zwischendurch abbrechen und dann später mit dem obigen Befehl wieder fortsetzen (Abbildung 4). Mit ddrescue können Sie selbstverständlich auch den kompletten Datenträger retten:

# ddrescue /dev/sde /home/tim/kopie.img logfile
Abbildung 4: Auch wenn Sie ddrescue wie hier später weiterarbeiten lassen können, sollten Sie es möglichst ohne Unterbrechung durchlaufen lassen. Insbesondere bei Festplatten haben sie je nach Schadensbild nur einen einzigen Versuch.

Das ist vor allem sinnvoll, wenn blkid keine Partitionen erkannt hat oder Sie wissen, dass die Partitionstabelle defekt ist. Sofern möglich, sollten Sie vom erstellten Image eine Kopie anlegen. Schlägt der Rettungsversuch gleich fehl, müssen Sie dann den fehlerhaften Datenträger nicht erneut zeitraubend einlesen.

TIPP

Lässt sich lediglich eine einzelne Datei nicht mehr lesen, können Sie mit dem Kommando ddrescue datei.txt /media/rescue/datei.txt zumindest deren noch lesbaren Teile retten.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Spurensuche
    Löschen Sie versehentlich Dateien und Partitionen auf einem Rechner, benötigen Sie lediglich zwei Tools, um nach Spuren der Daten zu fahnden.
  • Aus dem Orkus
    Die Partitionstabelle ist zerstört, 600 GByte wertvolle Daten wurden gelöscht – jetzt müssen Testdisk und Photorec ihre Qualitäten bei der Datenrettung beweisen.
  • Mit dd_rescue defekte Partition wiederherstellen
    Wer regelmäßig seine Daten sichert, braucht vor Platten-Versagen keine Angst zu haben – doch manchmal vergisst man die regelmäßigen Backups. Verabschiedet sich dann die Festplatte mit einem Lesefehler, ist guter Rat teuer. Oder umsonst, wenn Sie "dd_rescue" verwenden.
  • Blaulichteinsatz
    Mit Ddrescue retten Sie Daten von beschädigten Festplatten, DVDs, USB-Sticks oder Speicherkarten. Ein leistungsfähiges grafisches Frontend, das sämtliche Funktionen einfach zugänglich macht, begleitet das leistungsfähige Kommandozeilenwerkzeug.
  • Erste Hilfe für Fotos
    Wenn die SD-Karte aus der Digitalkamera den Geist aufgibt, sind nicht automatisch alle gespeicherten Bilder weg. Mit etwas Glück und PhotoRec ist die Datenrettung möglich.
Kommentare
Hat mir geholfen
Chris (unangemeldet), Montag, 05. März 2018 13:41:49
Ein/Ausklappen

Noch immer (2018) ein guter und hilfreicher Artikel, ich habe damit Daten von einer defekten Micro SD retten können.

Trotz Behandlung per testdisk ließ sich das Image dennoch nicht unter open Suse leap mounten. Geholfen haben dann folgende Schritte:
- unter testdisk kann man auf die Dateien zugreifen und auf dem Rettungs-PC ablegen
- photorec kann direkt die .img Datei öffnen. Damit war es möglich alle Files wieder herzustellen.




Bewertung: 195 Punkte bei 6 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 05/2018: GEODATEN

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

added to access control list
Ingrid Kroll, 27.03.2018 07:59, 10 Antworten
Hallo allerseits, bin einfache Nutzerin und absolut Linux-unwissend............ Beim ganz norm...
Passwortsicherheit
Joe Cole, 15.03.2018 15:15, 2 Antworten
Ich bin derzeit selbständig und meine Existenz hängt am meinem Unternehmen. Wahrscheinlich verfol...
Brother drucker einrichten.
Achim Zerrer, 13.03.2018 11:26, 1 Antworten
Da mein Rechner abgestürzt war, musste ich das Betriebssystem neu einrichten. Jetzt hänge ich wi...
Internet abschalten
Karl-Heinz Hauser, 20.02.2018 20:10, 2 Antworten
In der Symbolleiste kann man das Kabelnetzwerk ein und ausschalten. Wie sicher ist die Abschaltu...
JQuery-Script läuft nicht mit Linux-Browsern
Stefan Jahn, 16.02.2018 12:49, 2 Antworten
Hallo zusammen, ...folgender goldener Code (ein jQuery-Script als Ergebnis verschiedener Exper...